Medien 14.01.2011, 19:51 Uhr

ARD-Chefin Piel: „Ich liebe Dokumentarfilme“

Mit einem Gesamtertrag von 6,3 Mrd. € 2009 gehört die ARD zu den größten Medienkonzernen der Welt. Seit Januar hat die WDR-Intendantin Monika Piel für zwei Jahre den Vorsitz der ARD-Intendanten übernommen, um in dieser Funktion moderierend Impulse und Themen setzen, mit denen sich der öffentlich-rechtliche Mediengigant in den nächsten zwei Jahren beschäftigt. Ein Gespräch mit Monika Piel zum Amtsantritt.

VDI nachrichten: Was werden unter Ihrem Vorsitz die dringlichen Themen sein?

Piel: Ich denke, dass das neue Beitragsmodell großen Raum einnehmen wird. Wenn nur ein Landesparlament nicht mitmacht, ist die Einführung verhindert. Es wird sicherlich noch einmal große Debatten geben. Da haben wir eine ganz große Kommunikationsaufgabe vor uns. Zumal sich dieses Thema bei den Landtagswahlen ja auch als populistisches Thema eignet.

Bei der ARD wird immer wieder auf Einsparungen verwiesen, und das bei Einnahmen von rund 6 Mrd. €.

Durch das neue Gebührenmodell bleibt unser Budget voraussichtlich sechs Jahre gleich. Es gibt also beispielsweise keinen Inflationsausgleich. 2013 und 2014 werden wir beim WDR pro Jahr weitere 50 Mio. € einsparen müssen. Wir sind zu einem strukturellen Umbau gezwungen, wobei dies möglichst nicht zulasten der Programme gehen soll.

Viele Produzenten und Dienstleister beklagen aber – und das betrifft alle Sender –, dass auf ihre Kosten und damit auf Kosten der Programmqualität gespart wird.

Der Deutsche Kulturrat hat eine Studie zu den kulturellen Auswirkungen unseres finanziellen Engagements angefertigt. In diesem Rahmen wurde beschrieben, dass durch den politisch gewollten Auf- und Ausbau der verschiedenen Medienstandorte in Deutschland Überkapazitäten entstanden sind, die nicht gebraucht werden. Das ist ein strukturelles Problem, das in wirtschaftlich schwierigen Zeiten überdeutlich wird.

Wir bauen erstmal viel Personal in unserem Haus, im WDR, selber ab. Das heißt, dass wir letztlich mehr Aufträge nach draußen geben werden.

Dennoch entsteht bei einem Blick ins TV- Programm der Eindruck, dass vor allem kostengünstige und nicht besonders anspruchsvolle Inhalte gezeigt werden …

Wir können auf eine Liste hochwertigster Fernsehfilme verweisen, in denen wir politische und wirtschaftliche Themen aufgreifen – etwa „Frau Böhm sagt nein“ oder „Guten Morgen, Herr Grothe“. Lange vor Herrn Sarrazin haben wir mit guten Regisseuren die Problematik nicht gelungener Integration beschrieben. Auf die fiktionale wie journalistische Aufarbeitung solch wichtiger gesellschaftsrelevanter Stoffe sind wir stolz, und das machen wir auch weiterhin. In diesem Jahr mit Schwerpunkten zu Tschernobyl, der Missbrauchsdiskussion um die katholische Kirche und öffentliche Einrichtungen sowie zu den Anschlägen am 11. September. Und natürlich muss es auch weiterhin die „Leuchttürme“ in der Fernsehunterhaltung geben. Dieses Jahr zeigen wir unter anderem „Laconia“ und „Der Kalte Himmel“.

Wie sehen Sie die Kritik an der Programmreform, durch sie werde das Genre Dokumentation herabgewürdigt?

Ich liebe Dokumentarfilme. Es ist mein liebstes Genre im Fernsehen überhaupt. Besonders im WDR produzieren wir nach wie vor viele Dokumentationen, aber auch in der ARD – schon allein um unser Profil zu stärken. Vom Mengengerüst wird es auch zukünftig keine Doku weniger geben. Den Sendeplatz am Montag um 20.15 Uhr, an dem bisher nur Naturfilme liefen, werden wir künftig auch für politische Dokus öffnen, wenn die Aktualität das sinnvoll und nötig erscheinen lässt. Auch die Budgets bleiben gleich. Die Anzahl der Talkshow-Sendeplätze dagegen haben wir von 40 auf 36 pro Jahr und Format verringert. An den dadurch frei werdenden Sendeterminen werden wir dann zum Teil auch Dokus senden.

Sie betonen, dass Sie in den nächsten zwei Jahren das öffentlich-rechtliche Profil schärfen möchten. Wie?

Wir dürfen trotz Quotendruck nie unseren öffentlich-rechtlichen Kernauftrag vergessen dazu gehören natürlich auch Filme und gute Dokumentationen. Wenn das gewährleistet ist, dann kann auch das Festival der Volksmusik seinen Platz haben. Wir wollen uns durch inhaltliche Qualität von den anderen Sendern deutlich unterscheiden. Und daran müssen wir kontinuierlich arbeiten.

Welche Bedeutung nehmen dabei die jungen Fernsehzuschauer ein, die kaum noch die öffentlich-rechtlichen Programme schauen?

Im Radio erreichen wir junge Leute gut. Im linearen Fernsehen ist das schwerer. Junge Zuschauer suchen in einem Programm, das sich etwas stärker an ältere Menschen richtet, ungern nach „Inseln“, die vielleicht für sie geeignet wären. Wir müssen immer das ganze Programm bei diesem Thema im Auge behalten. Spitzensport und „Tatort“ beispielsweise werden auch schon jetzt von der jüngeren Zielgruppe gerne gesehen. Wir sollten auch unseren digitalen Kanal Einsfestival stärker für ein junges Publikum ausbauen. Das scheitert zurzeit noch an der Finanzierung. Als eigene WDR-Leistung denken wir aber z. B. über eine Talkshow für jüngeres Publikum in Einsfestival nach. Wir haben auch schon einmal versucht, eine Art „Monitor“-Version für junge Menschen zu machen. Das ist beim Publikum leider nicht angekommen. Die meisten Formate, die bei den Privaten die junge Zielgruppe ansprechen, können wir nicht übernehmen. Sie entsprechen nicht unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag.

Es gibt Auseinandersetzungen mit den Verlagen darüber, inwieweit die ARD sich in den neuen Medien engagieren darf. Wie beurteilen Sie diese Auseinandersetzung?

Ich möchte unter meinem Vorsitz eine Kooperation mit den Verlagen erreichen. Diejenigen, die journalistische Qualitätsinhalte anbieten, haben eine gesellschaftliche Verantwortung und sollten gemeinsam dafür sorgen, dass diese Qualität erhalten bleibt. Vor Kurzem habe ich ein Gespräch mit Herrn Döpfner (Springer-Chef, die Red.) geführt. Wir waren uns in der Analyse des Marktes, der von Google und ähnlichen Anbietern geprägt wird, vollkommen einig. Die Einführung der kostenpflichtigen Bild-App halte ich für einen richtigen Schritt. Es macht keinen Sinn, Qualitätsinhalte im Internet kostenlos anzubieten, während das Print-Geschäft sinkt.

Bei der ARD wird aber weiterhin an kostenlosen Apps gearbeitet …

Ich habe Herrn Döpfner aber vorgeschlagen, dass, wenn die Verleger keine Apps mehr kostenlos anbieten, ich mich in der ARD dafür einsetzen werde, auch die öffentlich-rechtlichen Apps kostenpflichtig zu machen.

Welche Chancen sehen Sie für die ARD in den nächsten zwei Jahren?

Die große Chance ist, die eigenen Qualitätsangebote zu stärken und sich somit von den anderen Sendern zu unterscheiden. Da wir das Privileg der Gebührenfinanzierung besitzen, gibt es keine kommerziellen oder politischen Interessen, die unsere Inhalte beeinflussen können. Im Internet weiß man dagegen nicht, wer warum welche Informationen streut. Wenn es heute keinen öffentlich-rechtlichen Rundfunk geben würde, müsste er jetzt erfunden werden.

WILFRIED URBE

Von Wilfried Urbe

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