Maschinenbau 22.02.2008, 19:33 Uhr

„Wir befinden uns nicht in einem Wachstumsmarkt“

VDI nachrichten, Augsburg, 22. 2. 08, swe – Das erste komplette Jahr als unabhängiges Unternehmen hat der Offenbacher Druckmaschinenhersteller MAN Roland mit durchwachsenen Ergebnissen abgeschlossen. Vorstandschef Gerd Finkbeiner setzt auf zunehmende Kundenorientierung und eine vorsichtige Expansion, um in einem voraussichtlich stagnierenden Markt in den nächsten Jahren Wachstum zu garantieren.

Neue Ansätze im Bereich Technologieentwicklung im Maschinenbau hin zu Netzwerken sieht MAN-Roland-Chef Gerd Finkbeiner – Netzwerke über die Grenzen von Unternehmen hinweg bis hin zu Universitäten. Vorbild sei die Automobilbranche, die längst etwa in der Grundlagenforschung zusammen mit Universitäten in Projekten arbeiten würde, für die es auch EU-Fördergelder gebe.

„Das ist etwas, was bei uns bis dato so nicht oder noch nicht gemacht wird“, bedauerte Finkbeiner letzte Woche in Augsburg in Bezug auf die Druckmaschinenbranche. „Aber es gibt Ansätze, zum Beispiel die Clusteroffensive in Bayern.“

In Augsburg, wo MAN Roland Rollen- und Zeitungsdruckmaschinen herstellt, sei es der Cluster „Mechatronik und Automation“, in dem übergreifend im Maschinenbau Kooperationen angebahnt würden. „In Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft kann man dort Forschungsvorhaben in der Industrie breit abgesichert finanzieren. Da bilden sich jetzt gerade die Netzwerke heraus“, so Finkbeiner zum Status quo.

Die Hauptfrage für Finkbeiner, Chef des weltweit zweitgrößten Druckmaschinenherstellers, ist jedoch: Wie entwickelt sich der Markt für Offsetdruckmaschinen? „Es gibt einige Bedenken bezüglich der jüngsten Entwicklungen der Subprime-Krise.“ Die Fünf-Jahres-Prognosen würden schwanken von -2 % bis zu einem Plus von 3 % bis 4 % im gleichen Zeitraum.

„Wir befinden uns nicht in einer Wachstumsbranche“, stellte Finkbeiner daher fest. „Für 2008 nehmen wir an, dass der Umsatz mehr oder weniger auf dem Niveau von 2007 liegt“, sagte Finanzvorstand Ingo Koch, legte sich allerdings beim Ebit nicht fest.

Trotzdem gab Finkbeiner sich zuversichtlich, die Voraussetzungen für das Ziel des Hauptaktionärs, Allianz Capital Partners, den favorisierten Börsengang, zu erreichen. „Wir können zurzeit nicht sagen, wann wir ein IPO (Initial Public Offering) machen“, betonte Finanzvorstand Koch. „Wir bereiten uns intern auf den Börsengang vor. Wenn es ein Zeitfenster gibt, das sinnvoll ist, dann werden wir das gemeinsam mit dem Investor beschließen.“ Doch bezeichnete Koch den Markt als „zurzeit schwierig“.

„Wir schauen auf profitables Wachstum“, betonte Finkbeiner. Das gehe vor der Eroberung neuer Marktanteile. Diese seien in puncto kritische Größe wichtig, aber profitables Wachstum stehe davor. „Wir können dabei nicht über den Preis allein konkurrieren“, führte er am Beispiel des Bogendrucks aus. Das Ziel für den Bogendruck von 25 % Marktanteil (bisher 16 %) sehe er mittelfristig. „Um so etwas zu erreichen, muss man bestimmt fünf bis acht Jahre konsequent arbeiten.“ Dabei gehe es vor allem um Produktpolitik und das Servicekonzept.

„Wir sind mit dem Gruppenergebnis sehr, sehr zufrieden“, lobte Gerd Finkbeiner den Jahresabschluss seines Unternehmens in Augsburg. „2007 bot der Markt einige Herausforderungen in Form des starken Euros, des herausfordernden US-Markts – Gleiches gilt für Großbritannien – und die Einfuhrbesteuerung in China.“ Der Umsatz lag 2007 mit 1,94 Mrd. € rund 6 % unter den Vergleichszahlen des Vorjahres (2,05 Mrd. €). Das Ebit (Gewinn vor Zinsen und Steuern) stieg jedoch im Jahresvergleich um 6 % auf 125 Mio. € (2006: 118 Mio. €)

Im Bogenbereich hat sich die 2006 erreichte Profitabilität als dauerhaft herausgestellt. „Das war keine Eintagsfliege“, lobte Finkbeiner. Dennoch sank der Umsatz um 4 % gegenüber 2006 auf 906 Mio. € bei konstantem Ebit von 37 Mio. €.

Sorgen bereitet MAN Roland der Markt mit Zeitungsdruckmaschinen, der 2007 bei MAN Roland 50 % und mehr des Rollendruckgeschäfts von 1,03 Mrd. € (-17 % gg. Vj.) ausgemacht hat. „Hier stehen unsere Kunden in Amerika vor den größten Herausforderungen“, sagte Finkbeiner. „Die Kapitalmärkte stellen das Geld für große Druckanlagen nicht oder nur wesentlich zögerlicher zur Verfügung als früher.“

Die Bankenkrise könnte nicht nur die Zeitungskunden beeinträchtigen, sondern auch die Maschinenfinanzierung beim typischen deutschen Mittelstandskunden. „Wir wissen nicht, wie sich das auf unser Geschäft wirklich auswirken wird“, räumte Finkbeiner ein. „Wir haben die Sorge, dass die Finanzierung von Investitionen für unsere Kunden schwieriger wird. Da müssen wir in den nächsten Wochen und Monaten sehen, was auf der Bankenseite passiert.“

Dabei gehe es speziell den Zeitungsmachern selbst weltweit recht gut. Es mangele jedoch daran, den Kapitalmärkten eine Vision zu vermitteln, wie es weitergehe mit Zeitungen und Zeitschriften.

Als notwendigen Trend stellte Finkbeiner heraus, dass sich die Zeitungsverleger auf den Inhalt und die Druckereien auf das Drucken konzentrieren sollten. Viele Zeitungsverleger haben heute noch ihre eigenen Druckereien und betreiben sie mit eigenem Personal. Als Gegenbeispiel nannte Finkbeiner die Hearst Group, die den in den USA renommierten San Francisco Chronicle herausgibt. Die Hearst Group hat mit dem kanadischen Druckdienstleister Transcontinental einen 15-Jahresvertrag über den Zeitungsdruck abgeschlossen und Transcontinental baut in Kalifornien eine neue Druckfabrik.

Das bietet auch neue Geschäftsgelegenheiten für MAN Roland, nämlich im Bereich Services, worunter Finkbeiner vieles versteht, vom Consulting über die klassische Wartung und den Verkauf von Verbrauchsmaterial bis hin zum Outsourcing des Anlagenbetriebs für Kunden.

„Unser Serviceanteil liegt zurzeit bei im Schnitt rund 18 %, im Bogenbereich bei 24 %, im Rollenbereich bei 12 %“, sagte Finkbeiner. Er verweist auf den gesamten Maschinenbau, der 2006 mit dem Servicegeschäft 27 % des Umsatzes gemacht habe. „Dazu brauchen wir Produkte, wir brauchen Ressourcen, das kann man im Rollenbereich nicht alles von Augsburg oder Plauen aus machen, da müssen wir raus in die Nähe des Kunden.“

Im Dezember erst hatte MAN Roland als Erweiterung seines Servicebereichs den weltweit tätigen schwäbischen Druckzubehör-Großhändler Werner Lies übernommen. Weitere Optionen auf Zukäufe im Servicebereich hielt Finkbeiner sich offen. „Wie generell bei allen Themen, wo sich Möglichkeiten ergeben, sehen wir uns das dann an.“

Als weiterer Wachstumsmarkt gilt Asien. Dennoch hält sich Finkbeiner mit Plänen für den Aufbau eines lokalen Produktionsstandortes zurück, wie ihn Branchenprimus Heidelberger Druckmachinen in China praktiziert. „Diesen Ansatz sehen wir für uns nicht. Würden wir so etwas anschauen, dann nur, wenn wir damit das Thema Niedrigpreisprodukte für die Emerging Markets abdecken können.“ Diese Produkte dann in einem solchen Emerging Markt zu entwickeln und zu produzieren, das mache die Sache rund. „Wenn wir so etwas erwischen würden, würden wir uns das sehr gut angucken.“ Dafür gebe es aber keine Ansätze, betonte Finkbeiner nochmals.

STEPHAN W. EDER

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Energie, Energierohstoffe, Klimaschutz, CO2-Handel, Drucker und Druckmaschinenbau, Medien, Quantentechnologien

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