Werkzeugmaschinen 30.06.2006, 19:22 Uhr

Werkzeughersteller lösen Kundenprobleme vor Ort  

Wer als Hersteller von Zerspanwerkzeugen kein anspruchsvolles Engineering bieten kann, dürfte wohl bald zum Statisten im Wettbewerb schrumpfen. Denn je flexibler die Fertigung läuft, umso mehr sind durchdachte Werkzeuge gefragt, die Nebenzeiten drastisch reduzieren bis zur komplexen Bearbeitung in einer Aufspannung.

Klaus Weinert ist überzeugt: „Werkzeuge werden künftig immer mehr Funktionen und Aufgaben miteinander vereinen.“ Hier denkt der Leiter des Instituts für spanende Fertigung (ISF) an der Universität Dortmund etwa an mechatronische Ausspindelwerkzeuge oder modular aufgebaute Werkzeuge, die über einen Grundkörper verfügen, in den immer wieder die neuesten Schneidstoffe und Wirkelemente eingewechselt werden könnten.

In diesem Bereich präsentierte Kyocera, Neuss, auf der Metav 2006 die „Cell Fiber Technology“. Das Prinzip ist nach Firmenangaben simpel: „Zellen in einer Größenordnung von 100 µm, deren Außenwand aus zähem, zerspanungsresistentem Material besteht, werden mit beispielsweise Siliziumnitrid, Mischkeramik oder CBN gefüllt“, erläutert José Agustin-Payá, Manager Produktmarketing und -technologie des Geschäftsbereichs Kyocera Cutting Tools. Anschließend würden diese Zellen zu einer Matte und mehrere Matten zu einem Block verarbeitet, der in gepresster und gesinterter Form einen leichten, verschleißfesten und zugleich zähen Werkstoff ergebe. Entscheidender Faktor für Agustin-Payá: „Jedes denkbare Material lässt sich für das Innere der Zellen verwenden.“ Je nach Anwendung könnten wie auch früher individuelle Grundmaterialien verarbeitet werden. Testläufe hätten jedoch gezeigt, dass die Cell-Fiber-Schneidstoffe mit erheblich höheren Schnittgeschwindigkeiten und Vorschüben bei wesentlich längerer Lebensdauer des Materials gefahren werden könnten. „Im ersten Schritt ist diese Schneidstofftechnologie als Alternative zur whiskerverstärkten Keramik zu sehen“, so der Produktmanager in Düsseldorf.

Individualität prägt auch die Entwicklung beim Werkzeug-Engineering. Hermann Steidle kennt die Gründe: Je flexibler die Produktion, umso mehr kommen Kombinationswerkzeuge für unterschiedlichste Arbeitsschritte zum Einsatz“, weiß der Marketingleiter bei Mapal in Aalen. Diese Entwicklung gehe rasant weiter, schließlich würden Losgrößen auch in Zukunft weiter sinken bei weiter steigender Produktvielfalt. Geldwerte Vorteile liegen für ihn klar auf der Hand: Die Zeiten für Werkzeugwechsel sinken bei minimiertem Fehlerrisiko und steigender Produktionsqualität. Steidle: „Damit wird wohl deutlich klar, dass der erklärte Feind die Nebenzeiten sind. Unternehmen mit guten Kombiwerkzeugen werden sich neue, attraktive Marktchancen auftun.“

So vereinen beispielsweise die Bohrgewindefräser (BGF) von Jel in Stuttgart, einem Tochterunternehmen von Komet, die Operationen Bohren, Senken und Gewindefräsen in einem Werkzeug. „Sie sparen mindestens einen Werkzeugwechsel und ermöglichen die Gewindeherstellung in einem Arbeitsgang“, erläutert Produktmanager Manfred Wiserner. Eine neue, viernutige Variante sei speziell für den Einsatz in Grauguss konzipiert: „Bei gleichem Vorschub pro Zahn können beim Gewindefräsen doppelte Bahnvorschübe gefahren werden“, betont Wiserner. Außerdem seien aufgrund der höheren Nutenzahl auch längere Standzeiten möglich.

„Der Einsatz zweier Werkzeuge – eines zum Schruppen und eines zur Fertigbearbeitung – war lange Zeit selbstverständlich“, weiß Frank-M. Wohlhaupter, Geschäftsführer der Wohlhaupter GmbH in Frickenhausen. Doch dieser Arbeitsablauf sei mittlerweile überholt Das effektive Konzept sei die kombinierte Schrupp-Schlichtbearbeitung mit nur einem Werkzeug, das bei den Anwendern viel Zeit und Kosten einspare.

Auch bei Kennametal in Fürth steht Engineering deshalb ganz oben in der Firmenstrategie. „Derzeit sind über 30 % unserer Werkzeuge komplexe, kundenspezifische Entwicklungen – Tendenz deutlich steigend“, ergänzt Joachim Fabry, Direktor Zerspantechnologie und Dienstleistungsservice bei Kennametal. Für ihn tut sich mit anspruchsvollen Werkzeugen auf Kundenwunsch aber noch ein weiteres Betätigungsfeld auf, dessen Bedeutung schon bald über den Unternehmenserfolg entscheiden könnte. „Es geht um Engineering als Komplettdienstleistung. Mit dem Kunden vor Ort können innovative Werkzeuganbieter dessen Prozesse optimieren und dabei auch dessen Fachwissen ins eigene Engineering einfließen lassen.“ Dazu gehöre bei Kennametal auch ein Test- und Vorführzentrum: „Oftmals haben Kunden keine Zeit, um eigene Testreihen zu fahren. Das übernehmen wir.“ In die Reihe der Dienstleistung rund ums Werkzeug gehörten aber ebenso Werkzeugnachbearbeitung wie auch Schulungen für Kundenmitarbeiter: „Dienstleistung“, resümiert Joachim Fabry, „ist eine erstklassige Möglichkeit, sich gegenüber jeglichem Wettbewerb zu differenzieren.“ DIETMAR KIPPELS

Von Dietmar Kippels
Von Dietmar Kippels

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