Medien 12.09.2008, 19:37 Uhr

ARD und ZDF ringen um ihren künftigen Platz im Internet  

„Was dürfen die öffentlich-rechtlichen Sender im Internet.“

Verfolgt man die Diskussion um den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag in den letzten Monaten, so herrscht an dramatischen Szenarien kein Mangel: Der unregulierte Drang von ARD und ZDF ins Netz gefährde die wirtschaftliche Grundlage der Privatsender, zu viel Text auf den Internetseiten grabe den Zeitungsverlegern das Wasser ab. Kein Wunder also, dass sich die Intendanten der ARD und des ZDF ihrerseits nun einem Regelwerk ausgesetzt sehen, dass ihnen erhebliches Kopfzerbrechen bereitet.

„Natürlich tut uns die Siebentagesfrist weh“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff anlässlich der Konsumelektronik-Messe IFA, „und deswegen werden wir bis zur endgültigen Entscheidung über den Staatsvertrag für unsere Position werben.“ Er spielte damit auf die Regelung an, dass TV-Sendungen maximal sieben Tage nach Ausstrahlung im Netz verfügbar sein dürfen. Auch mit den Begriffen „sendungsbezogen“ oder „nicht-presseähnlich“ für ein Onlineangebot der Sender kann Raff wenig anfangen: „Es geht doch online gar nicht ohne Text. Natürlich mit Bewegtbild und Audio.“ Für Raff sind alle diese Regelungen im Entwurf des Staatsvertrags Einschränkungen, die noch über das von der EU geforderte Maß hinausgehen. Man habe bei den Sendern versucht, die Vorgaben der EU umzusetzen, „und zwar eins zu eins“. Doch dass jetzt die Politik da noch weitergehe, „das tut uns weh“, so Raff.

Wie auch sein ZDF-Kollege Markus Schächter fürchtet Raff nicht nur um den Zugang zu jüngeren Zuschauern, er sieht sich auch im europäischen Vergleich benachteiligt: „Wenn ich nach England und Frankreich schaue – was die alles dürfen, was wir nicht dürfen sollen …“, klagte er auf der IFA. Und sein Credo ist eindeutig: „Die heranwachsende Generation können wir nur über das Internet erreichen.“

ZDF-Intendant Schächter zitierte sogar einen Zeugen der „Gegenseite“, nämlich Springer-Chef Mathias Döpfner, der die Regelungen für die Sender im Internet als „lebensfremd“ bezeichnet haben soll. Schächter versteht sich als Anwalt des Zuschauers und nahm die gerade zu Ende gegangenen Olympischen Sommerspiele als Beispiel. Bei solchen Spitzensportereignissen dürften ARD und ZDF ihre Sendungen sogar nur einen Tag im Netz vorhalten. Die Diskussion um Ereignisse wie den Weltrekord im 100-m-Lauf dauere aber oft länger. „Da muss man doch den Nutzer sehen“, argumentierte Schächter, „der hat unsere Sendung und unseren Kommentar mit seinen Gebühren bezahlt und soll ihn dann nicht mehr im Netz sehen können.“

Klagen der Verleger um eine gebührenfinanzierte Konkurrenz im Netz ließen weder Raff noch Schächter gelten: „Wir haben immer gesagt: Wir machen keine kommerzielle Konkurrenz, aber publizistisch müssen wir da sein“, sagte Schächter, und Raff meinte, dass viele Verleger die Entwicklung im Netz lange verschlafen hätten. Neben großen Verlegern, die z. T. sehr innovativ und risikofreudig im Netz auftreten, stünden viele, die ihre Redaktionen ausgedünnt haben und immer mehr Agenturmaterial einkaufen. „Da sind wir doch als publizistische Konkurrenz geradezu notwendig“, resümierte der ARD-Vorsitzende und legte noch einen drauf: „Die Diskussion ist polemisch und entspricht nicht der realen Konkurrenzsituation im Netz.“

Allerdings sieht Raff auch differenziertere Betrachtungen im Verlegerlager. Wenn Ende Oktober der Pulverdampf verraucht sei, werde man sicher wieder auf den Boden der Realität zurückfinden. Und die heißt Kooperation. Letztlich, so ZDF-Intendant Schächter, müssen man doch den wahren Gegner sehen: „Für die Olympischen Spiele 2014 und 2016 haben sich Gazprom-Media bzw. Google um die Internetrechte beworben. Das sind die Vorboten der neuen Zeit, da müssen wir aufpassen, dass Qualitätsjournalismus nicht untergeht.“

Ausführlich äußerten sich Raff und Schächter auch zum weiteren Ausbau ihres digitalen TV-Angebots. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk trägt dazu bei, die digitale Welt zu beleben und den Kunden zu zeigen, dass es lohnt, sich die nötige Technik zu beschaffen“, sagte Raff und wertete z. B. die Umstellung von EinsExtra zum Nachrichtenkanal als Erfolg. Ein Erfolg allerdings, der vom Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) heftig kritisiert wird, da hier mit Gebühren den kommerziellen Nachrichtensendern wie N24 Konkurrenz gemacht werde.

Doch gerade im Bereich Nachrichten und Information befürchtet ZDF-Intendant Schächter künftig ein Versagen des Marktes: „Werbefinanzierte Information muss sich immer am Mainstream orientieren.“ Da zeige sich aber, dass z. B. für außenpolitische Nachrichten kaum ein Markt bestehe. „Und wie wichtig Außenpolitik ist, haben wir doch gerade erlebt.“ jdb

Von Jens D. Billerbeck

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