Medien 26.10.2001, 17:31 Uhr

Aufwärtstrend für Videos im Netz

Ausgerechnet die Terrorattentate in den USA haben der arg gebeutelten Streaming-Branche einen kurzfristigen Aufschwung beschert. Langfristig gelingen hohe Zugriffe auf Videos im Netz aber nur mit höheren Bandbreiten für Anwender.

Wurden bewegte Bilder im Internet wegen ihres „Hanuta-Formats“ und der eher ruckeligen Bildchen bislang eher belächelt, so erfuhr der Abruf von Videos im Internet („Streaming“) durch die Terrorattacken vom 11. September einen enormen Aufschwung. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon wählten sich Millionen von User in das Web ein und suchten vor allem auf den Seiten von Medienunternehmen nach aktuellen Informationen. Die Zugriffe auf die Website des Nachrichtensenders CNN Deutschland (gekoppelt mit n-tv) stiegen im September auf mehr als 34 Mio. Page Impressions, ein Plus von 279 % im Vergleich zum Vormonat. Auch der Kölner Privatsender RTL reagierte in seinem Internet-Angebot auf die Ereignisse mit einem Live-Stream, der rund um die Uhr abrufbar war. Die Videos der Sondersendungen zu den Ereignissen in New York und Washington wurden allein 900 000 mal herunter geladen.

Jürgen Mayer, Business Development Manager bei Internetportal Yahoo Deutschland, ist sich sicher: „Durch Streaming-Angebote bekommt das Internet Spontanität, Authentizität, Intensität, Faszination und Emotion.“ Allein im vergangen Jahr hat sich das Audio- und Videoangebot im Web verdreifacht. Prognosen wie von Mercer Management Consulting gehen davon aus, dass bis 2003 rund 30 % des Internet-Contents in bewegten Bildern dargestellt wird.

Die Streaming-Beiträge laufen jedoch nicht automatisch ab, die User entscheiden, was sie wann sehen wollen. Einzige Voraussetzung dafür: Sie müssen sich vorher einen kostenlosen Player – Real oder Windows Media von Microsoft – als Plug-in für den Browser aus dem Web herunterladen, um das Streaming abspielen zu können. Wer eine mit VHS vergleichbare Videoqualität wünscht, benötigt eine Download-Kapazität von mindestens 500 kbit/s und ist zurzeit am besten mit einem DSL-Anschluss beraten.

Die technischen Voraussetzungen auf der Anbieterseite sind da schon erheblich komplexer. Zur Aufzeichnung von Streaming-Inhalten reicht prinzipiell eine MPEG-codierende WebCam aus. Der Knackpunkt liegt jedoch in der Bandbreite des Videoservers. Um eine große Anzahl von Parallelzugriffen bei Groß-Events handhaben zu können, hält beispielsweise die Deutsche Telekom ein ganzes Cluster spezieller Streaming-Server in Stuttgart bereit, die bei Bedarf angemietet werden können. Insgesamt liegen die Kosten für Streaming-Media-Inhalte allerdings beim 25- bis 50fachen von textbasierten Websites. Nicht zuletzt aufgrund dieser Problematik musste z. B. der Internet-TV-Produzent TV1.DE sein Geschäftskonzept ändern. Nachdem ein fernsehartiges Vollprogramm nicht finanzierbar war, konzentriert sich die bayerische Produktionsfirma nunmehr auf Auftragsarbeiten.

Im Online-TV für geschlossene Benutzergruppen sehen Medienexperten die Hauptanwendung für Streaming Media: Ob Pressekonferenz, Messebericht, Produktvorstellung oder Aktionärsversammlungen. Als mögliche Killerapplikation wird auch das E-Learning angesehen, internationale Konzerne wie DaimlerChrysler haben dies bereits vor Jahren erkannt. So schult der weltgrößte Wellness-Direktvertrieb Herbalife über die eigens gegründete Produktionsfirma HBN mehrmals wöchentlich rund 1 Mio. Mitarbeiter mit Web-TV-Live-Streams in über 50 Ländern und in 13 verschiedenen Sprachen. Und der größte deutsche Autokonzern gilt mit seiner „Corporate University”als Pionier der Mitarbeiterweiterbildung über Intranets: Über das Medium Internet können die Mitarbeiter zeitlich und örtlich unabhängig auf die gewünschten Lerninhalte zugreifen. Dadurch reduzieren sich Reisekosten und die Ausfallzeit am Arbeitsplatz.

Wie sehr sich die Streaming-Technologie im Aufwind befindet, zeigte nicht zuletzt die jüngste Systems-Messe in München, die das interaktive Internet-Medium diesmal gebündelt in einem eigenen Hallenbereich – vis-à-vis zu den parallel laufenden Medientagen – präsentierte. Hier nur zwei herausragende Produkt-Highlights: Der stapelbare Streaming-Server Media Hawk 2000 des US-Herstellers Concurrent Computer erlaubt ein Multi-Channel-Encoding von mehreren Hundert parallelen Videostreams. Mit den Access-Point-Controllern der Harmony-Familie von Proxim lassen sich Streaming-Videos mit einer Datenrate von 54 Mbit/s sogar drahtlos übertragen.

Dass die Streaming-Media-Technologie mittelfristig die Messelandschaft verändern wird, davon sind auch die Macher der Systems überzeugt. Dr. Joachim Enßlin, Geschäftsführer der Messe München: „In Zukunft wird sich kein Messeplatz erlauben können, das Internet als Dienstleistungsinstrument zu vernachlässigen.“ Zusammen mit dem Internet-Wissensportal it-tv.de sendeten die Münchener an fünf Tagen je acht Stunden lang auf zwölf parallelen Live-Kanälen ein Online-Messe-TV. Die rund 700 Beiträge stehen auch nach Ende der Messe für mehrere Wochen „on-demand“ zur weiteren Recherche im Web bereit. M. AIGNER

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