Medien 07.03.2003, 18:24 Uhr

Banken regieren? TV-Kabel

Der Verkauf der letzten sechs regionalen TV-Kabelnetze an ein Investorenkonsortium ist genehmigt. Der Weg scheint also frei für eine Digitalisierung der Infrastruktur. Doch ob die neuen Investoren das auch so sehen, ist noch fraglich.

Die Übernahme passierte eher im Verborgenen. Dass der hessische Kabelnetzbetreiber Iesy im Februar zu 90 % von den Finanzgruppen Apollo und Pequot übernommen wurde, drang kaum über die Landesgrenzen hinaus. Dass das nordrhein-westfälische Pendant Ish versteigert wurde und die Gläubigerbanken rund um die Citygroup den Zuschlag erhielten, stieß da schon auf mehr Interesse. Ebenso wie die lange erwartete und erhoffte Nachricht, dass die Deutsche Telekom einen Käufer für die verbliebenen sechs regionalen TV-Kabelnetze gefunden hat. In der vergangenen Woche gab die Europäische Kommission nun die Erlaubnis für das 1,7 Mrd.-®-Geschäft mit der Investorengruppe um Goldman Sachs, Providence Equity und Apax.
Keine Frage: Im deutschen TV-Kabelnetz – jedenfalls auf der sog. Netzebene 3 (siehe Grafik), halten nun Banken und Finanzinvestoren das Ruder in der Hand. Selbst in Baden-Württemberg, wo einst wie in Nordrhein-Westfalen das US-Unternehmen Callahan Associates eine Beteiligung von 60 % hielt, liegen diese Anteile nun u. a. bei der Bank of America und der Blackstone Group. Die letzten 40 % hält noch immer die Deutsche Telekom. Ish und Kabel BW firmieren nun getrennt.
Nachdem sich – nicht nur in Deutschland – viele Kabelunternehmen die Finger mit dem Ausbau der Netze verbrannt und eine Menge Geld durch nicht tragfähige Geschäftsmodelle verloren haben, sind jetzt die Banken am Start. Zum einen ehemalige Gläubigerbanken, die durch eine Geschäftsbeteiligung wenigstens einen Teil des eingesetzten Kapitals retten wollen. Zum anderen – wie im Falle des Konsortiums um Goldman Sachs – findige Investoren, die so günstig wie nie wertvolle Infrastruktur in ihr Portfolio bekommen. Denn hätte der US-Medienunternehmer John Malone im vergangenen Jahr mit Liberty Media den Zuschlag für die Netze erhalten, hätte er noch 5,5 Mrd. ® hinblättern müssen.
Was aber können und werden diese neuen Finanziers mit den Netzen anfangen? „Das Geschäft wird zunächst weiterlaufen wie bisher“, erwartet Dr. Hans-Ullrich Wenge, langjähriger Vorsitzender der Geschäftsführung der Telekom-Kabeltochter Kabel Deutschland.
Genau das befürchten viele Branchenvertreter. Schon bei der Bekanntgabe des großen Telekom-Deals vor einem Monat mahnten Landesmedienanstalten und Verbandsvertreter den Ausbau der kostbaren Infrastruktur an – einer Infrastruktur, mit der zurzeit mehr als 18 Mio. Fernsehhaushalte versorgt werden. Erst jeder 500. Haushalt surft hierzulande über das Fernsehkabel – in den USA oder den Niederlanden liegt diese Durchdringung mehr als 30 mal höher, so eine aktuelle Studie der Deutsche Bank Research.
Schon lange wird über die „längst fällige“ Modernisierung des Netzes diskutiert. Doch mutige Investoren wie Richard Callahan, der Millionen in den Ausbau der Kabelkopfstationen und die Rückkanalfähigkeit des nordrhein-westfälischen Netzes steckte, wurde nicht gerade von Kunden überrannt, die unbedingt schnell surfen, digital fernsehen und billiger telefonieren wollten.
Zwar spielte für das Scheitern von Callahan auch die falsche Einschätzung der Netzebene-4-Anbieter eine große Rolle, die über den Löwenanteil des direkten Kundenzugangs verfügen. Auch die massive Werbung der Telekom für ihr DSL-Produkt und das undurchsichtige Ish-Marketing tat wohl das übrige. Doch es bleibt die Frage, wo der Bedarf für den Ausbau liegt. Denn: „Die erforderliche Modernisierung des Kabelnetzes ist kostenintensiv, das gesamte Geschäft dadurch risikoreich“, bescheinigt DB-Research.
Wer dieses hohe Risiko trägt, muss auch bestimmen dürfen, was übertragen wird und wie weit ausgebaut wird. So sehen es jedenfalls die großen Betreiber der Netzebene 3, die sich jüngst zum „Deutschen Kabelverband“ zusammengeschlossen haben.
Bei der Vorstellung des Verbands in Berlin machte dessen Präsident Ernst Uhlig, seines Zeichens Geschäftsführer von Ish, klar: „Der Schwerpunkt wird in den nächsten Jahren noch auf der Fernsehübertragung liegen.“ Auch reiche eine schrittweise Modernisierung. „Es muss nicht flächendeckend auf 862 Mhz ausgebaut werden“, erklärte Uhlig im Namen der beteiligten Regionalgesellschaften an. Der Ausbau der Netze werde marktkonform vonstatten gehen, bekräftigte Rüttger Keienburg, Vizepräsident des Verbands und (noch) Geschäftsführer der Kabel Berlin-Brandenburg. Was „marktkonform“ dann heißt, werden letztlich die Finanzinvestoren zu entscheiden haben. SIMONE ZELL

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