Engineering 25.08.2006, 19:23 Uhr

„Wir setzen künftig noch stärker auf Local Engineering“  

VDI nachrichten – Der Kölner Motorenbauer Deutz ist Mitte der neunziger Jahre nur knapp an einer Insolvenz vorbei geschrammt. Nach Jahren harter Sanierungsarbeit schreibt das Traditionsunternehmen dank gestraffter Produktpalette wieder schwarze Zahlen. Vorstandschef Gordon Riske – ein Amerikaner am Rhein – will Deutz jetzt noch deutlich profitabler machen.

Riske: Ohne die bereits vor dem Jahr 2000 eingeleitete Sanierung – vor allem im Anlagenbereich – wären unsere folgenden Maßnahmen kaum wirksam gewesen. Es war bereits ein wichtiges Sanierungspaket zwischen den Mitarbeitern, dem Land und der Deutschen Bank geschnürt worden.

Gordon Riske
Seit Februar 2000 ist Gordon Riske, 47, Vorsitzender des Vorstands der Deutz AG. Zuvor war er von 1982 bei der Kuka Schweißanlagen & Roboter GmbH in verschiedenen Führungspositionen tätig, zuletzt als Vorsitzender der Geschäftsführung der Kuka Roboter GmbH, Augsburg. Seine berufliche Karriere begann Gordon Riske 1977 bei der DeVlieg Machine Company in Michigan, USA.
Gordon Riske wurde in Detroit geboren, studierte Elektrotechnik am Lawrence Institute of Technologie (Michigan), machte 1998 seinen Bachelor of Business Administration und 2001 den MBA in Zürich.
Das Unternehmen Deutz AG
Die jüngsten Halbjahreszahlen der Deutz AG unterstreichen, dass der Turnaround geschafft ist: Der Umsatz legte um 3,4 % auf 645 Mio. € zu, das operative Ergebnis kletterte um 50,2 % auf 34,1 Mio. €.Auch die Zahl der Mitarbeiter ist um 2 % auf rund 5300 gestiegen, knapp 4100 sind in Deutschland beschäftigt.Hauptwerke: Köln, Mannheim, Ulm. Schwerpunkt der Produktion sind Kompaktmotoren, die für 80 % des Umsatzes sorgen. Hinzu kommen Mittel- und Großmotoren, die in einem eigenen Unternehmen (Deutz Power Systems) zusammengefasst sind. Der italienische Traktorproduzent Same Deutz-Fahr hält gut 40 % des Deutz-Kapitals. Nach Aussagen der Italiener soll die Unabhängigkeit des Unternehmens erhalten bleiben.An der Börse geht es für die Deutz-Aktie seit Jahresbeginn aufwärts. In acht Monaten konnte sich der Wert fast verdoppeln auf zuletzt 7,40 €.

Wir haben uns dann daran gemacht, die Kapazitäten wieder auszulasten, wobei uns Kooperationspartner, wie Volvo und Same Deutz-Fahr, sehr geholfen haben. So konnten wir zunächst eine Auslastung der Kapazitäten von 40 % bis 50 % sicherstellen.

Dann haben wir die Produktionspalette kräftig gestrafft mit klarem Fokus auf die Motorentechnologie. Auch unsere Kooperationspartner waren eine große Hilfe, wie zum Beispiel Volvo, mit denen wir einen neuen Nutzfahrzeugmotor entwickelt haben.

VDI nachrichten: Und Sie haben bei Forschung und Entwicklung weiter Gas gegeben – trotz Krise …

Riske: Ja, Forschung und Entwicklung ist für uns ein Schwerpunkt geblieben. Wir haben in Deutschland in diesem Bereich etwa 450 Mitarbeiter beschäftigt. Die F&E-Aufwendungen haben sich in den letzten zwei Jahren im Vergleich mit 2000/2001 in etwa verdoppelt.

VDI nachrichten: Auf welche Geschäftsfelder stützen Sie sich heute?

Riske: Bei den Kompaktmotoren, die für über 80 % des Umsatzes stehen, sind wir im Wesentlichen in vier Geschäftsfeldern tätig: Mobile Arbeitsmaschinen – also alle Baumaschinen im klassischen Sinne. Ferner stationäre Anlagen – darunter Stromaggregate, Pumpen für Wasser oder andere Flüssigkeiten, Landtechnik und schließlich die Nutzfahrzeuge, die wir jetzt deutlich ausbauen.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres haben wir die ersten Serienmotoren für Nutzfahrzeuge ausgeliefert, die die ab Oktober erforderlichen Grenzwerte für Abgasemissionen einhalten. Ganz wichtig: Alle Segmente unterliegen unterschiedlichen wirtschaftlichen Zyklen, so dass die Gefahr einer gleichzeitigen Schwäche kaum gegeben ist.

VDI nachrichten: Neben den Kompaktmotoren haben Sie den Bereich Deutz Power Systems aufgebaut. Was verbirgt sich dahinter?

Riske: Anfang vergangenen Jahres haben wir alle Aktivitäten rund um den Mittel- und Großmotorenbau in Deutz Power Systems – einem selbstständigen Unternehmen innerhalb des Konzerns – gebündelt. Dabei konzentriert sich das Unternehmen auf das Geschäft dezentraler Energieerzeugung mit Gasmotoren. Wir legen dort den Fokus auf erneuerbare Energien. Außerdem ist die Wertschöpfung bei Gasmotoren, die jährlich 6000 bis 8000 Stunden laufen, deutlich höher.

Deutz Power Systems hat zudem als Systemanbieter deutliche Vorteile gegenüber der Konkurrenz, die Massenmotoren produziert. Wir liefern dem Kunden Komplettanlagen zur Energieerzeugung, die seinen individuellen Wünschen entsprechen. Das ist unsere Kernkompetenz in diesem Bereich.

VDI nachrichten: Sie erwarten für die Gasmotoren also eine große Zukunft?

Riske: Neben der Fokussierung auf den saubersten fossilen Energieträger, Erdgas, erwarten wir kurz- und mittelfristig besonders starkes Wachstum bei den Bio- und Sondergasanwendungen. Hier kommen Gase aus Mülldeponien, Kläranlagen, Kokereien, aus Bergbau und Landwirtschaft sowie der chemischen Industrie als Brennstoff für Gasmotoren zum Einsatz.

VDI nachrichten: Sie produzieren jetzt auch wieder Dieselmotoren wie in der Anfangszeit von Deutz. Warum?

Riske: Mehrere Gründe haben uns dazu bewogen: Die ständig wachsenden Anforderungen der Gesetzgebung bezüglich der Abgasemissionen und die Chance der Marktführerschaft. Und – es handelt sich um einen Wachstums- markt. Vor allem in Teilen von Asien, dem Mittleren Osten und Afrika ist der Bedarf groß.

VDI nachrichten: Welche Rolle spielt der Service in Ihrer Strategie?

Riske: Der Service – wozu Instandhaltung, Kundendienst, Dokumentation, Training, original Deutz-Teile und Austauschmotoren zählen – hat bei uns einen hohen Stellenwert. Sein Anteil am Gesamtumsatz liegt bei ca. 22 %. Wir haben 800 Service-Stützpunkte weltweit. In diesem Bereich werden höhere Margen erwirtschaftet. Und der Service ist uns besonders wichtig, weil er ein wesentliches Bindeglied zum Kunden darstellt.

VDI nachrichten: Wie viel Prozent des Umsatzes sind durch langfristige Lieferverträge gesichert?

Riske: Langfristige Lieferverträge im strengen Sinne gibt es nicht. Aber wenn man erst einmal in einem Kundengerät drin ist, hat man in jedem Fall eine längerfristige Lieferbeziehung, so dass man von etwa 30 % bis 40 % sprechen kann.

VDI nachrichten: Wie hoch ist der Marktanteil von Deutz im Inland?

Riske: Wir sind hier die Nummer eins mit einem Marktanteil von über 50 %. Wir machen gut ein Viertel unseres Umsatzes in Deutschland.

VDI nachrichten: Und welche Länder sind für den Export vor allem wichtig?

Riske: Schwerpunkt ist natürlich Europa, also ohne Deutschland, mit einem Umsatzanteil von 42 %, gefolgt von Amerika mit 16 %.

VDI nachrichten: Was ist mit China?

Riske: China folgt als Exportland auf die USA. Wir wollen dort weiter investieren und dann unsere chinesischen Aktivitäten eng mit der Konzernzentrale in Köln verbinden – mit Blick auf F&E, auf die Vertriebsnetze und die Produkte, um Engpässe ausgleichen zu können. So hilft uns derzeit auch unserer chinesischer Kooperationspartner, da wir aufgrund der hohen Auftragseingänge mit der Fertigung nicht nachkommen.

VDI nachrichten: Wie eng arbeiten Ihre weltweiten Standorte zusammen?

Riske: Wir setzen künftig noch stärker auf Local Engineering. Das heißt, wir liefern etwa den Basismotor in die USA und unsere amerikanische Gesellschaft appliziert alles um den Motor herum, wie Schläuche, die Elektronik etc. Das wird die Zukunft sein, weil die Regionen lokale Vorschriften haben. So können wir auch speziellen Kundenwünschen noch besser entgegenkommen.

VDI nachrichten: Der Turnaround bei Deutz ist geschafft. Sie schreiben wieder schwarze Zahlen und haben die Schulden weitgehend abgebaut. Sind Sie sicher, dass keine Altlasten mehr auftauchen?

Riske: Ja, seit 2000 hat sich das Geschäft der Deutz AG in jedem Jahr operativ verbessert. 2004 waren wir einer außerordentlichen Belastung ausgesetzt, weil wir uns bewusst dazu entschieden hatten, unseren Standort Mannheim neu aufzustellen. Wir haben dafür damals Rückstellungen gebildet.

VDI nachrichten: Das Unternehmen soll in den nächsten Jahren weiter wachsen. Was heißt das konkret?

Riske: Wir werden in diesem Jahr über 220 000 Motoren produzieren. Mittelfristig sollen es etwa 300 000 werden. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 1,3 Mrd. €, den sehen wir 2008 bei 1,7 Mrd. € bis 1,8 Mrd. €.

VDI nachrichten: Und profitabler wollen Sie auch werden. Die Ebit-Marge liegt jetzt bei gut 5 %. Das reicht Ihnen aber noch nicht…

Riske: Das Ebit soll im kommenden Jahr 7 % erreichen. Dann können wir mit den weltbesten Unternehmen in unserer Branche mithalten.

VDI nachrichten: Die Deutz-Aktionäre sehnen sich nach einer Dividende. Wann ist es soweit?

Riske: Wir haben aus der Vergangenheit noch einen Verlustvortrag in 2005 von etwas über 70 Mio. €. Der muss zunächst getilgt sein. Damit rechnen wir für das Geschäftsjahr 2007. Im Jahr darauf kann Deutz dann auch wieder eine Dividende zahlen.

  • Dieter Heumann

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