Maschinenbau 24.03.2000, 17:24 Uhr

„Wir müssen unsere Leistung in der Öffentlichkeit offensiver vertreten“

Ohne den Maschinen- und Anlagenbau gäbe es die Produkte nicht, deren Lieferanten als Internet- oder Kommunikationsfirmen derzeit so hoch gefeiert werden. Darauf wies VDMA-Präsident Eberhard Reuther bei der Eröffnung der Hannover Messe hin. Nachfolgend eine Auszug aus seiner Rede.

Drei Themen aus der aktuellen gesellschaftlichen Diskussion tangieren unsere Unternehmen unmittelbar:

  1. Image unserer Branche,
  2. beständige Anforderung, neuestes Wissen und Innovationen in unsere Produkte und Leistungen zu integrieren sowie
  3. Anwerbung und Ausbildung der Jugend für unsere Zukunftsindustrie.

Die Analyse kann allerdings nur der Anfang sein. Wir haben keinen Grund, mit dem, was wir bieten, hinter dem Berg zu halten. Im Gegenteil: Wir können und müssen vielmehr unsere Leistungen offensiver unseren Kunden, aber auch allen gesellschaftlichen Gruppen gegenüber darstellen.

Ein poliertes Image für den Maschinen- und Anlagenbau

Ohne uns gäbe es die vielen attraktiven neuen Produkte nicht, die Verbraucher begeistern und Börsianer in Euphorie versetzen.
Wir sind ganz vorn mit dabei, wenn neue Fertigungsprozesse geplant, neue Werkstoffe erprobt und eingesetzt oder neue Produkte entwickelt und am Markt erfolgreich eingeführt werden.
Den fertigen Produkten unserer Kunden sieht man allerdings nur selten an, wie viel Intelligenz, wie viel Ingenieurleistung und Fertigungsgeschick, kurz, welch komplexes Know-how unserer Branche sich in ihnen verbirgt.
Das gilt für alle Bereiche: Vom Umweltschutz über Telekommunikation, von den Konsumgütern bis hin zu Medikamenten und Lebensmitteln.
Wir machen aus einer virtuellen Welt der Wünsche, der Ideen und Technologien die reale Welt der konkreten Güter.
Je erfolgreicher wir sind, desto faszinierender sind die Produkte und Leistungen unserer Kunden. Wir aber bleiben im Hintergrund!
Unsere Aufgabe muss es deshalb sein, unsere Wirkungen, unsere Beiträge zum Fortschritt im Wettbewerb der Kommunikation, im Wettbewerb um Schlagzeilen und Faszination stärker aus dem Schlagschatten ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung zu bringen.
Die offensivere Darstellung unseres Könnens und Wissens brauchen wir nicht nur, um unsere weltweiten Kunden von den vielfältigen, immer wieder neuen Anwendungen zu überzeugen. Wir müssen mit den Branchen aus dem Dienstleistungsbereich, mit der Kommunikationsindustrie und dem Internet den Wettbewerb um die besten Köpfe und die besten Finanzierungen aufnehmen. Bei diesen Firmen reichen derzeit schon Ankündigungen, um Zukunftsfantasien freizusetzen. Das ist auch für uns, ob wir wollen oder nicht, Benchmark.
Unsere Rolle als Technologieführer können wir auf Dauer aber nur ausfüllen, wenn es uns gelingt, ständig neues Wissen zu entwickeln und aufzugreifen, um es zusammen mit den neuesten Technologien in unsere Produkte und Leistungen zu integrieren.
Wer bei Internet oder E-Business nur an den Konsumenten denkt, wird sich – davon bin ich mehr als überzeugt – bald die Augen reiben. Denn durch die industrielle Anwendung erschließen sich fantastische Möglichkeiten für erheblich effizientere weltweite Forschungs-, Entwicklungs-, Produktions- und Logistikprozesse.
Neben Qualität, Kostensenkung und Individualisierung, neben Bedienerfreundlichkeit, Zuverlässigkeit und Reaktionszeiten auf Kundenwünsche gewinnen Aspekte wie die Ressourcenproduktivität oder die Verwendung völlig neuer Ressourcen immer größere Bedeutung.
Die bessere, weltweite Koordinierung von Produktionsprozessen und effizientere Logistikketten kommen hinzu.
In nur wenigen Jahrzehnten werden voraussichtlich neun oder gar zehn Milliarden Menschen statt der heutigen sechs Milliarden auf der Erde leben. Damit wird die Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit unseres Wirtschaftens schlechthin gefordert.
Technik für Menschen heißt insofern nicht nur, den Konsumentenwünschen in der Gegenwart nachzukommen.
Technik für Menschen heißt für uns vielmehr, die technologische Basis für eine lebenswerte Zukunft schaffen. Hieran wird die Leistungsfähigkeit und Überzeugungskraft unserer Industrie gemessen werden. Das ist der Maßstab, an dem wir uns – insbesondere von jungen Menschen – messen lassen wollen.
Software, industrielle Bildverarbeitung, Sensorik und Aktuatorik wachsen als Komponenten und Teilsysteme zu mechatronischen Systemen zusammen. Um die Innovationspotentiale dieser oder anderer Technologien zu erschließen, ist die Zusammenarbeit über die Unternehmensgrenzen hinaus weiter zu entwickeln.
All das ist nur zu schaffen, wenn es uns gelingt, die besten Fach- und Führungskräfte für uns, die Investitionsgüterindustrie, zu gewinnen.

Wir brauchen eine europäische Eliteschule für Ingenieure

Zwischen Europa und Amerika ist der Wettbewerb am internationalen Arbeitsmarkt um die besten Köpfe voll entbrannt.
Die „Green Card“ für Softwarespezialisten kann heute schon – vier Wochen nach der CeBIT – trotz kontroverser Diskussion als guter, erster Schritt in die richtige Richtung begrüßt werden.
Eine vergleichbare Lösung brauchen wir dringend auch für Ingenieur-Studenten – die „Green-Student-Card“ – und zwar nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa.
Wer bei uns in Europa studieren will, sollte willkommen sein. Und er sollte die Möglichkeit haben, einige Jahre im Anschluss an ein erfolgreiches Examen im Land arbeiten zu können, ohne vorher schon von den Einwanderungsbürokratien abgeschreckt zu werden.
Wenn so ein intensiverer Austausch von Studenten und Fachkräften entsteht, werden nicht zuletzt der internationale Know-how-Transfer und gegenseitiges Verständnis über die Grenzen hinweg gefördert.
Doch machen wir uns nichts vor: Am Ende kann selbst eine offensive Einwanderungspolitik die Probleme nicht auf Dauer lösen. Dies gilt erst recht aus Sicht der „global engineering community“.
Der Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte fordert deshalb von uns, mehr junge Menschen für technische Berufe zu gewinnen und die zur Verfügung stehenden Fachkräfte ständig aus- und weiterzubilden. Für die Neu- und Nachqualifizierung von Ingenieuren müssen wir auch die Kapazitäten der technischen Universitäten verstärkt nutzen. Kapazitäten, die aktuell leider auf Grund zu niedriger Studienanfängerzahlen nicht ausgelastet sind.
Für die Gestaltung Europas sehe ich große Chancen, wenn sich EU-Kommission und Unternehmen zusammentun, um eine europäische Elitehochschule für Ingenieure aufzubauen. Dies hätte Signalwirkung in den Mitgliedstaaten der EU und über Europa hinaus. Denn unsere Ingenieure schaffen die Grundlagen für eine nachhaltig Ressourcen schonende Güterproduktion für immer mehr Menschen. EBERHARD REUTHER
Eberhard Reuther: “ … wir brauchen dringend die “Green-Student-Card“, nicht nur für Informatiker, sondern auch für Ingenieur-Studenten.“

Von Eberhard Reuther
Von Eberhard Reuther

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