Fernsehen 04.06.2010, 19:47 Uhr

3-D-Programme bleiben im TV Mangelware

Ein 3-D-Fernseher ohne Programm ist so was Ähnliches wie ein Auto ohne Benzin – kaum zu gebrauchen. Und trotzdem treten die Gerätehersteller aufs Gaspedal, produzieren immer mehr Fernseher, die nicht nur bei 2-D-, sondern auch bei 3-D-HDTV-Angeboten ein gutes Bild machen. Auch das ein Stück Zukunftsvorsorge.

Das Thema 3-D ist eigentlich ein reines Hardwarethema. Die Software, also die Programme, sind noch Mangelware. „3-D ist für uns im Fernsehen auf absehbare Zeit kein Thema. Die Umstellung erfordert eine komplett andere Technik und die Produktionskosten sind erheblich. Wenn wir umrüsten, müssten Zulieferer, Produzenten und Konsumenten ebenfalls erheblich investieren, und das sehen wir derzeit nicht“, erklärte kürzlich Lutz Marmor, Intendant des NDR, zur Eröffnung der 24. Fachtagung der Fernseh- und Kinotechnischen Gesellschaft in Hamburg.

Auch die privaten Broadcaster sind in Sachen 3-D alles andere als Schnellläufer. Selbst RTL mag nicht an seine einstige 3-D-Tutti-Frutti-Pionierrolle von vor 20 Jahren anknüpfen, als Hugo Egon Balder die ersten barbusigen Mädels in 3-D über den Bildschirm hüpfen ließ. „3-D ist sicher ein interessantes Thema, wir beobachten den Markt. Konkrete Planungen gibt es derzeit aber noch nicht“, so eine Sprecherin in der Kölner RTL-Zentrale.

Zögerlich gibt man sich auch bei ProSiebenSat.1. „Wir finden das Thema 3-D sehr spannend. Allerdings muss dazu erneut heftig in neues Produktionsequipment investiert werden“, so Mediensprecherin Petra Fink. Immerhin gab es am 30. März mit der Champions-League-Partie FC Bayern gegen Manchester United einen ersten 3-D-Showcase, gewissermaßen vor einem geschlossenen Benutzerkreis. Testübertragungen stehen vorerst nicht auf der Tagesordnung. Doch könnte das in einem halben Jahr schon anders aussehen.

Recht innovativ ist der Fernsehsender Anixe HD. Seit dem 1. März werden erste Programmstrecken auch in 3-D gesendet, so auch zu diversen Samsung-Händler-Veranstaltungen. Auch wurde das Einzel- und Doppelfinale der BMW Open am 9. Mai aufgezeichnet und anschließend im Internet und über Satellit und Kabel um Mitternacht in 3-D übertragen. Zuschauer ohne 3-D-Geräte sehen dann Doppelbilder. Zudem läuft bei den Landesmedienanstalten ein Antrag für die neue Sendelizenz Anixe 3-D. Und danach müssten dann neue Übertragungswege gefunden und auch finanziert werden.

Die Netzbetreiber haben es da bei 3-D einfacher, sie können sich eher einen weiteren Übertragungskanal spendieren – oder eben auf IPTV ausweichen. Eine wesentlich höhere Datenrate benötigen die meisten 3-D-Übertragungsvarianten – beide Bilder nebeneinander (Side-by-
Side), untereinander (Top-Bottom) oder zeilenweise (Line-by-Line) – nicht. Allerdings geht das nicht ohne Auflösungsverluste. Doch die fallen den meisten Zuschauern kaum auf, der 3-D-Effekt verkleistert so manches Detail.

Fürs Kabel ist 3-D jedoch noch kein Thema. Zwar ließ Unitymedia auf der Anga Cable eine 40-minütige 3-D-Schleife laufen – doch ins Netz wurde der Content noch nicht eingespeist, es wären neue Smartcards erforderlich gewesen. Das könnte demnächst aber passieren.

Netcologne zeigte zusammen mit Eutelsat auf der Anga in einer Kabelumgebung den 3-D-Live-Demokanal. Auch bei Kabel BW sieht man in 3-D ein Trendthema – aber konkrete Verabredungen mit Inhalteanbietern gibt es noch nicht.

Anders die Satellitenbetreiber. Da hat SES Astra zur Anga Cable seinen frei empfangbaren 3-D-Demokanal auf 1E (23,5° Ost) vorgestellt. Der meiste Content wird von der italienischen RAI zugeliefert, aber auch Samsung unterstützt das Projekt. „Damit können sich Handel, Handwerk, Industrie und Kunden von der neuen Fernsehdimension ein Bild machen“, erklärt Ferdinand Kayser, Präsident und CEO von SES Astra.

Eutelsat hat seinen Demokanal auf Eurobird 9A bei 9° Ost eingerichtet, das Programm kommt größtenteils von der belgischen Euro-1080-Produktionsfirma Alfacam. Über 100 Stunden 3-D-Sendematerial sollen bereits zur Verfügung stehen. Zusammen mit der russischen General Satellite Corp. wurden Mitte April gar Ballettszenen aus St.Petersburg übertragen. Über Hot Bird 6 auf 13° Ost werden noch bis Sonntag die French Open in 3-D gezeigt, Panasonic lädt auf dem Centre Court in Hamburg zum ersten „Live Public Viewing in 3-D“.

Bei Telekoms Entertain konnte das Eröffnungsspiel der Eishockey-Weltmeisterschaft Deutschland gegen die USA am 7. Mai in Gelsenkirchen „live und öffentlich in 3-D“ gesehen werden, wie Telekom-Sprecher Marc Sausen erklärt. Eigene Produktionen plant das Unternehmen indes nicht, Zusatzkosten sind nicht vorgesehen.

Der Pay-TV-Betreiber Sky Deutschland ließ bereits am 14. März rund 120 geladenen 3-D-Interessenten während des Fußballspiels Bayer Leverkusen gegen den Hamburger SV die Bälle in die Augen fliegen. „Zum jetzigen Zeitpunkt verfolgen wir aber keine konkreten Einführungspläne“, erklärt Pressesprecher Moritz Wetter. Anders in England. Da versorgt der Mutterkonzern BSkyB bereits über 1000 Pubs mit 3-D-Content. Überhaupt sind die ausländischen 3-D-Aktivitäten deutlich vielfältiger. In Australien gibt es bereits regelmäßige terrestrische 3-D-Übertragungen und Korea bereitet sich zur WM darauf vor.

Das alles dürfte der Industrie gefallen. Sie rechnet bis 2015 mit weltweit über 20 Mio. 3-D-TV-Haushalten. RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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