15.10.1999, 17:23 Uhr

Bewegter Kampf um feste Preise

Schafft Brüssel die fixen Preise im grenzüberschreitenden Handel ab, wird die österreichische Verlagswelt von der Konkurrenz weiter geschwächt.

Der weltgrößte Seismograph des Verlagsgeschäfts, die Frankfurter Buchmesse, wächst von Jahr zu Jahr. Stetig nimmt die Menge neu erscheinender Titel zu. Doch der Umsatz der Sortimentsbuchhändler stagniert beinahe: In den ersten neun Monaten nahm er im Vergleich zum Vorjahr lediglich um rund 0,5 % zu, so die aktuelle Schätzung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Neuen Schwung in den Markt will die österreichische Buchhandelskette Libro bringen. Der Großhändler hat der Preisbindung den Kampf angesagt: Das Buch sei eine Ware und müsse deshalb genauso liberal wie jede andere behandelt werden – national wie im grenzüberschreitenden Handel.
Deutsche Verleger und Buchhändler sehen als Folge dieses Vorstoßes ihre Felle davonschwimmen. Auch die gleichlautenden Beteuerungen des ehemaligen EU-Wettbewerbskommissars Karel Van Miert und seines Nachfolgers Mario Monti, die deutsche nationale Preisbindung werde von der Europäischen Kommission nicht angetastet, vermochte sie nicht zu beruhigen. Ihnen ist die angedachte Abschaffung der grenzüberschreitenden Preisbindung ein Dorn im Auge. Sie befürchten Re-Importe: Deutsche Verlage könnten dann via Umweg über österreichische Handelspartner ihre Erzeugnisse auch in deutschen Buchläden zu Niedrigpreisen anbieten.
Damit die Buchpreisbindung nicht über diesen Trick ausgehebelt wird, haben die deutschen Verfechter fixer Preise das Sammelrevers abgeändert: Dieses obligatorische Vertragswerk zwischen Buchhändler und Verlag beinhaltet nun ein Abkommen zur Einhaltung stabiler Preise. Re-Importe sind ausgeschlossen. Somit ist die Preisbindung innerhalb Deutschlands fest verankert.
In Österreich hingegen fürchten Händler und Verleger eine Flut billiger Bücher aus Deutschland, sollte die grenzüberschreitende Buchpreisbindung aufgehoben werden. Österreichische Buchhandlungen wären nicht länger an die Preisvorgaben deutscher Lieferanten gebunden. Bestseller könnten verramscht, Fachliteratur stark verteuert angeboten werden. Die kränkelnde österreichische Verlagswelt würde von finanzstarken Konkurrenten aus dem Nachbarland weiter geschwächt.
„Rein formaljuristisch mag sich die Kommission bei der österreichisch-deutschen Preisbindung auf eine einheitliche Anwendung des Gemeinschaftsrechts berufen“, erklärt Anton Hilscher vom Hauptverband des österreichischen Buchhandels auf Anfrage der VDI nachrichten. „Inhaltlich führt ihre Politik dazu, allein in Österreich die Preisbindung zu Fall zu bringen.“
Michael Naumann, Kulturbeauftragter im Bundeskanzleramt, wurde zuletzt von österreichischer Seite „übelster Kolonialisierungsstil“ vorgeworfen. Auf Kosten der deutsch-österreichischen Preisbindung wolle er die nationale Preisbindung in Deutschland absichern. „Wenn überhaupt“, konterte Naumann in einem Interview, „ist der Vorwurf der Kolonialisierung an die österreichische Ladenkette Libro zu richten.“ Deren Beschwerde bei der EU-Kommission gegen die Preisbindung habe den gesamten deutschen Markt bedroht.
In der Libro-Zentrale in Guntramsdorf bei Wien herrscht indessen betretenes Schweigen. In der Chefetage ist niemand zu erreichen. Immerhin war vor einiger Zeit noch von der Geschäftsleitung wörtlich zu hören: „Wir wollen ja keine Kultur, sondern wir wollen Geschäfte machen“. Es drängt sich nun der Verdacht auf, dass die ganze Preisbindungsdiskussion lediglich eine Werbeaktion war, um Libro ins Gespräch zu bringen.
Gegen die Preisbindung könnte höchstens die Struktur des österreichischen Buchhandels sprechen. Der überwiegende Teil der Verlage existiert derzeit nur aufgrund staatlicher Zuschüsse. Die Liste derer, die in den Schoß des Österreichischen Bundesverlages aufgenommen wurde, ist lang. Die Abschaffung der Bindung könnte hier also zum Subventionsabbau beitragen. Er könnte aber auch das Ende für viele österreichische Verlage bedeuten.
Der feste Ladenpreis für Verlagserzeugnisse ist in vielen Ländern Europas eine Selbstverständlichkeit, in Deutschland gibt es ihn schon seit 1887. Das Hauptargument seiner Befürworter besteht darin, dass das „empfindliche Kulturgut“ Buch vor den rauhen Winden eines freien Marktes geschützt werden müsse: Freier Wettbewerb bevorzuge große Buchhandlungen. Gleichzeitig werde die Versorgung ländlicher Gegenden mit Büchern schlechter. Dort würden nur noch sichere Erfolgstitel angeboten.

Änderung der Regelung würde Büchervielfalt gefährden

Dementsprechend setzt sich auch der Börsenverein für den Deutschen Buchhandel für fixe Preise ein. Er veröffentlichte im Juni 1998 eine detaillierte Widerlegung der Beschwerdepunkte gegen die Preisbindung, die zuvor von der Europäischen Union vorgelegt worden waren. Darin wird behauptet, die Preisbindung sei kulturpolitisch notwendig. Außerdem erfülle sie sämtliche Voraussetzungen für eine Genehmigung durch die EU-Kommission.
Der Börsenverein listet auf 342 Seiten die Segnungen der Preisbindung auf: Er sieht sie als Garant für die steigende Zahl lieferbarer Titel und das breite Literaturangebot, für die dichte Versorgung der Bevölkerung und für die Vielfalt der Fachbücher. Die Preisbindung trage zur Verbesserung der Warenerzeugung bei und komme daher auch dem Verbraucher unmittelbar zugute. Sie sei der Grund für den lebhaften, funktionierenden Wettbewerb im Buchmarkt.
Für die Preisbindung könnten auch die Erfahrungen in England sprechen: Als 1995 drei große Verlagshäuser aus dem System ausscherten, trat fast augenblicklich ein, was prophezeit worden war: Zunächst wurden Bücher billiger, und zwar vor allem Bestseller, die in großen Buchhandlungen verkauft wurden. Umsatzsteigerungen blieben aber aus. Insgesamt fielen die Preise für Bücher nicht, sie stiegen – um 6 % bis 7 % . In den ersten zwei Jahren nach dem Wegfall der Preisbindung verzeichneten die großen Buchhandlungen ein Umsatzplus von 8 %, während der Umsatz kleinerer Buchhandlungen um 22 % zurück ging.
Egal ob mit oder ohne Preisbindung nimmt die Konzentration im Buchhandel weiter zu. Ein großer Teil der Bücherkäufer will gar nicht kompetent beraten werden. Diese Kunden werden nicht mehr zum Buchhändler um die Ecke, sondern zum Großmarkt gehen. Wenige große Firmen werden ein Standardprogramm anbieten, das sich am Umsatz orientiert; beliebte Bücher werden billiger, ausgefallene Titel hingegen kaum mehr erhältlich sein.
ALEXANDER GLÜCK /sta
Mario Monti als neuer EU-Wettbewerbskommissar will der Linie seines Vorgängers treu bleiben: Die grenzüberschreitende Preisbindung soll fallen.
Die Buchbranche boomt. Die größte der einschlägigen Ausstellungen, die Frankfurter Buchmesse, wird von Jahr zu Jahr größer.

 

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