3-D-Pioniere 08.10.2010, 19:49 Uhr

Auf der Suche nach dem perfekten 3-D-Bild

Weltweit fand Ende September die erste 3-D-Live-Übertragung eines Konzerts der Band „Die Fantastischen Vier“ über Satellit in 88 Kinos statt. Allerhand neueste Technik für 3-D-Produktionen kam dabei zum Einsatz. Vor allem beim Zusammenspiel von Technik, Regie- und Bildkonzepten mit den Musikern und dem Publikum betraten die rund 100 mitwirkenden Pioniere Neuland. Noch gibt es kaum ausgebildete Techniker und Filmschaffende, die die Stereoskopie perfekt in Szene setzen können.

Georg Friedrich Händel, der Barock-Komponist, Salz oder die süße Spezialität „Halloren-Kugeln“ – und nun auch 3-D: Halle an der Saale hat Ende September die Stadtgeschichte in Richtung Zukunft weitergeschrieben. Erstmalig wurde dort aus dem Steintor-Varieté ein Konzert der Stuttgarter Rapper „Die Fantastischen Vier“ in 3-D live über Satellit in 88 Kinos in fünf Ländern übertragen.

Rund 30 000 Zuschauer in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und Luxemburg machten es sich mit 3-D-Brillen auf der Nase in Kinosesseln bequem, um ältere Hits wie „Sie ist weg“ oder Neues aus dem Studioalbum „Für Dich Immer Noch Fanta Sie“ zu hören, mitzuklatschen oder gar im Kino zu tanzen. Der Effekt: live bei einem Clubkonzert dabei sein, ohne Schweiß und Attacken der hüpfenden Nebenfrauen- und -männer abzubekommen.

„Eine Liveübertragung ist die Königsklasse bei einer 3-D-Produktion“, sagte Josef Kluger, Geschäftsführer der Münchener Kuk-Filmproduktion, in Halle. Als 3-D-Regisseur hatte er die Oberaufsicht beim Konzert und arbeitete eng mit Fanta-4-Musikregisseur Sven Offen zusammen. „Stundenlang sind wir die Songs, das dazugehörende Musikschnittkonzept und die stereoskopischen Parameter für die fünf Kamerapositionen durchgegangen“, sagte Kluger. „3-D ist momentan ein komplexes Zusammenspiel aus mathematischer Berechnung und Erfahrungswerten.“

Das Besondere: Jede Kameraposition, jede Bewegung der Rapper, jeder Schnitt und selbst die Bühne müssen genauestens geplant und präpariert sein, um „die Raumwirkung zu unterstützen, ein angenehmes 3-D-Bild ins Kino zu bringen, so dass bei den Kinozuschauern die Illusion entsteht, direkt vor, hinter oder neben den Sängern auf der Bühne zu stehen“, sagte Kluger.

Das Ganze muss zudem in Echtzeit geschehen und nicht etwa in Tagen oder Wochen Nachbearbeitungszeit im Studio, wie beim 3-D-Konzertmitschnitt der Band „U2“ vor zwei Jahren oder kürzlich bei der Aufzeichnung des chinesischen Starpianisten Lang Lang. „Die Bearbeitung der Bilder für das linke und das rechte Auge muss zu jeder Sekunde der Sendung perfekt justiert sein.“

Vollgestopft mit Technik waren das Steintor-Varieté sowie der gesamte Hinterhof. Acht Lkw-Ladungen voller Bühnenequipment, Kränen und Stereokameras wurden herangekarrt, dazu ein Übertragungswagen mit Satellitenschüssel, voller 3-D-Displays sowie ein weiterer Übertragungswagen, in dem Stereoton in 5.1-Dolby-Surround-Ton umgewandelt wurde.

Im Varieté selbst kamen fünf Stereokameras zum Einsatz mit sogenannten Spiegel-Rigs, bei denen ein sehr kleiner Abstand zwischen den Bildern für das linke und rechte Auge möglich ist. „Dieser Abstand muss kontinuierlich nachjustiert werden, je nachdem wie nah oder weit weg die Kamera von den Sängern ist.“ Dies wurde durch einen riesigen Kran mit einer Stereokamera realisiert, die so von 15 m Distanz bis zu 50 cm an die rappenden Fantastischen Vier heranrückte.

„Anschließend geht das Signal in den Übertragungswagen und wird dort noch einmal von den Stereographern perfekt zueinander justiert.“ Dabei gehe es um die Positionierung zur Kinoleinwand in der Sekunde der Übertragung. Unterstützung durch Algorithmen bekommen die Stereographer dabei durch den Stereoscopic Analyzer, kurz STAN. Er wurde innerhalb der letzten beiden Jahre am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) in Berlin entwickelt.

„Unsere Software analysiert Stereo-Videobilder bereits während der Aufnahme und kann sie auch bei unterschiedlichsten Beleuchtungsbedingungen sowie möglichen Verzerrungen in Echtzeit elektronisch nachkorrigieren“, sagte Ralf Schäfer vom Fraunhofer HHI. Der Leiter für Image Bildverarbeitung am HHI, das seit rund 20 Jahren an der Entwicklung von 3-D-Systemen arbeitet, kündigte an, dass die Software STAN derzeit für mehrere Firmen lizenziert werde, darunter auch für die neue Kamera des Traditionsherstellers Arri.

Das fertige Signal wurde in 1080i-Auflösung – verschlüsselt und als ein Videobild für beide Ansichten zusammengepackt – über den Eutelsat-Satelliten Atlantic Bird 3 mit einer Bandbreite von 70 Mbit/s geschickt und kam „mit weniger als 1 s Zeitverzögerung“, versicherte Kluger, in den 88 Kinos an. Diese wurden zuvor mit einer Satellitenantenne und einem speziellen Satellitenempfangsgerät zur Entschlüsselung ausgerüstet.

Laut Josef Kluger war der Lerneffekt für alle Beteiligten riesig. Auch die Sänger mussten lernen: Keine hektischen Bewegungen vor der Kamera, das führe zu Verzerrungen, am besten nacheinander vor die Kamera, um die Raumwirkung von 3-D zu unterstützen, begleitende Musiker gut im Bühnenraum verteilen, so lauteten nur einige der Anweisungen. Querschwenks über die Bühne sind ebenso zu vermeiden wie hektische Schnitte, die bei Musikproduktionen durchaus üblich sind.

Wer will, kann sich das Konzert der Fanta 4 live aus Halle noch vor Weihnachten auf 3-D-Blu-ray anschauen – vorausgesetzt ein 3-D-Fernsehgerät ist bereits angeschafft.

Und noch eines wurde deutlich: „Wir können die Technik klonen, aber nicht die Personen, die mit 3-D Erfahrung haben“, sagte Kluger. Fast tröstlich sei es, dass es momentan noch kein Geschäftsmodell rund um die teuren 3-D-Produktionen gebe, sondern eher ganz viele Testproduktionen. NIKOLA WOHLLAIB

Von Nikola Wohllaib

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