Maschinenbau 14.05.1999, 17:21 Uhr

Westeuropa ist der größte Verpackungsmaschinenmarkt

Hohes Nachfrage-Wachstum im Inland stärkte die Position des deutschen Verpackungsmaschinenbaus. Doch in diesem Jahr, das zeigte die gerade beendete Interpack, sind die Aussichten der Branche schon wieder gedämpft.

Der Verpackungsmaschinenbau hat sich nach den Worten von Interpack-Präsident Ernst H. Berndl „längst zu einer High-Tech-Branche entwickelt“. Denn erst damit, so hob der geschäftsführende Gesellschafter der Skinetta Pac-Systeme Kiener GmbH & Co zur Eröffnung der 15. Internationalen Messe für Verpackungsmaschinen Packmittel und Süßwarenmaschinen vom 6. bis 12. Mai in Düsseldorf hervor, werde der wirtschaftliche Warentransport insbesondere für die entwickelten Selbstbedienungsmärkte der EU und in Übersee möglich.
Laut Berndl hält der bundesdeutsche Verpackungsmaschinenbau dabei noch immer eine „hervorragende Marktposition – mit einem Anteil von rund 30 % am Weltexportmarkt ist Deutschland Exportweltmeister“. „Unser Geschäft“, so hob der Interpack-Präsident auf der Messe hervor, „ist in den vergangenen zehn Jahren deutlich internationaler geworden.“ Gerade die Überseemärkte hätten dabei nicht nur für die deutschen Hersteller, sondern auch für alle europäischen Wettbewerber erheblich an Bedeutung gewonnen.
Dr. Dieter Büschelberger unterstrich ebenfalls auf der Düsseldorfer Messe die starke internationale Ausrichtung seines Geschäftsbereichs. 83 % der Maschinenproduktion, so der Geschäftsleitungssprecher des Verpackungsmaschinenbereichs der Robert Bosch GmbH, Stuttgart, gingen in den Export. Dabei würden mehr als die Hälfte des Umsatzes außerhalb Europas getätigt. Büschelberger: „Damit liegen wir über dem Durchschnitt der deutschen Verpackungsmaschinenindustrie.“
Nach Regionen betrachtet entspricht die Umsatzverteilung des Bosch-Verpackungsmaschinenbereichs bereits annähernd der des Weltmarkts. Büschelberger: „In Westeuropa einschließlich Deutschland erzielten wir 45 % unserer Umsätze (ohne Deutschland 28 %) und in Nordamerika 20 %. Erst dann folgt Asien mit 15 %. Dort sieht der Geschäftsbereichssprecher künftig allerdings das größte Wachstumspotential.

Erhöhte Nachfrage aus der pharmazeutischen Industrie bescherte volle Auftragsbücher

Die größten Impulse für den im vergangenen Geschäftsjahr um 6 % auf 637 Mio. DM gestiegenen Umsatz kamen laut Büschelberger jedoch vom deutschen Markt. Um 14 % auf 110 Mio. DM ist seinen Angaben zufolge der Inlandsumsatz gewachsen. Das Wachstum des Geschäftsbereichs sei dabei vor allem von der erhöhten Nachfrage nach Verpackungsmaschinen für die pharmazeutische Industrie getragen worden. „Hier tätigten wir 1998 rund die Hälfte unseres Umsatzes“, erklärte der Geschäftsbereichssprecher.
Westeuropa ist weltweit der größte Verpackungsmaschinenmarkt. Diese Position, so Büschelberger, habe Asien 1998 aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise verloren. Bereits zum dritten Mal in Folge erhöhten sich den Bosch-Angaben zufolge im vergangenen Jahr die Investitionen. Sie nahmen auf 10,5 Mrd. DM zu, was 32 % der weltweiten Nachfrage nach Verpackungsmaschinen entspreche. In Asien war dagegen die Nachfrage auf 8,8 Mrd. DM gesunken. Der Weltmarktanteil dieser Region fiel deshalb auf 26 % zurück. Auf Nordamerika, wo die Investitionen in Verpackungsanlagen bereits seit Jahren stetig zunehmen, erhöhte sich die Nachfrage auf 8 Mrd. DM der Weltmarktanteil stieg auf 24 %.
Zu etwa 70 % decken die vier wichtigsten Herstellerländer mit ihrer Produktion den weltweiten Bedarf an Verpackungsmaschinen. Büschelberger: „Dies waren 1998 die USA mit einem Produktionsvolumen von 6,9 Mrd. DM, gefolgt von Deutschland mit 6,4 Mrd. DM. An dritter Stelle liegt Italien mit 5,4 Mrd. DM. Die bisher starke japanische Verpackungsmaschinenindustrie mußte infolge der anhaltenden Rezession starke Einbußen hinnehmen. Ihr Produktionsvolumen ging um 17 % auf 4,3 Mrd. DM zurück.
Während die japanischen und amerikanischen Verpackungsmaschinen-Hersteller den Bosch-Informationen zufolge vorrangig ihre nationalen Märkte versorgen und erst langsam in das Exportgeschäft drängen (sie exportieren nur 15 % beziehungsweise 23 % ihrer Produktion), sind die italienischen und deutschen Hersteller mit deutlich über der 80 %-Schwelle liegenden Exportquoten sehr stark von der Entwicklung auf den internationalen Märkten abhängig. Gerade ihnen kann der Bosch-Verpackungsmaschinenexperte nur gedämpfte Konjunktur-Aussichten versprechen. Büschelberger: „Schon heute läßt sich mit einiger Sicherheit prognostizieren, daß die Marktentwicklung 1999 ungünstiger verlaufen wird als 1998.“ Zwar sei anzunehmen, daß die Nachfrage in Nordamerika weiter zunehmen werde und daß sich die Wirtschaft in Asien wieder allmählich erhole, doch aufgrund der schwachen Ordertätigkeit zum Jahreswechsel in Europa und Lateinamerika, so warnte der Bosch-Sprecher auf der Interpack, zeichne sich bereits ab, daß in diesen Wirtschaftsregionen die Nachfrage nach Verpackungsmaschinen nicht an das Vorjahresniveau anknüpfen könne. Es müsse sogar mit einem Rückgang gerechnet werden. Glücklicherweise verfüge sein Unternehmen über ein gutes Auftragspolster, so daß aufgrund dieses Bestands wieder ein Umsatzwachstum in der Größenordnung von 5 % bis 6 % erwartet werde.
Investitionsimpulse erhofft sich Büschelberger dennoch von den 35 Exponaten, die sein Geschäftsbereich auf der Interpack zeigt. Fast die Hälfte der präsentierten Anlagen seien Neuentwicklungen für die „Verpackungstechnik des 21. Jahrhunderts“. Das Ausstellungsprogramm sei ein deutlicher Beweis dafür, daß sich an der Schwelle eines neuen Jahrtausends im Sondermaschinenbau die numerisch gesteuerte Anlage durchgesetzt hat. „Hochelastische dezentrale Antriebe bilden in Verbindung mit intelligenten Steuerungskonzepten, der sogenannten Soft-PLC, die technische Voraussetzung für die Einführung schnell umrüstbarer, einfach bedienbarer und kostengünstig zu wartender Verpackungsmaschinen“, so der Bosch-Geschäftsbereichssprecher.
JÜRGEN SIEBENLIST
Anlagen für die Pharmazie – hier das Abfüllsystem „MLD 5120“ für flüssige Produkte – sichern 50 % des Umsatzes von Bosch mit Verpackungsmaschinen
Mit 32 % entfällt der größte Teil des in 1998 auf 33 Mrd. DM (Vorjahr 32,7 Mrd. DM) gewachsenen Weltmarkts für Verpackungsmaschinen auf Westeuropa. Asien fiel aufgrund der Wirtschaftskrise auf Rang 2 zurück.
Fast zwei Drittel aller Verpackungen werden in Europa, Nordamerika und Japan verbraucht.

Von Jürgen Siebenlist
Von Jürgen Siebenlist

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