Medien 12.09.2008, 19:37 Uhr

24 Stunden aus dem Leben einer Hauptstadt  

80 Filmteams schwärmten am 5. September in Berlin aus, um 24 h lang zu drehen. Aus den Bildern, die sie einfingen, wird ein Film geschnitten, der genau ein Jahr später selbst wieder 24 h lang laufen wird, gleichfalls im Rhythmus eines Tages. Ausgestrahlt wird das im hochauflösenden TV-Format produzierte Werk beim rbb, leider nur in Standardauflösung, und bei Arte in HD-Qualität.

High Definition ist bei einem so ambitionierten Projekt Pflicht“, sagte Goran Hantschel von Sony Deutschland, „die Kür ist die bandlose Aufzeichnung.“ Das ambitionierte Projekt ist ein Film, heißt lakonisch „24h Berlin“ und will das Stadtleben an einem Tag dokumentieren. Sony hat dafür 80 professionelle XDCAM-HD-Kameras gestellt, einige sogar aus Japan einfliegen lassen. Kameramänner und Kamerafrauen mussten darauf erst eingewiesen werden. Die Chipkarten, auf denen die Bilder gespeichert werden, sind auch erst seit vier Wochen auf dem Markt. Technikinnovation trifft Programminnovation.

„24h Berlin“ ist ein Programm, wie man es im Fernsehen noch nicht gesehen hat. Ob es auch ein bedeutendes Ereignis der Fernsehgeschichte wird, wird das Ergebnis zeigen. Am 5. September wurde jedenfalls der Grundstein gelegt. 80 Filmteams schwärmten in die Stadt aus, um 24 h lang zu drehen. Aus den Bildern, die sie einfingen, wird ein Film geschnitten, der genau ein Jahr später selbst wieder 24 h lang laufen wird, gleichfalls im Rhythmus eines Tages.

Das Prinzip ist also ganz einfach, die Umsetzung ist es nicht. Das zeigt sich schon daran, dass für die Ausstrahlung zwei Fernsehsender, der kleine ARD-Sender „Rundfunk Berlin-Brandenburg“ (rbb) und Arte, ihr gesamtes Programmschema suspendieren. Der rbb muss sogar die geliebte „Abendschau“ auslagern. Arte wird dann auch in „High Definition“, kurz HD, ausstrahlen, die ARD ist noch nicht so weit.

„24h Berlin“ ist auch ein Kraftakt für Dokumentarfilmer, die sonst in eher bescheidenerem Rahmen arbeiten. Die 80 Teams hatten die Aufgabe, Szenen und Biographien zu filmen, die für das Leben in der Stadt charakteristisch sind: Geburtsstation und Krematorium, Försterei und Abschleppfirma, Großbäckerei und Rotes Rathaus. An zwölf so genannten Talkpoints in der Stadt konnten Passanten in die Kamera erzählen, was sie von Berlin halten und wie sie ihren Tag verbringen.

15 Kamerateams hatten die Aufgabe, Protagonisten zu begleiten. Ihr Tagesablauf soll später einmal den Kern der langen Filmerzählung bilden. Prominente wie der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit oder Staatsoperndirektor Daniel Barenboim gehören ebenso dazu wie nicht prominente Zeitgenossen – von denen möchte die Produktionsfirma zero one aber erstmal nichts erzählen. Wir sollen sie im Film sehen.

Erfunden haben dieses ungewöhnliche Format der Filmemacher Volker Heise (bekannt geworden durch „Schwarzwaldhaus 1902“) und der Produzent Thomas Kufus. Sie haben viele, auch prominente Regisseure für dieses Projekt begeistern können. Träger und Finanziers zu finden, war offenbar auch nicht allzu schwer. Alle versprechen sich etwas von „24h Berlin“. Der rbb z. B. ein Leuchtturmprogramm, das ihn auch einmal als Hauptstadtsender deutlich herausstellt. Der Film ist auch das Kernprojekt des rbb zum 20. Jahrestag des Mauerfalls.

Arte und die Filmförderung sehen darin ein innovatives Programmformat. Für Sony liegt das Potenzial des Projekts auf der Hand: Es ist eine gute Gelegenheit, vielen Profis gleichzeitig ein neues Produkt an die Hand zu geben. Die Event-Agentur Triad, die das Ereignis vermarktet, will am Ausstrahlungstag gleich ganz Berlin „inszenieren“ und zeigen, was sie auf die Beine stellen kann. Und die gewiss nicht ereignisarme Stadt bekommt ein Ereignis, über das man redet.

Triad hat auch den Internetauftritt in die Hand genommen. Dort werden unter dem Motto „Berlin dreht durch! Dreht mit!“ Videoamateure aufgefordert, selbst Videos über ihr Berlin zu drehen und ins Netz zu stellen, auch an diesem einen Tag. Wer noch wenig Erfahrung hat, für den hat Triad ein kleines Videoschulungsprogramm ins Netz gestellt. Es wird einen Wettbewerb und Preise geben und gelungene Szenen sollen in den Film eingearbeitet werden.

Am Drehtag lief dann alles weitgehend wie geplant. Die Logistik hat funktioniert, etwa 700 Filmstunden sind abgedreht, die Daten gesichert worden. Ein knappes Jahr ist jetzt Zeit, die eingesammelten Geschichten zu ordnen, in dramaturgische Form zu bringen – keine Kleinigkeit.

Die Ausstrahlung wird dann als Event inszeniert. Public Viewing soll es geben, auf einigen Großbildschirmen, aber vor allem überall dort, wo Bildschirme stehen: in Kneipen und in den Elektronikabteilungen der Kaufhäuser. Auch wer seinen kleinen privaten Event inszenieren will, kann sein Wohnzimmer für Mitgucker öffnen. Als weitere Mitspieler steigen dann noch so genannte Paten ein, die Sasha-Waltz-Tanz-Company, das Grips-Theater, städtische Einrichtungen wie Verkehrsbetriebe, Müllabfuhr und Kraftwerke. Auch Hertha BSC wird sich etwas einfallen lassen.

Und dann? Was geschieht mit den vielen Bildern, wenn die Berliner sich im Medienspiegel gesehen haben? Die „Deutsche Kinemathek“ will dafür sorgen, dass sie nachhaltig in einem „Archiv für morgen“ gesichert werden. Die 30 TByte Daten sollen auch nicht nur aufgehoben, sondern erschlossen werden für andere Interessierte. „Wir wollen das Material recherchierbar machen“, so der Leiter der Deutschen Kinemathek, Rainer Rother. Als Idee schwebt ihm vor, dass dann jeder seinen eigenen Berlinfilm zusammenbauen könne. Solche Archivierung ist wahrscheinlich der nachhaltigste Teil des ganzen Projekts.

Das Geld dafür ist freilich noch nicht da und die Technik auch noch nicht. Vielleicht hat Sony ja noch einige Einfälle. Wenn alles klappt, werden Menschen noch in fünf Jahrzehnten in „24h Berlin“ hineinschauen und sich ein Bild davon machen können, wie ihre Vorfahren damals in dieser Großstadt gelebt haben. FRITZ WOLF

Berliner können ihre eigenen Videos zum Projekt beisteuern

Von Fritz Wolf

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