Medien 24.10.2003, 18:26 Uhr

Ade, analoges Antennen-TV

An dem Thema DVB-T scheiden sich im Moment deutsche Medien- und Technikgeister.

Für die Region Berlin/Brandenburg beginnt am kommenden Montag um acht Uhr morgens eine neue Fernsehtechnik-Epoche. Dann nämlich kappen nach den privaten auch die öffentlich-rechtlichen Sender ihre analoge terrestrische Übertragung und strahlen nur noch digital ab. Die letzten vier für ARD, das ZDF und die beiden RBB-Regionalprogramme genutzten analogen Sendeanlagen werden nach einer neunmonatigen Übergangsphase endgültig abgeschaltet.
Die neue Übertragung läuft via DVB-T, einem Standard aus der DVB-Familie (Digital Video Broadcasting). Zwei Dutzend Programme können dann in der Hauptstadtregion empfangen werden – vorausgesetzt, der willige Zuschauer hat sich das dafür nötige zusätzliche Empfangsgerät, eine sog. Settop-Box zugelegt. 170 000 Boxen sollen nach Angaben des Branchenforums Deutsche TV Plattform angeblich schon verkauft worden sein. Zusammen mit dem bisherigen Fernseher kommt die alte Zimmerantenne so zu ganz neuen Ehren.
Der Direktor der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (Mabb), Hans Hege, hat mit dem raschen Umstieg etwas Außergewöhnliches geschafft: im digitalen TV-Geschäft eine Erfolgsgeschichte zu schreiben. „Wir haben den digitalen Elchtest bestanden“, so die Zwischenbilanz von Mabb-Mitarbeiter Sascha Bakarinow im Mai.
Den Schwung dieses Erfolges, der im Zuge der Internationalen Funkausstellung (IFA) im August in Berlin ausgiebig gefeiert werden soll, wollen nun auch andere Bundesländer für sich nutzen. So legte in dieser Woche die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM) ihre Zahlen für einen möglichen DVB-T-Fahrplan vor. Geht es nach LfM-Direktor Norbert Schneider und dem Digitalexperten Jürgen Brautmeier, könnte bereits Mitte Juni 2004 mit einem Umstieg begonnen werden – zunächst in der Region Köln/Bonn, später in Düsseldorf und dem Ruhrgebiet. Technische Tests dafür laufen bereits, erklärte Brautmeier vor Journalisten in Düsseldorf.
Doch die Medienwächter wissen, dass dafür längst noch nicht alle Probleme im Vorfeld gelöst sind.
Zum einen betrifft das Thema analoges Antennenfernsehen derzeit nur noch rund 5 % der deutschen TV-Haushalte. Je mehr Zeit vergeht, desto weniger Zuschauer nutzen diesen Übertragungsweg.
Im Gegensatz zur sinkenden Reichweite erfordert der Umstieg auf die digitale Verbreitung hohe Investitionen. Zwar sparen die beteiligten Sender auch eine Menge Geld durch den Wegfall der analogen Ausstrahlung, doch allein die privaten Sender müssten – selbst wenn ein gemeinsames Vorgehen mit der norddeutschen Region erreicht würde – in NRW laut LfM-Berechnungen jährlich noch ca. 12 Mio. ® für die Ausstrahlung aufbringen. Das wäre deutlich mehr, als gespart würde. Also müsste die Landesmedienanstalt Gelder aus dem eigenen Topf zuschießen, oder weitere Quellen auftun. Mindestens 2 Mio. ® müssten jährlich allein für NRW und den Norden zusätzlich gezahlt werden, voraussichtlich dürfte es sogar noch teurer werden.
Genau diese nötige öffentliche Hilfe ist es, die die Kritiker von DVB-T auf den Plan ruft. Vor allem die TV-Kabelbetreiber fühlen sich benachteiligt und wettern, wie Telecolumbus-Chef Dietmar Schickel, gegen die einseitige Förderung.
Zudem, so räumen die Medienanstalten ein, geht es nicht nur um die schöne neue Technik oder mehr Nutzen für den Zuschauer. Die Länder wollen vor allem eines: Ihre Frequenzen behalten, keine Medienkompetenzen an den Bund abgeben. Das könnte im Zuge der anstehenden Frequenzneuordnungen im Jahr 2006 durchaus passieren.
So ist doppelte Eile für die DVB-T-Befürworter geboten. Sie geben weitere Argumente: „Digitales terrestrisches Fernsehen kann auch mobil empfangen werden, zum Beispiel im Garten oder am Baggerloch“, so Jürgen Brautmeier. „Dazu kommen mehr Programme – statt fünf gibt es dann mehr
als 20.“
Einen weiteren Grund für ein DVB-T-Engagement sieht NRW-Medienwächter Norbert Schneider: „DVB-T ist vielleicht nur ein kleines Blatt am Medienbaum – aber hier bewegt sich etwas, das dem digitalen Fernsehen insgesamt helfen könnte.“
Zur IFA wird sich zeigen, wie viel sich bereits auf dem digitalen Dekodermarkt getan hat. Gewinner scheint schon jetzt Technisat-Chef Peter Lepper zu sein, dessen kleine „DigiPal 1“ nach seinen Angaben in Berlin einen Marktanteil von 50 % eroberte.
Derzeit sind etwa 30 Settop-Boxen im Markt, die günstigsten davon sind für rund 100 ® zu haben. Zur Funkausstellung Ende August sollen auch
Videorekorder mit Festplatte dazu kommen sowie integrierte Lösungen mit Empfängern im Fernseher. Einige Hersteller bieten zudem DVB-T-
Module zum Nachrüsten an. Im Gegensatz zu den Beispielen UMTS-Handys oder Maut-Computer scheint die Geräteseite in diesem Fall auf die neue Technikära vorbereitet zu sein.
SIMONE ZELL

 

Ein Beitrag von:

  • Simone Fasse

    Freie Journalistin und der Kopf hinter der Kommunikationsagentur Verbia in München. Simone Fasse besuchte die Georg-von-Holtzbrinck-Schule und arbeitete als Volontärin und Redakteurin bei VDI Nachrichten, bevor sie als in die Unternehmenskommunikation des Pay-TV-Senders Premiere (heute Sky Deutschland) wechselte. Seit 2007 schreibt sie freiberuflich mit den inhaltlichen Schwerpunkten Digitalisierung, Neue Technologien, New Work, Diversity/Women in Tech. Sie wurde mit dem „Medienpreis Technik“ ausgezeichnet und moderiert Events und Paneldiskussionen.

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