Medien 08.09.2006, 19:23 Uhr

Bierdeckel verrät ein Stück Zukunft  

VDI nachrichten, Berlin, 8. 9. 06, rb – 2005 verkündete die Deutsche Telekom ihre Highspeed-Offensive auf der Berliner IFA. 2006 ließ sie die Besucher rund um den Funkturm bereits am damit möglichen Internetfernsehen schnuppern. Zudem präsentierte der Konzern in der Hauptstadt auf einem Bierdeckel neue Tarifmodelle.

Schon die Politik hat sich vergeblich am Bierdeckel versucht. CDU-Wirtschaftsexperte Friedrich Merz konnte damit seiner Steuererklärung im Kleinstformat nicht landen, jetzt will die Telekom zeigen, dass ein Bierdeckel für mehr als nur Gläser taugt.

Stolz hob Walter Raizner, Chef der Festnetzsparte T-Com, am vergangenen Donnerstag den magenta-leuchtenden Pappdeckel mit neun neuen Tarifen in die Höhe. Die auf der IFA in Berlin publizierten Preismodelle sollen – wie könnte es anders sein – für Einfachheit stehen. Sie zeigen aber auch, dass die Telekom sich endlich in den Preiskampf einmischt.

Nach dem Verlust von rund 1 Mio. Festnetzanschlüssen im ersten Halbjahr – das entspricht mehr als 5000 Kunden am Tag, die ihren Telekom-Anschluss kündigen – kontert der Konzern und lässt die Preise purzeln. Ab 18. September sinken so z. B. die kombinierten Telefon- und Internetanschlüsse um 22 % bis zu 30 %.

„Wir wollen mit diesem Tarifkonzept unseren Marktanteil aktiv verteidigen“, erklärte Raizner in Berlin, während Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke differenzierte: Man werde den Kampf um Marktanteile nicht über den Preis gewinnen, man werde nicht der „billige Jakob“, man passe sich aber dem Marktniveau an. Wichtig ist für Ricke vor allem eins: „Aus Kundensicht gibt es keinen Grund mehr zu wechseln.“

Mag die Symbolik des Bierdeckels noch so fragwürdig sein, so versteckt sich doch auf dem kleinen Pappdeckel in der oberen Reihe ein Hauch von Zukunft: T-Home.

Mit dem Triple-Play-Angebot will das Unternehmen im Oktober starten und neben Telefonie und Internet auch Unterhaltung über das Breitbandnetz auf den heimischen Fernseher bringen.

T-Home soll zwischen 66 € und 91 € kosten. Beim Einstiegspaket gibt es nur Video-on-Demand. Beim teuersten Anbebot surft der Kunde über das neue Hochgeschwindigkeitsnetz (VDSL, Very High Bitrate DSL), erhält Internet-TV, Videos und zusätzliche Pay-TV-Angebote sowie zwei Spiele der Fußball-Bundesliga am Wochenende live. Die komplette Bundesliga, Premiere-Kanäle und anderes kosten extra.

„Es gibt kein Angebot, das so gut ist wie VDSL“, betonte Raizner in Berlin und verwies auf die Konkurrenz mit ihren 10 Mbit/s bis 20 Mbit/s schnellen Zugängen. Das toppt die Telekom mit ihrem neuen Glasfasernetz zwischen Hauptverteiler und Kabelverzweiger in zwölf Städten um mehr als das Doppelte. Entscheidend: Über die 50 Mbit/s lassen sich mehrere hochauflösende Filme ins Haus bringen.

Die Besucher der IFA konnten daher bis Mittwoch am Stand der Telekom nicht nur aufblasbare Luftgitarren ins Messegepäck laden, sondern auch einen ganz realen Blick in die nahe Zukunft erheischen. Und, sie kamen.

Dicht drängten sich die Menschen rund um drei mit TV-Geräten bestückte Präsentationsinseln. Extra für diese Demonstration, so hieß es hinter vorgehaltener Hand, habe der Bonner Konzern zusätzliche Glasfasern auf dem Gelände rund um den Funkturm verlegen lassen.

Was die Besucher sehen konnten, war Internetfernsehen oder besser gesagt IP-TV made by Telekom. Schon die Benutzeroberfläche verrät, wer hier miteinander kooperiert. Das Blau der Microsoft-IPTV-Plattform wird durch magentafarbene Streifen ergänzt.

Einfach ließ es sich durch die vielen Kanäle – es sollen über 100 werden – zappen. Die Bildqualität war gut, die Bedienung logisch aufgebaut. Aufzeichnungen über den Elektronischen Programmführer (EPG) sind einfach, in einem Archiv lassen sich bereits gelaufene TV-Sendungen abrufen. Interaktive Angebote wie in unseren Nachbarländern? Noch Fehlanzeige.

Einzig am Anfang stockte die Box und musste „rebootet“ werden. „In der Messehalle ist es für die Boxen unter den Plexiglashauben zu heiß“, erklärte ein Telekom-Mitarbeiter bei der Vorführung. Andere wittern darin Softwareprobleme im Zusammenspiel mit Microsoft. Vielleicht auch das ein Grund, warum erst 500 Kunden das im August gestartete Angebot nutzen, wie die Berliner Zeitung berichtete?

Klassische Fernsehzuschauer werden solche Neustarts nicht goutieren, das weiß die Telekom genau. Sie ist gut beraten, wenn sie auch bei der Einführung von IP-TV trotz politischem Druck Sorgfalt und Ruhe walten lässt.

Schließlich weiß der frisch durch den Aufsichtsrat gestärkte Telekom-Chef Ricke genau: „Den Kampf um den Kunden werden wir in den Feldern Innovation und Service führen.“ Bierdeckel und mit Luft gefüllte Gitarren vermitteln da ein falsches Bild. R. BÖNSCH

Von R. Bönsch
Von R. Bönsch

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