Medien 11.03.2005, 18:37 Uhr

Alles aus einer Dose  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 3. 05 – Seit Jahren kündigen Betreiber von Kabel-TV an, ihre Netze auch für Internet und Telefonie auszubauen. Aus den zahlreichen Versuchen sind mit zeitlichem Verzug inzwischen die ersten kommerziell funktionierenden Angebote bei regionalen Anbietern entstanden. Jetzt zieht Branchenriese Kabel Deutschland mit einem Kabeltelefonie-Pilotprojekt in Leipzig für 40 000 Haushalte nach.

Triple-Play und Kabel Phone, das sind die neuen Themen, die Christian Dahlen jetzt gern ausgewählten Kunden ans Herz legt. „Die moderne Breitbandtechnik wird vieles für den Endkunden vereinfachen, sie wird Kosten senken, überschaubar sein und auch keine spürbaren Umstellungen verlangen“, verspricht der bei Kabel Deutschland (KDG) für das Projekt zuständige Manager.

Die heutige KDG entstand im März 2003 nach Querelen um Finanzen und Kartellrechtsfragen aus einer Tochter der Deutschen Telekom durch Einstieg der Investoren Apax Partners, Goldman Sachs Capital Partners und Providence Equity Partners. Im Gepäck hatte der Kabelbetreiber ein weit verzweigtes, aber bis dahin kaum rückkanalfähiges Netz mit insgesamt 10 Mio. erreichbaren Haushalten und 3,1 direkten Endkunden in 13 Bundesländern – praktisch eine marktbeherrschende Stellung. Die neuen Investoren hingegen brachten frisches Kapital in die Gesellschaft, das die notwendige technische Aufrüstung und damit letztlich die Vereinigung der privaten Kommunikationswege auf ein einziges Kabel ermöglicht.

Das Angebot, das zunächst bis Jahresende nur für einen ausgewählten Kundenkreis nutzbar ist – Mieter in einigen Gebieten der kommunalen Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft – hört sich attraktiv an und vermeidet einige problematische Zwischenschritte, wie sie z. B. zunächst Kabel Baden- Württemberg gehen musste. Die Portierung, also die Mitnahme der bisherigen Festnetznummer einschließlich der Ortsvorwahl, ist von Beginn an möglich. „Wir haben uns bewusst bemüht, die Hemmschwelle bei einer solchen Umstellung gering zu halten, selbst ein kostenloser Eintrag ins Telefonbuch ist kein Problem“, so Dahlen.

Der Vorteil des Systems liegt laut KDG aber nicht allein bei der Reduzierung des Technik-Durcheinanders und der Zuordnung auf einen einzigen Anbieter. Die Paketpreise vor allem bei den Grundgebühren liegen deutlich unter dem, was die Deutsche Telekom und die Konkurrenz zu bieten hat. So beträgt die Grundgebühr für zwei Leitungen bei „Kabel Phone“ 9,90 Euro, eine schnelle Internetverbindung mit Flatrate (1024 kbit/s) ist allerdings mit knapp 40 Euro nicht ganz billig. Wer seine Datenmenge begrenzt, ist zum Beispiel bei 3 GB mit 20 Euro ganz gut bedient.

Für deutschlandweite Telefongespräche fallen 2,5 Cent pro Minute an. Netzintern wird sogar, ähnlich wie bei Kabel BW oder auch beim Anbieter Ish in Nordrhein-Westfalen, kostenlos telefoniert. Allerdings ist im neuen Netz kein Call by Call anderer, vielleicht noch günstigerer Anbieter vorschaltbar. Man werde sich bei der künftigen Preisgestaltung immer kundenfreundlich am Markt positionieren, auch bei den Grundgebühren“, sagt Dahlen, auch sei keine lange Vertragslaufzeit geplant. Wer einen Telefonpartner im gleichen Netz anruft, soll das sogar kostenlos tun dürfen – allerdings dürfte deren Zahl noch für einige Zeit sehr begrenzt sein. Denn wie schnell das Kabel Phone auch in anderen Städten eingeführt werden kann, dass weiß auch Dahlen noch nicht vorauszusagen. Allerdings rechne das Unternehmen mit einer deutlich höheren Resonanz als bei dem zunächst angebotenen reinen Internetangebot. Bei dem ebenfalls in Leipzig vor zwei Jahren gestarteten Versuchsballon, über das Kabel einen schnellen Zugang zum Web anzubieten, hatten nur rund 4000 Kunden Interesse gezeigt. Trotzdem erweiterte das Unternehmen dieses Angebot auf mittlerweile fünf Städte, zehn sollen in diesem Jahr hinzukommen.

Die Erfahrungen der Württemberger, mit denen Kabel Deutschland eigentlich fusionieren wollte, aber nach Beschluss des Kartellamts nicht durfte, sind mit Triple Play durchaus viel versprechend. „Wir hatten bereits zum Jahreswechsel 630 000 Haushalte rückkanalfähig aufgerüstet und werden in diesem Jahr 50 Mio. Euro investieren, um dann die Millionengrenze zu überspringen“, so Sprecher Martin Herkommer. Die Resonanz von 23 000 Kunden, die sich bisher für das Komplettpaket mit Internet und Telefonie entschieden haben, bewertet er positiv, da man erst im Herbst die Portierung der Nummern anbieten konnte. „Der Trend der Zukunft“, so Herkommer, „liegt eindeutig im Triple Play.“

Der von einem Bankenkonsortium getragene Kabel-TV-Anbieter Ish aus NRW hatte sich bereits 2001 an das Projekt gewagt, damals jedoch mit den hohen Kosten, technischen Problemen und einer verhaltenen Resonanz – etwa 3000 Kunden. Seit 2004 wird Triple Play jetzt wieder aktiv vermarktet, vor allem in den Ballungsräumen Düsseldorf, Köln, Bonn, Dortmund und Bochum, wo theoretisch bis zu 1,3 Mio. Kunden mit einem rückkanalfähigen Netz erreicht werden können – praktisch sind es jedoch für Ish auf der sog. Netzebene 4 (Hausverteilung) mit direkten Endkunden nur rund 40 %, wie Sprecherin Eva Krüger einräumt. Telefonie über das TV-Kabel werde jetzt nur noch in Verbindung mit Internet angeboten. Derzeit surfen 18 000 Kunden bei Ish, 6500 davon nutzen auch das Telefonangebot nutzen.

Die Deutsche Telekom, die bisher mit ihrem DSL-Angebot ein wichtiges Produkt in der Internetnutzung besitzt, dürfte die Entwicklung aufmerksam beobachten. Bislang ist DSL dort, wo es angeboten wird, die meistgenutzte Variante, doch auch hier kostet das Engagement in der Fläche viel Geld. „Wir haben bisher vor allem in den DSL-freien Regionen eine hohe Marktdurchdringung“, berichtet Herkommer. Alles aus einer Dose zum Paketpreis – mit diesem neuen Modell könnten die Kabelbetreiber jedoch in den nächsten Jahren deutlich hinzugewinnen.

MANFRED SCHULZE

Von Manfred Schulze

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