Medien 21.10.2005, 18:40 Uhr

Bedingt startbereit  

VDI nachrichten, München, 21. 10. 05 – Das hochauflösende Fernsehen nimmt zur Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr einen zweiten Anlauf. Deutschland hat sich verpflichtet, hochauflösende Bilder in die Welt zu schicken. Die Techniker haben ihre Hausaufgaben gemacht, aber die Entscheidungsträger bitten um Aufschub.

Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft gibt es noch viel zu tun, und zwar nicht nur für die Kicker unserer Nationalmannschaft. Deutschland hat sich in internationalen Verträgen verpflichtet, hochauflösende Fernsehbilder um den Globus zu schicken. Im Gegensatz zu den USA und Japan, wo HDTV längst zum Alltag gehört, gilt Deutschland als Nachzügler. Einzig der Pay-TV-Anbieter Premiere hat sich zum HD Start verpflichtet und will seinen Kunden die WM 2006 in HDTV-Qualität zeigen. Ein Grund für das Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT) auf einem Symposium die Frage zu erörtern: HD Ready or not?

Nach zwei Tagen war für IRT-Sprecher Prof. Dietrich Sauter der Fall klar. „Das Fragezeichen können wir streichen“, so Sauter, „die Technik ist HD Ready.“ Noch ist aber nicht klar, wann und in welchem Umfang die Free-TV-Anbieter dem Beispiel von Premiere folgen. „Für den Notfall“, räumten die ansonsten schweigsamen Free-TV-Vertreter in München hinter vorgehaltener Hand ein, habe man einen Notplan in der Schublade, um mit zusammengeliehenen Geräten schnell ein gemeinsames HDTV-Programm aufschalten zu können.

Dabei hätte man Zeit genug gehabt, zeitig zu reagieren. Zwei Jahrzehnte dauerte es, bis das hochauflösende Fernsehen Wirklichkeit wurde. In dreifachem Abstand von der Bildschirmhöhe, so die Zielvorgabe, soll der Zuschauer den Eindruck gewinnen, mitten im Geschehen zu sein. Das gelingt nur, wenn die Anzahl der vertikalen und horizontalen Bildpunkte verdoppelt wird. Der Versuch, dieses Ziel mit den technischen Möglichkeiten der 90er-Jahre zu realisieren schlug zunächst fehl. Das analoge HDTV-Fernsehen in Japan und den USA bleibt ein subventioniertes Nischenprogramm. Die Übertragungsstrecken waren zu teuer und die Geräte weder transportabel noch bezahlbar.

Nun setzt die Branche auf digitale Technik, die dank massiver Rechenpower mit deutlich schlankeren Übertragungsstrecken auskommt. Als Endgeräte stehen heute elegante Flachbildschirme zur Verfügung, die wenig Stellfläche beanspruchen. Vor allem die größten Exemplare, die so genannten Plasmabildschirme, erreichen mit Bilddiagonalen von 1 m bis 1,5 m exakt jene Abmessungen, die zum raumfüllenden Fernsehgenuss nötig sind.

Testprojektionen beweisen: Der Bildeindruck ist nur von einer sehr guten Kinokopie zu übertreffen. Doch die Sache hat einen Haken. „Um einen Spielfilm verlustfrei in HDTV zu speichern, wären 109 DVDs nötig“, erläutert Ralf Schäfer vom Heinrich-Hertz-Institut in Berlin, „das ist nicht praktikabel. Die Daten müssen also reduziert werden.“ Von den ursprünglich an der Kamera anfallenden 120 Mbit/s bis 400 Mbit/s dürfen beim Zuschauer maximal 6 Mbit/s bis 9 Mbit/s ankommen, sonst wird die Ausstrahlung über Satellit zu teuer. „Moderne Kodiertechniken, wie der von uns mitentwickelte H.264, können dies leisten“, erläutert Ralf Schäfer, „sie sind doppelt so effizient wie der bekannte MPEG 2 Encoder, dafür allerdings auch zehn Mal komplexer“. Das, so der Experte, ist aber kein Problem: „Denn in den zwölf Jahren, seit MPEG 2 vorgestellt wurde, hat sich die Rechenleistung der Mikroprozessoren verhundertfacht. H.264 arbeitet mit verbesserter Bewegungserkennung und einem Filter, der die berüchtigten MPEG-Bildblöckchen unsichtbar machen soll.“

Aber auch H.264 kann keine Wunder vollbringen: Wird zu sehr an der Bit-Schraube gedreht, bleibt vom hochaufgelösten Bild nur ein systembedingter Nebel aus unscharfen Quadraten übrig, wie Testprojektionen der EBU in München schmerzhaft belegten.

Kein Wunder, dass sich etliche Experten fragen, ob am Ende aus Sparsamkeit nicht zu viele Bits aus dem Bild reduziert werden. „Wer 7000 € für einen Großbildschirm hinlegt, darf anschließend von der Bildqualität nicht enttäuscht werden“, erläutert Sebastian Lau vom Fernsehsender Premiere. Zur Fußball-WM werden es die Zuschauer wissen. Auch Premiere setzt auf H.264. Premiere will drei hochaufgelöste Programme in einen Satellitentransponder packen. Das deutet auf eine Datenrate von ca. 9 Mbit/s hin. Details stehen noch nicht fest, denn die Set-Top-Boxen-Hersteller warten sehnsüchtig auf die ersten Dekoder-Chips. Aber keiner der drei anvisierten Hersteller kann bisher liefern.

Aber es geht nicht nur um die Datenrate. Weitere Qualitätskriterien sind die Anzahl der verwendeten Zeilen und die Bildwiederholfrequenz. Dabei stehen sich zwei Philosophien gegenüber. Die eine setzt auf eine etwas höhere Zeilenzahl und niedrigere Bildwiederholfrequenz, die andere auf schnelleren Bildaufbau und niedrigere Zeilenzahl. Hochgradig umstritten ist nach wie vor die Art des Bildaufbaus. Mit oder ohne Zeilensprung, lautet hier die Frage. Unser heutiges, für den Röhrenfernseher konzipiertes PAL-Fernsehen arbeitet mit Zeilensprung und schreibt zwei jeweils um eine Zeile verschobene Halbbilder direkt hintereinander. Moderne Flachbildschirme arbeiten aber stets mit Vollbildern, also mit progressivem Signal, und benötigen einen speziellen Rechenbaustein, um mit Halbbildern umgehen zu können. Diese so genannten de-interlacer sind teuer, produzieren viel Abwärme und machen das Bild unscharf. Trotzdem wird die Fußball- WM mit Zeilensprung ausgestrahlt, denn für dieses Verfahren gibt es aktuell mehr Produktionsgeräte und mehr sendefähiges Material.

Das letzte Wort ist hier aber noch nicht gesprochen, zumal der Premiere-Dekoder beide Modi beherrscht. „Moderne Kodierverfahren liefern bei progressivem Bildaufbau bessere Resultate“, erläuterte Hans Hoffmann, Ingenieur bei der EBU (European Broadcast Union) in Genf. Hoffmann hatte zum Beweis einige Testsequenzen mitgebracht. Gerade beim Sport zeigen die mit 50 Hertz getakteten Vollbilder ihre Stärke. Der Bildeindruck ist durchweg eine Spur besser. In einigen Jahren sollen die Kompressionstechniken leistungsfähig genug sein, auch 1080 Zeilen mit 50 Hertz zum Zuschauer zu transportieren. BERND SCHÖNE

Von Bernd Schöne

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG-Firmenlogo
NEPTUN WERFT GmbH & Co. KG Ingenieur (m/w/d) Betriebsmittelkonstruktion Rostock
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG-Firmenlogo
WEINMANN Emergency Medical Technology GmbH + Co. KG Qualitätsmanager (m/w/d) Supply Chain Henstedt-Ulzburg
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Key Account Manager (m/w/d) deutschlandweit
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck-Firmenlogo
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Universitätsprofessorin/Universitätsprofessor für Stahl- und Verbundstechnologien Innsbruck (Österreich)
MEMMINGER-IRO GmbH-Firmenlogo
MEMMINGER-IRO GmbH Entwicklungsingenieur Mechanik (m/w/d) Dornstetten
Panasonic R&D Center Germany GmbH-Firmenlogo
Panasonic R&D Center Germany GmbH Engineer (m/f/d) A2W heat pump solutions Langen (Hessen)
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Regionaler Applikationsingenieur (w/m/d) Mannheim
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Abteilungsleiter (m/w/d) Konstruktion Biberach / Riss
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FRITSCH Bakery Technologies GmbH & Co. KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Markt Einersheim (Raum Würzburg)
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Maschinenfabrik GmbH & Co. KG Projektleiter (m/w/d) Kundenspezifische Anpasssungen Biberach

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.