Mechatronik 03.02.2006, 18:42 Uhr

Mechatronik stößt Lernprozess an  

VDI nachrichten, Blomberg, 3. 2. 06 , ciu – Damit der Maschinenbau künftig noch stärker von integrierten Lösungen profitieren kann, sind neue Denkansätze gefragt. Auf dem 2. Forum Mechatronik im Maschinenbau diskutierten am 17. Januar Branchenspezialisten über Erfolgsstrategien für 2006.

Große Chancen sehen Experten im Zusammenwirken unterschiedlicher Technologien. „Wenn wir den Technologiestandort Deutschland erhalten wollen, müssen wir zusammenarbeiten“, so Dr.-Ing. Reinhard Hüppe vom Branchenverband ZVEI, Ende Januar anlässlich des 2. Forums Mechatronik im Maschinenbau in Blomberg. Dort waren sich Fachleute des Maschinenbauverbands VDMA, des Elektrotechnikverbands ZVEI und des Innovationsnetzes „OstWestfalenLippe (OWL) Maschinanbau“ einig, dass hier der Lernprozess noch weiter angetrieben werden muss.

Dr.-Ing. Hans-Jürgen Wessel, Vorstand OWL Maschinenbau und Geschäftsführer von Krause-Biagosch, dazu: „Wachsende Komplexität und verkürzte Entwicklungszeiten erfordern ein Umdenken. Wir setzten deshalb auf einen verstärkten Wissenstransfer im Verbund und mit Hochschulen.“

Peter-Michael Synek, Mechatronik-Spezialist vom VDMA, verdeutlichte die Herausforderung: „Mechatronik nutzt die Synergien aus den Einzeldisziplinen Maschinenbau mit Mechanik, Feinwerktechnik, Fluid- und Antriebstechnik, Elektrotechnik mit Leistungselektronik sowie Informationstechnik mit Software für die Entwicklung komplexer und leistungsfähiger Produkte.“ Dadurch könnten einheimische Unternehmen Wettbewerbsvorteile gegenüber internationalen Mitbewerbern erzielen: „Die hohe Komplexität mechatronischer Produkte und Prozesse bietet gute Chancen, die Wettbewerbsfähigkeit durch leistungsfähige Produkte und wirtschaftliche Verfahren zu stärken und neue Wertschöpfung zu generieren.“

Annäherung ist auf vielen Ebenen gefragt. Hüppe bestätigte dies aus Sicht des ZVEI: „Als Interessenvertreter befinden wir uns in einem Prozess, in dem bisherige Strukturen durchbrochen werden müssen.“ Er machte aber auch deutlich, dass das nicht von heute auf morgen erreicht werden könne.

Dass es viel Diskussionsbedarf gibt, zeigte auch die offene Diskussion der Teilnehmer im „Open Space“, wo unterschiedliche Fragen der Teilnehmer direkt in den jeweiligen Diskussionsgruppen behandelt wurden. Die meisten Teilnehmer in Blomberg beschäftigte dabei die Frage: „Wie verkaufe ich den Nutzen der Mechatronik meinem Kunden?“ Das Ergebnis ist ebenso komplex wie das Thema Mechatronik selbst. So gibt es für die Diskussionsteilnehmer keinen universellen Kunden, sondern viele Lieferanten-Kunden-Beziehungen.

Die unterschiedlichen Beziehungen lassen sich am ehesten in einer Matrix verdeutlichen. Bei dieser sind auf der einen Achse die Positionen in der Lieferkette angeordnet und auf der anderen Achse die unterschiedlichen Positionen im jeweiligen Unternehmen. Das reicht einerseits vom Komponentenlieferanten über Systemanbieter, Maschinenbauer bis zum Endanwender und auf der anderen Seite von Konstruktion und Entwicklung über Einkauf, Produktion, Vertrieb, Service bis zur Geschäftsleitung mit Gesamtverantwortung.

Hier wurde schnell deutlich, dass der Einkauf sich als schwierigster Kunde erweist, da dort immer noch häufig allein auf die Anschaffungskosten geachtet wird. Dabei liegt das mechatronische System wegen der zusätzlichen Entwicklungsleistung meist höher als die Summe der Einzelkomponenten. Allein bei der Strategie zur Reduzierung von Lieferanten ergeben sich Pluspunkte für die Mechatronik.

Vorteilhafter wirken sich die integrierten Lösungen in den technischen Bereichen aus, und zwar je näher sie an den Endkunden heranreichen. Hier kommen reduzierter Planungsaufwand durch vorhandene Module, verkürzte Inbetriebnahmezeiten, kompaktere Bauformen, verbesserte und schneller Serviceleistungen sowie eine höhere Verfügbarkeit zum Tragen. Aus der Summe der Verbesserungen ergeben sich für den Endanwender daraus nach Einschätzung der Praktiker meist geringere Lebenszykluskosten.

Auch der Vertrieb kann durch ein Höchstmaß an aufeinander abgestimmten Komponenten, die verbesserte Inbetriebnahme und gegebenenfalls darauf aufbauenden höheren Verfügbarkeitsgarantien gegenüber billigeren Lösungen punkten. Entscheidend, so die Erkenntnis der Diskussionsteilnehmer, ist eine ganzheitliche Betrachtungsweise, die von der Geschäftsleitung beziehungsweise dem Management unbedingt unterstützt werden muss. M. CIUPEK

 

Von M. Ciupek
Von M. Ciupek

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