Mechatronik 28.04.2006, 19:21 Uhr

Erfolgsfaktor Teamwork  

Vernetzung und Integration sind die übergreifenden Themen auf der Hannover Messe 2006. Welche Aufgaben sich daraus für das Management ergeben, wurde gleich am ersten Messetag auf dem Forum Factory Automation diskutiert.

Für Günther Schuh steht fest: „Wer Markterfolg mit HightechProdukten der Mechatronik haben will, muss vor allem die Komplexität beim Engineering sicher in den Griff bekommen.“ Dies gelte umso mehr angesichts der fortschreitenden Globalisierung in einer arbeitsteiligen Welt. „Denn Globalität bringt zusätzliche Komplexität“, so der Lehrstuhlinhaber für Produktionssystematik des Werkzeugmaschinenlabors (WZL) der RWTH Aachen.

Klaus Wucherer, Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG, kennt einen möglichen Ausweg: „Wichtig ist, dass vom ersten Tag eines Mechatronikprojekts Teams vom Maschinenbau bis zur Elektronik gebildet werden, die eng zusammenarbeiten.“ Auf diese Weise sinke die Zeit zum Entwickeln und Optimieren drastisch – ein entscheidender Ansatz für Markterfolg rund um den Globus und die Fertigung am Standort Deutschland. „Diesen Weg ist Siemens mit seiner Strategie der ,Totally Integrated Automation“ schon vor etlichen Jahren gegangen und wir lagen mit diesem Konzept genau richtig“, freut sich der Siemens-Manager, der ein integriertes Gesamtkonzept mit kommunikationsfähigen Produkten in den Mittelpunkt seiner Strategie stellt.

Auch Eberhard Veit von Festo in Esslingen kennt einen „Königsweg“, wenn es darum geht, komplexe mechatronische Produkte in kürzester Zeit weltweiten Kunden zur Verfügung zu stellen: „Wir beherrschen Komplexität durch Modularität und fertigen hochautomatisiert Komponenten für unser Baukastensystem, aus dem wir individuelle Lösungen ableiten.“ Das bringe Preisvorteile, welche die Stellung von Festo auf den globalen Märkten weiter stärke.

„Zwar sind die Großunternehmen auf diesem Weg schon relativ weit gekommen, aber für kleinere Unternehmen gibt es hier noch viel zu tun. Der Wandel ist noch längst nicht so weit fortgeschritten, wie es wünschenswert wäre“, warnt Rainer Stetter, Geschäftsführer der Münchener ITQ GmbH.

Zum Abbau von Komplexität gehört aber auch das Einreißen des starren Abteilungsdenkens, das sich wie eine Mauer quer durch manches Unternehmen zieht. Dieser Abbau sollte nach Meinung von Klaus Wucherer schon früh anfangen – am besten direkt an der Hochschule. „Abteilungsübergreifendes Denken und Entwickeln – diese Einstellung müssten die Professoren an der Hochschule vorleben.“

Das bestätigt Rainer Stetter, für den es auch darum geht, im Studium soziale Verhaltensweisen zu erlernen, die unproduktives und unkreatives Abteilungsdenken überwinden: „Es müssen Hemmungen abgebaut werden, schon in der Frühphase von Projekten eng zusammenzuarbeiten.“ Der Maschinenbauer müsse sich hier als Moderator und Koordinator verstehen und nicht als Dominator. „Mechatronikentwicklung ist ein integrierter Prozess mit gleichwertigen Partnern, die ständig bereit sind zu lernen“, so Stetter.

Damit ist für Eberhard Veit eine wichtige Erfolgslinie in der Mechatronikentwicklung vorgezeichnet: „Es geht um lebenslanges Lernen, das sollten Firmen mit in die Hand nehmen und nicht nur auf den Staat sehen.“

Hier nimmt Klaus Wucherer auch die Mitarbeiter in die Pflicht und sogar direkt nach dem Studium sollten Studenten bereit sein Neues zu lernen. Er sieht in dieser Strategie einen „hervorragenden Ansatz für Deutschland“. Von dieser Lernbereitschaft und interdisziplinärem Denken ist es für ihn nur noch ein kleiner Schritt bis zur firmenübergreifenden Teamarbeit, schließlich könne kein Unternehmen alles alleine fertigen. Denn „gebündelte Fähigkeiten stärken Standorte. Was wir brauchen, sind Innovationscluster, die sich gegenseitig ergänzen.“

Geht es um Erfolg und Kompetenz in Sachen Mechatronik, legt Günther Schuh Wert auf technische Strategie: „Wir müssen Technologie-Roadmaps für die nächsten Jahre entwickeln, um die Synchronität in der Mechatronik zu stärken.“ M.CIUPEK/D. KIPPELS

Von M.Ciupek/D. Kippels

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