Medien 04.01.2008, 19:32 Uhr

Auch 2008 ist kein Durchbruch für HDTV in Deutschland in Sicht  

VDI nachrichten, Berlin, 4. 1. 08, jdb – Seit vier Jahren ist HDTV auch in Deutschland wieder gesellschaftsfähig – jahrelang waren die vier Buchstaben seitens der europäischen Industrie als Unwort gehandelt worden. Mittlerweile gilt diese hochauflösende Technik als ein Wachstumsmotor für die Konsumelektronik. Doch so richtig auf Touren will er nicht kommen. Auch 2008 nicht.

Als sich vor zwei Jahren ProSiebenSat.1 und Premiere noch um die besten Startplätze für den HDTV-Wettlauf kabbelten, hatte Georg Kofler eine Vision. Schon Mitte 2008, so der damalige Chef des Pay-Senders, würde eine halbe Million Pay-Abonnenten auf hochzeiliges Fernsehen abfahren. Sechs Monate vor diesem Datum hat sich Ernüchterung breitgemacht. Von den 3,53 Mio. derzeitigen Premiere-Kunden hatten zum 30. September 2007 gerade 90 000 für die bessere Bildqualität optiert.

Auch die Free-HDTV-Programme von ProSieben und Sat.1 konnten die Massen bislang kaum begeistern. „Wir gehen derzeit von rund 150 000 Haushalten aus, die in Deutschland nicht nur über ein HD-ready-Display, sondern auch einen HD-Receiver verfügen“, erklärt Konzernsprecherin Katja Pichler. Noch Genaueres wissen die Marktforscher der GfK, der in Nürnberg ansässigen Gesellschaft für Konsumforschung. „Seit Markteinführung haben wir den Verkauf von ca. 155 000 HDTV-Boxen gemessen“, so Marktforscher Frank Franz. Damit dürfte sich die HDTV-Empfangssituation deutlich langsamer entwickelt haben als eben anfangs prognostiziert.

Doch auf den schwungvollen Prognosen von damals basieren noch heute alle Geschäftsmodelle rund um HDTV. Vor allem sehen die Transponderkosten des Satellitenbetreibers SES Astra eine gewisse Progression vor. „Für den Einstieg in die HDTV-Übertragung gibt es bei uns preisliche Anreize“, erklärt Markus Fritz, Vizepräsident und General-Manager von Europas führendem Satellitensystem für Direktempfang. Doch Zahlen sind Geheimsache, und so vermuten Marktbeobachter Einstiegspreise von rund 1 Mio. € pro Jahr, während ein regulärer Transponder wohl durchaus das Fünffache kostet.

Mit steigender HD-Settop-Boxen-Penetration dürfte auch die Erwartungshaltung des Satellitenbetreibers zunehmen – von „Preisanpassungen“ um die 50 % ist inzwischen die Rede. „Für uns ist HDTV ein reines Zuschussgeschäft, weitere Mehrkosten können wir nicht verkraften“, heißt es derzeit unisono bei Programmanbietern, die schon jetzt auf die Qualität hochaufgelöster Bilder setzen. Egal, ob ProSieben oder Sat.1, Anixe HD oder Euro1080 – die Pioniere des Free-HD haben zu kämpfen. Und so macht in den Fachgazetten dann schon mal die Schlagzeile von der HDTV-Einstellung die Runde. „Aus eigener Kraft können wir die Simulcast-Übertragung unserer beiden Hauptprogramme auch weiterhin stemmen – nur zusätzliche Kosten sind nicht drin“, heißt es beispielsweise bei ProSiebenSat.1. Ende Januar soll nun weiterverhandelt werden.

Das „viel zu frühe Ende der Schonzeit“ bedauert denn auch Emanuel Lapidakis, Ex-Inhaber von lastminute.de und Kommanditist von Anixe HD, der seit Mai 2006 auf Sendung ist. „Wir gehen inzwischen von einer technischen Reichweite von etwa 500 000 HD-Haushalten aus – aber kostendeckend arbeiten wir noch lange nicht.“ Vermutlich kostet der Sendebetrieb einschließlich der Film- und Serienrechte Jahr für Jahr 5 Mio. €. So setzt auch der HD-Filmsender auf neue Verhandlungen mit Astra.

Gründe für die zögerliche Entwicklung der HD-Empfangssituation sind für Lapidakis vor allem die hohen Preise der HD-Boxen. Von Comag aus Göppingen vertreibt Anixe inzwischen den Satelliten-HD-Receiver HD-S CI100 für 199 €. „Wir werden den Preis jetzt aber senken – auf 119 €.“ Das Image des Billig-Movie-Abspielers will sich das Unternehmen auch mit zunehmenden Eigenproduktionen abspülen. „Wir übertragen schon jetzt verschiedene Bundesliga-Spiele in HD – freilich nicht live.“

Auch für Europas eigentlichen HDTV-Motor, die belgische Firma Alfacam mit ihrem Sender Euro1080, ist das Warten auf die schwarze Null noch nicht zu Ende. „Wir produzieren in HD auf der ganzen Welt – für die ganze Welt, doch sind die Übertragungskosten schneller gewachsen als die Reichweite“, so Yves Panneels, Unternehmenssprecher aus Lint. Doch Zahlen werden nicht genannt – weder zur technischen, noch zur realen Reichweite. Seit dem 1. Januar 2004 wird in HDTV gesendet – meist verschlüsselt und gegen eine bis 2010 gültige Einmalgebühr. Übertragen wurde bislang auch noch im älteren Modus MPEG-2, seit dem 1. Januar sollte HD1 nur mit der neueren Kompressionstechnik MPEG-4 stattfinden.

Die anderen Programme, der Kultursender EXQI und der Event-Kanal HD2, sind nicht immer und überall zu empfangen – die Adressierung der Settop-Boxen macht es möglich. Doch inzwischen scheint festzustehen, dass Euro1080 sich von Astra ab- und Eutelsat zugewandt hat. Demnach soll es Euro1080 „ab Januar nur noch über Eutelsat“ geben, heißt es von Eutelsat, dem alternativen Plattformbetreiber. Allerdings ist die Position 7° Ost längst nicht so populär wie 19,2°, die Reichweite deutlich geringer.

Die öffentlich-rechtlichen Sender investieren erst einmal in Standardauflösung (SD). Seit Anfang 2006 hat das ZDF die Datenrate bei Satellit und Kabel erhöht und auch die ARD bereitet eine „SD-Qualitätsoffensive“ vor. Jörg-Peter Jost, Bereichsleiter Zentraltechnik, stellte die jetzt auf einer Veranstaltung der Fernseh- und Kinotechnischen Gesellschaft in Berlin vor. „Bereits Mitte 2008 wird die durchschnittliche Datenrate von 4 Mbit/s auf 6 Mbit/s steigen, freilich nur über Satellit und Kabel.“ Und dann dürften Laien es schon schwer haben, den Qualitätsunterschied zu HDTV zu erkennen, zumal der optimale HD-Betrachtungsabstand von dreifacher Bildhöhe kaum beachtet wird.

Den Absatz der HDTV-Settops nannte Jost „zögerlich“ – und zitierte Screen Digest, die bis Ende 2007 immerhin 224 000 Stück ermittelt haben wollen. Trotzdem halten sowohl ARD als auch ZDF an ihrem HDTV-Einstiegsdatum fest – 12. Februar 2010 mit der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Vancouver.

Das alles koste „richtig, richtig Geld“, so Jost. „Wir bereiten derzeit die Infrastruktur vor, die Sendeabwicklung – alles muss für die hohen Bandbreiten vorbereitet sein“, erläutert Wolfgang Wagner, Leiter der Abteilung Information und Systemtechnologie beim ZDF, die nächsten Vorhaben des Senders. Übertragen wird schließlich auch „nur“ mit 12 Mbit/s bis 13 Mbit/s – dann aber MPEG-4 codiert. Weitere HDTV-Showcases wie zur IFA 2007 dürfte es in diesem Jahr auch geben.

Ob 2010 HDTV zudem in voller Schönheit im Kabel zu finden ist, steht noch nicht fest. „Wir werden dann jedenfalls Kapazitäten schaffen für ARD und ZDF“, erklärt Ralf Heublein, Geschäftsführer des Deutschen Kabelverbandes. Hier sind neben Kabel Deutschland auch Kabel Baden-Württemberg und Unity versammelt. Derzeit ist nur Premiere mit seinen beiden HD-Programmen durchgängig im Kabel zu finden. Kabel BW ist am besten auf die Zukunft vorbereitet – acht HD-Kanäle stehen schon jetzt im Ländle zur Verfügung. RAINER BÜCKEN

Die Pioniere des Free-HD haben zu kämpfen

Von Rainer Bücken

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