Medien 01.08.2008, 19:36 Uhr

Aus für analoges Kabel-TV lässt auf sich warten  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 8. 08, jdb – Die Digitalisierung des guten alten Kabel-TVs dauert offenbar doch länger, als es die Protagonisten gerne verkünden. Gerade die Wohnungswirtschaft leidet darunter, wenn potenzielle Mieter ein Objekt nicht annehmen, nur weil es mit der telekommunikativen Infrastruktur hapert.

Der Umstieg von analog zu digital ist bei weitem nicht so weit gekommen, wie wir uns das erhofft haben“, kritisierte Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, kürzlich bei der Eröffnung des diesjährigen GdW-Multimedia-Kongresses in Berlin. Auch bliebe die Nutzung der Programme und Dienste weit hinter den Erwartungen zurück. „Die Verbraucher sind verunsichert, weil sie nicht wissen, warum sie etwas bezahlen sollen, was vorher nicht extra zu bezahlen war.“

15,5 Mio. der rund 37 Mio. bundesdeutschen Fernsehhaushalte verfügen laut GdW über ein digitales Empfangsgerät, also etwa 42 %. Knapp 10 Mio., rund 60 %, entfallen auf den Verbreitungsweg Satellit. Doch im Kabel nutzen erst 3,6 Mio. der 18 Mio. Haushalte, also 20 %, digitale Technik.

„Für die digitale Terrestrik hatten sich bis Ende 2007 rund 2 Mio. Haushalte entschieden“, so Claus Wedemeier, Referent Multimedia und IT beim GdW. Den Vorteilen der Digitalisierung wie effizientere Frequenznutzung, geringere Rechteerwerbskosten, verbesserte Bild- und Tonqualität sowie mehr Programme und Medienangebote stellte er aber noch mehr Risiken gegenüber. Dazu gehören zunehmender Sender-Wettbewerb, kein Empfang mit jedem Gerät an jeder Dose, zunehmende Individualisierung, Geschäftsmodellwechsel der Sender und – „Fernsehen wird schlichtweg teurer“.

Verbraucher und Wohnungswirtschaft einerseits sowie die übrigen Marktteilnehmer andererseits vertreten laut Wedemeier beim Übergang auf digitalen Empfang teilweise kontroverse Positionen. Zwar würden alle einen schnellen Übergang bevorzugen, doch für die weitere Existenz des digitalen Free-TV gäbe es seitens der großen Kabelnetzbetreiber und großen privaten Senderfamilien keine Akzeptanz.

Umgekehrt die Position bei der digitalen Grundverschlüsselung, die den Zugang zu den Netzen ganz allgemein regelt. Da befürworten die beiden Gruppen diese Technik, während kleinere Kabelnetzbetreiber und öffentlich-rechtliche Sender sowie Verbraucher und Wohnungswirtschaft das ganz anders sehen. Die seien auch gegen eine „harte“ Abschaltung des analogen Fernsehens und werden dabei wiederum von großen privaten Sendern unterstützt. Große Übereinstimmung gebe es hingegen in der Frage der technischen Harmonisierung der Boxen – nur die großen Kabelnetzbetreiber und die großen Privatsender haben da noch andere Vorstellungen.

Zur Frage „Wie schaffen wir einen nutzerfreundlichen Übergang von der analogen zur digitalen Übertragung im TV-Kabel – wohin tendiert die Politik?“ nahmen die medienpolitischen Sprecher und Vertreter der Bundestagsparteien – mit Ausnahme der CDU/CSU – Stellung. Laut Monika Griefahn (SPD) hätten sich die Parteien für den Umstieg im Jahr 2012 entschieden. „Es gibt dann viele Möglichkeiten, Kosten zu sparen, Subventionen sind aber nicht nötig.“

Auch Lothar Bisky (Die Linke) hält den Umstieg für „nicht vermeidbar“ und eine „bezahlbare Grundverschlüsselung“ für zwingend, sofern sie für alle in Betracht käme. Die FDP sei – so Christoph Waitz – ebenfalls für die Verschlüsselung aller Signale und sieht darin die Möglichkeit, „uns unabhängig zu machen von den Ermittlungsversuchen irgendwelcher GEZ-Ermittler“.

Waitz: „Man kann es den Verbrauchern nicht zumuten, drei oder vier unterschiedliche Settop-Boxen zu installieren, sondern man muss sich innerhalb der Industrie auf möglichst einen Standard verständigen. Funktioniert das nicht und wird damit die Digitalisierung der Kabelnetze nachhaltig behindert, müsste wie in den USA schlichtweg die Einführung eines gemeinsamen Standards verordnet werden.“

Malte Spitz (Bündnis 90/Die Grünen) warnte vor einer harten Abschaltung der analogen Programmübertragung nach dem Beispiel des digitalen terrestrischen Fernsehens (DVB-T). „Da wird die Akzeptanz nicht so hoch sein, um zu einem nahen Stichtag einen harten Umstieg zu vollziehen.“

Auf finanzielle Aspekte bei der Grundverschlüsselung ging Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg, ein. Die zum Umstieg erforderlichen neuen Inhalte müssten erarbeitet und auch bezahlt werden. „Doch weder die Rundfunkgebühren noch die Werbeeinnahmen sind beliebig steigerungsfähig.“

Auch dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen könne eine Grundverschlüsselung helfen, ihre Einnahmen zu verbessern. Andererseits: „Mit der Reichweite, die im digitalen Fernsehen möglich ist, lassen sich keine Programme finanzieren. Die jetzige analoge Welt erreicht 100 % der Bevölkerung, in der digitalen soll jetzt ein besseres Programm mit weniger erreichbaren Haushalten gemacht werden, das ist die Quadratur des Kreises.“

Erst wenn RTL und Co. ohne Mehrkosten digital im Kabel verfügbar seien, wäre man ein schönes Stück weiter. Die jetzigen Programme seien Mischformen von Programm und Werbung, eben Billigprogramme, die von kaum jemand vermisst würden, so Hege.

Nur das Breitband-Internet würde bei der Kabelindustrie gut laufen, das sei ein klarer Mehrnutzen. Hege: „Beim digitalen Fernsehen kommt beim Verbraucher doch nur rüber: Das soll mehr kosten. Wird dann noch die Verschlüsselung dazu genutzt, Digital Rights Management zu übertreiben und den Leuten alle Kopien zu verunmöglichen, die sie analog noch machen können, dann könnte dasselbe passieren wie der Musikindustrie.“ Hege abschließend: „Es ist eben sehr legitim, Urheberrechte zu schützen, aber Verschlüsselung hat eine ganze Menge Haken und Ösen, und wenn man die nicht löst, ist die politische Unterstützung auch bald weg.“ RAINER BÜCKEN

Mehrwert des digitalen Fernsehens ist für den Kunden nicht direkt zu erkennen

Von Rainer Bücken

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