Medien 18.02.2005, 18:37 Uhr

Berlinale feiert ohne Raubkopierer

VDI nachrichten, Berlin, 18. 2. 05 – Hollywood und die deutsche Filmindustrie gehen immer schärfer gegen Urheberrechtsverletzer vor. Zu der Bedrohung durch Online-Tauschbörsen kommt nun die neue Gefahr einer vernetzten Gerätewelt rund um Festplattenrekorder. Offiziell mied die Branche bei den 55. Berliner Filmfestspielen das Thema Raubkopien, doch hinter den Kulissen wurde heftig diskutiert.

Seit Tagen geben sich in Berlin die Filmstars die Klinke in die Hand: Größen wie Keanu Reeves, Catherine Deneuve oder Kevin Spacey spazierten schon über den roten Teppich am Potsdamer Platz. Bei der 55. Berlinale steht der europäische Film im Mittelpunkt. Die Branche feiert, Misstöne sind kaum zu hören.
Die gute Laune steht im krassen Widerspruch zu der starken Rhetorik und den harten juristischen Bandagen, mit denen neben Hollywood auch die Filmindustrie in Deutschland auftritt. Mit Kampagnen wie „Raubkopierer sind Verbrecher“ verweisen die Macher auf die Bedrohung aus dem Cyberspace und fordern Verschärfungen beim Urheberrecht.
So schlug gerade der Verband der Filmverleiher (VdF) Alarm. Er wetterte gegen die im Rahmen der Urheberrechtsreform geplante Einführung einer Bagatellgrenze, nach der rechtswidrige Vervielfältigungen straffrei bleiben sollen, wenn sie „in geringer Zahl und ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch“ hergestellt werden. „Sollte diese neue Vorschrift ohne Einschränkung auch für den Kinofilmbereich gelten, ist unser Kampf gegen die Piraterie und ihre Folgen zum Scheitern verurteilt“, zeigte sich VdF-Geschäftsführer Johannes Klingsporn in einem Schreiben an Bundesjustizministerin Brigitte Zypries besorgt. Die „Raubkopierer-Klausel“ könnte eine Flut von bis zu 2 Mrd. Filmkopien pro Jahr eröffnen und komme einem „Freibrief für (zunächst) digitalen Diebstahl“ gleich.
In den Tauschbörsen werden nicht nur Hollywood-Blockbuster angeboten. „Auch deutsche Filme werden bei Raubkopierern immer beliebter“, weiß Klingsporn. Gerade für „mutige, kleine Produktionen“ könne der illegale Vertrieb aber schnell das Aus bedeuten.
Noch kaum wahrgenommen wird von den Verfolgern von Urheberrechtsverletzungen hierzulande dagegen die Gefahr, die von einer neuen Geräte- und Dienstegeneration ausgehen könnte. Denn DVD- und Festplattenrekorder gehörten im Weihnachtsgeschäft zu den Rennern.
Generell stehen viele Rekorder- und Settop-Box-Hersteller aber mit dem Copyright noch auf Kriegsfuß, da sie das Speichern und Kopieren digitaler Inhalte ja gerade ermöglichen wollen. In den USA etwa haben Technologiefirmen wie Sling Media oder Tivo bereits Dienste zur Verfügung gestellt, mit dem sich aufgenommene Inhalte auch über PCs, Laptops, PDAs oder Handys bewundern lassen. Kopierschutzmechanismen kommen dabei nicht immer zum Einsatz. Sie lassen sich zudem oft mit Spezialprogrammen umgehen. Auch bleibt die Möglichkeit, die digitalen Inhalte zunächst in analoge Daten zu verwandeln und so legale private Kopien zu erstellen. Diese „analoge Lücke“ machen sich beispielsweise kommerzielle Softwarewerkzeuge zunutze.
Auf der Berlinale standen die Copyright-Ängste der Filmbranche überraschender Weise nicht im Rampenlicht. Einzig auf Randforen wie dem filmpolitischen Empfang der Jungen Union sowie der Verwaltungsratssitzung der Filmförderungsanstalt (FFA) Mitte der Woche kam das Thema zur Sprache.
„Im kleinen Kreis wird viel darüber geredet“, sagt Oliver Trettin vom Bundesverband Audiovisuelle Medien. Kaum eine Gremiumssitzung vergehe ohne Debatte zum verbesserten Rechteschutz. Von den Berlinale-Machern sei die „Piraterie“ jedoch nicht zum „offiziellen Thema“ ernannt worden.
US-Filmstudios selbst wollen ihren Namen mit der Verfolgung und Abschreckung von Urheberrechtsverletzern aus Imagegründen gar nicht mehr in einem Zug erwähnt wissen. „Kein Kommentar“, hieß es etwa bei einem großen Verleiher. Die Arbeit in diesem Bereich überlasse man den Verbänden. Doch: Geht es um die Einführung neuer Technologien wie HDTV oder HD DVD, fordern die Studios rigoros Kopierschutzmaßnahmen ein. Viele Verträge können deshalb erst verzögert abgeschlossen werden.
Dem deutschen Kino selbst geht es übrigens so gut wie lange nicht mehr. Nach FFA-Angaben gehört das Kinojahr 2004 zu einem der besten seit der Wiedervereinigung. 156,7 Mio. Eintrittskarten wurden verkauft – eine Steigerung um 5,2 % gegenüber dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz stieg auf 892,9 Mio. €. Auch Trettin spricht von einem „fantastischen“ Jahr beim DVD-Absatz. Richtig zufrieden ist er aber nicht: „Man weiß nie, wie viel wir ohne Raubkopierer noch verkauft hätten.“ Eine Kinoerfolg wie „Titanic“ mit mehr als 18 Mio. Besuchern werde es wohl im Zeitalter von Tauschbörsen und CD-Brennern nicht mehr geben. Statt ein zweites Mal ins Kino zu gehen, würden sich die Zuschauer die Streifen eher auf dem grauen Markt für den Bildschirm zu Hause besorgen.STEFAN KREMPL

 

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