Medien 07.11.2008, 19:38 Uhr

ARD und ZDF fordern schnelle Abschaltung von Analog-TV  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 11. 08, jdb – Der Bitkom, Bundesverband der Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, lud zum Gipfelforum „HDTV across Europe“ nach Berlin. Über 70 hochauflösende TV-Kanäle sind in Europa verfügbar, doch Deutschland ist HD-Entwicklungsland. Erst die Abschaltung der analogen TV-Übertragung wird den Boom bringen, doch wann diese erfolgt, steht in den Sternen.

Dabei könnte es eigentlich recht gut laufen. Jeffry van Ede, Geschäftsführer von Sony Deutschland und Bitkom-Präsidiumsmitglied, erinnert daran, dass in diesem Jahr 85 % aller Fernseher HD-ready-Geräte sind. Doch der große Durchbruch sei erst 2010 zu erwarten, wenn es mit HD bei ARD und ZDF losgeht. Bis Ende dieses Jahres dürften 9 Mio. „HD-readys“ in den Wohnungen stehen.

ZDF-Mann Bereczky ist bei der Entwicklung der HD-Nutzer nicht ganz so sicher. „Premiere hat nach neuer Zählart 2,4 Mio. Kunden, aber kaum mehr als 120 000 HD-Boxen. Seit zweieinhalb Jahren wird hochauflösend gesendet, doch nur 5 % der Premiere-Kunden nutzen das Angebot.“

Wie entwickelt sich also HDTV? Europaweit recht gut, so Vincent Letang, Senior Analyst bei Screendigest. „Über 70 HD-Kanäle sind in Europa verfügbar, bis Ende 2010 werden es 150 sein.“ Für Ende 2007 meldet Screendigest gerade mal 1,2 Mio. HD-Empfänger, rund 1 %. 2012 sollen es 32 Mio. werden, also 20 %. Und: „HD wird der neue Fernsehstandard ab 2015 bis 2020.“ Das dürfte Bereczky nur recht sein. Auch er möchte „in zehn bis 15 Jahren das Ende des SD-HD-Simulcast-Betriebs in Angriff nehmen“, wie er auf den Münchener Medientagen sagte.

Österreich ist in Sachen HD in einer Spitzenposition, so die Überzeugung von Norbert Grill, Geschäftsführer der ORF-Tochter ORS, von der 40 % zu Medicur gehören, einem Unternehmen der Raiffeisen Gruppe. „Wir brauchten etwas Besonderes zur Euro 2008 und zu den Olympischen Spielen. Aus rechtlichen Gründen dürfen wir keinen weiteren Kanal aufmachen, sondern strahlen ORF 1 in HD simulcast über Astra aus“, so Grill.

Große Propaganda für HD macht ORF nicht – keine Werbung hierfür im Fernsehen, dafür aber Roadshows für Handel und Kunden. Die Ergebnisse sprechen für sich. Von den 3,4 Mio. TV-Haushalten sind 70 000 mit HD-Boxen versorgt – und seit Ende Juli sind 50 000 weitere ORS-Boxen einsatzfähig, monatlich kommen etwa 3000 hinzu.

Der analoge terrestrische Switch-off – in Deutschland soll er am 25. November abgeschlossen sein – könnte auch den Weg frei machen für HD-Empfang mit normaler Dach- oder Fensterantenne. Doch die Protagonisten wollen hierzulande nicht, wohl aber in England oder Frankreich – da klappt es auch mit der Umstellung von DVB-T auf DVB-T2. EU-weit sollen ab 2012 keine Frequenzen mehr für analoge TV-Programme genutzt werden.

Für Lars Thomsen, Chef-Futurist bei „future matters“, dem Münchener Büro für Innovation und Zukunftsforschung, „wird das Broadcast-Modell 2018 bis 2022 überflüssig, das Internet wird die Rolle übernehmen“. Seine Erklärung klingt simpel: „Können Sie sich vorstellen, Google würde seine Informationen nur an einem Mittwoch um drei Uhr nachmittags öffnen?“

Doch ganz so trostlos lässt er die Broadcaster dann doch nicht zurück. „Auch in 20 Jahren wird es Broadcast-Ereignisse geben, beispielsweise große Sportevents. Doch das Verteilmedium ist das Internet.“ Wegen dessen Qualität rät Bereczky zur Wachsamkeit. „Wir investieren nicht nur in die Technik, sondern auch ins Programm. Beim Internet muss man sich immer fragen, wer liefert die Information.“

Hilke Panzner Fredheim, Customer Marketing Managerin bei Microsoft, glaubt noch an die Sogkraft der – technischen – Qualität. „Consumer werden an der Technik kleben, die bessere Bilder bietet.“ Klaus Goldhammer, Chef von Goldmedia, ist sich hingegen sicher, „dass Qualität niemals der Treiber sein kann. Keiner freut sich bei You- Tube über schöne Aufnahmen.“ Ob aber wirklich die 20- oder 30-Jährigen nur noch Internet und Mobiles nutzen, wie Goldhammer vermutet, bleibt abzuwarten.

Nachrichten in HD wird es – zumindest im ZDF – nicht geben. „Wir bekommen dafür nicht genügend HD-Content, und können nicht alles hochrechnen“, erklärt Bereczky. In Japan und den USA geht das – da sind die Korrespondenten seit Jahren mit HD-Technik ausgestattet oder die Technik wird angemietet. HD-News sind in den Ländern jedenfalls sehr beliebt, das Material wird zudem vermarktet. Laut Astra schauen 43 % der HD-Kunden mehr fern und viele wählen Programme nur nach dem HD-Kriterium.

Hersteller von Broadcast-Equipment haben jedenfalls in den letzten Wochen ihre HDTV-Zukunftstechniken vorgestellt und trumpfen mit immer niedrigeren Datenraten für die Übertragung. Frans De Jong, Senior Engineer im Technical Department der Europäischen Rundfunkunion, warnt aber vor zu viel Optimismus. „Wir dürfen nicht die gleichen Fehler machen wie bei SD. Jetzt quetschen die Leute zu viele Programme in einen Kanal, und das auf Kosten der Qualität.“

Auf der anderen Seite werden Geräte unter dem Slogan 1080p/50 angeboten, also mit 1080 Zeilen, die 50-mal pro Sekunde nacheinander geschrieben werden. Dazu De Jong: „Bei Bildschirmen bis 50 Zoll wird kaum ein Unterschied zwischen 720p oder 1080p zu erkennen sein. Wer aber ein 1080p-Display hat, glaubt auch ein 1080p-Signal haben zu müssen.

Auch für den Programm-Austausch unter den Sendern könnte 1080p interessant werden. Nichts gegen den damit verbundenen höheren Bandbreitenbedarf hat Thomas Wrede, Vice-President von SES Astra. „Ja, starten Sie mit 1080p/50 – wir lieben es!“

RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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