Interview: Internet und HDTV 14.09.2012, 11:52 Uhr

„Bei den Kunden kommt HDTV erst jetzt richtig an“

Aus Sicht von Lorenz Glatz, CTO von Kabel Deutschland, wird das technisch Machbare nicht sofort von den Kunden erwartet. Während die Wettbewerber Lösungen für „TV to go“ in den Markt bringen, setzt der größte deutsche TV-Kabelnetzbetreiber auf schnelles Internet und HDTV.

Lorenz Glatz, CTO von Kabel Deutschland: Schnelles Internet und HDTV.

Lorenz Glatz, CTO von Kabel Deutschland: Schnelles Internet und HDTV.

Foto: Kabel Deutschland

VDI nachrichten: Kabel Deutschland legt in der Vermarktung den Schwerpunkt auf HD-Sender. Ist hochauflösendes Fernsehen nicht schon ein „alter Hut“?

Glatz: Das ist vielleicht die Sicht von Journalisten und Technikern, die sich bereits seit mehreren Jahren mit diesem Thema befassen. Bei den Kunden kommt HDTV erst jetzt richtig an. Laut einer aktuellen Umfrage von Kabel Deutschland wünschen sich 43 % der Befragten mehr HDTV. Diese Entwicklung und den Kundenwunsch nehmen wir auf.

Inwiefern?

Glatz: In allen Programmpaketen sind heute HD-Sender enthalten. Dazu haben wir in die neue Version unseres Digitalen HD-Video-Recorders (DVR) eine dreimal größere Festplatte mit 1000 GByte (1 Terabyte) verbaut, so dass jetzt deutlich mehr HD-Filme aufgenommen werden können. Dank HDTV schreiben wir im Fernsehbereich seit zwei Quartalen wieder schwarze Zahlen. HDTV ist ein Wachstumstreiber.

Fragen Ihre Kunden denn nicht nach 3-D-Inhalten? Oder ziehen die meisten Zuschauer sogar weiter die analoge Verbreitung vor?

Glatz: Wir haben 3-D-Inhalte in unserem Angebot, aber die Kundenreaktionen zeigen, dass 3-D noch kein großes Thema ist. Die Nachfrage nach digitalem und HD-Fernsehen steigt, was wohl auch an den immer größeren Flachbildschirm-Diagonalen in den Wohnzimmern liegt. Wir verzeichnen die stärkste Nachfrage nach HDTV, zeitversetztem Fernsehen und schnellem Internet.

Ihre Wettbewerber SES Astra, Sky und die Deutsche Telekom bieten derzeit auch Möglichkeiten an, Filme und Serien kabellos und „to go“ zu empfangen, etwa via WLAN auf einem Tablet-PC (siehe VDI nachrichten vom 16. 8. 2012). Wird es ein ähnliches Produkt auch von Kabel Deutschland geben?

Glatz: Wir arbeiten an diesen Themen und ich kann vorerst nur sagen, dass unsere Kunden mit dem DVR künftig noch sehr viel erleben werden. Schon heute bieten wir ja eine Fernprogrammierung via Internet und Mobilfunk an sowie einen elektronischen Programm-Manager, der als App heruntergeladen werden kann. Wir meinen aber, dass nicht alles, was technisch möglich ist, sofort vom Kunden nachgefragt wird.

Gilt das auch für das Hochgeschwindigkeitsinternet?

Glatz: Ja. Wir haben gerade im Feld gezeigt, dass wir Download-Geschwindigkeiten von mehr als 4,7 Gbit/s hinbekommen. Solche Tests bedienen zunächst den sportlichen Ehrgeiz der Techniker, denn wir sind noch meilenweit davon entfernt, solche Bandbreiten sinnvoll mit Inhalten zu füllen. Mit den Tests senden wir aber ein klares Signal in den Markt: Wir sehen das Kabel als das Netz der Zukunft. Denn es ist die einzige Infrastruktur, die bereits in der Fläche verbreitet ist und die Bandbreiten verfügbar macht, die etwa von der Bundesregierung gefordert und auch von den Kunden gewollt sind. Milliardeninvestitionen in einen parallelen Glasfaserausbau sind aus unserer Sicht volkswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Beim Internet via TV-Kabel teilen sich die angeschlossenen Haushalte die verfügbare Bandbreite. Sie arbeiten mit einer Kombination aus Glasfaser- und Koaxial-Kabeln – kommen Bandbreiten von 100 Mbit/s damit tatsächlich beim Kunden an?

Glatz: Ja. Wir setzen dazu bei unserem Ausbau auf Fiber Nodes, also Umsetzer von Glasfaser zu Koaxialkabel. Je mehr neue Kunden in ein Cluster kommen und sich damit Bandbreite teilen und je mehr Nachfrage nach breitbandigen Internetverbindungen besteht, desto tiefer treiben wir die Glasfaser ins Netz. Wir bauen also dort aus, wo die Kunden mit einem entsprechenden Bedarf sind – und buddeln nicht erst, und warten dann auf mögliche Interessenten.

Wie funktioniert das?

Glatz: Wir bringen die Bandbreite bedarfsgerecht näher zu den Kunden, indem wir neue Fiber Nodes setzen. Dieser technische Vorgang nennt sich Segmentierung. Wir verkleinern also die Kunden-Cluster und erhöhen die Leistung für jeden der angeschlossenen Haushalte. Dadurch kommen die vom Kunden gewünschten Bandbreiten auch bei steigender Kundenzahl beim Kunden an. Die Grundlage dieser Vorgehensweise ist die Hybrid-Architektur des Netzes. Im Englischen spricht man von einem Hybrid-Fiber-Coax-Netz (HFC-Netz). Mit der HFC-Struktur verfügen wir im Gegensatz zu unseren Wettbewerbern über eine solide und außerordentlich zukunftssichere Architektur.

Im Bereich der Infrastruktur will Kabel Deutschland schon bald ein bundesweites Netz von eigenen WLAN-Hotspots aufbauen. Was versprechen Sie sich davon?

Glatz: Wir werden in Berlin bald ein WLAN-Pilotprojekt starten. Mitte Oktober können wir dazu mehr sagen. Unser Ziel ist es, unsere leistungsfähige Infrastruktur den Usern auch unterwegs zugänglich zu machen.

Welche technischen Herausforderungen würden mit der Übernahme des Telecolumbus-Netzes auf Kabel Deutschland zukommen?

Glatz: Sollte das Bundeskartellamt dem Erwerb des Netzes Ende dieses Jahres zustimmen, können wir voraussichtlich Anfang 2013 mit der Arbeit beginnen. Die Plattformintegration und die Signalanbindung dürften dabei nach meinen bisherigen Erfahrungen kein Problem sein. Anspruchsvoller ist dagegen die Aufgabe, alle Kunden so zu überführen, dass keine Dienste ausfallen und sie dieselben Produkte wie zuvor erhalten. Das ist in der Regel Knochenarbeit.

Von Simone Fasse

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