Engineering 05.05.2000, 17:25 Uhr

Vom Engineering-Partner zum Luxus-Sportwagenbauer

Sie baut einen Sportwagen in Eigenproduktion.

Geschäftsführer Kurt Will hat große Pläne. Mit einem Sportwagen, breit wie ein Kleinlaster und über 300 km/h schnell, will der Geschäftsführer der neu gegründeten Callaway Cars Europe GmbH in Leingarten bei Heilbronn künftig gegen die Turboporsches und Aston Martins dieser Welt antreten. Der Bolide mit der knappen Bezeichnung C12 und den strammen 440 PS aus 5,6 l Hubraum ist das Meisterstück des deutschen Herstellers IVM mit Hauptsitz in München – einem bislang nur in Fachkreisen gut bekannten Engineering-Dienstleister für die Automobilindustrie. Dabei wurde das Triebwerk auf der Basis eines GM-Motors komplett überarbeitet.
Voraussichtlich insgesamt nur hundert Fahrzeuge wird IVM von dem rund 300 000 DM teuren Sportwagen bauen. „Mehr werden wir wohl nicht verkaufen“, schätzt Will. Kein Wunder, die Marke ist unbekannt, räumt Will ein. Zielmarkt sind deshalb in erster Linie die USA, wo der 2 m breite Wagen nicht nur mehr Platz auf den Straßen hat, sondern auch der IVM-Vertriebspartner Callaway als amerikanischer Hersteller exklusiver Golfausrüstung das nötige Image und die Bekanntheit in den betuchten Kreisen genießt.
Lange Zeit operierte die Branche der Entwicklungsdienstleister unauffällig im Hintergrund. Das hat sich geändert. Seit die Automobilbauer nicht zuletzt wegen ihrer Modelloffensive von den Engineering-Dienstleistern immer mehr auch die Verantwortung für die Entwicklung kompletter Fahrzeuge fordern, ist die eher dezent auftretende Branche nun auch in Sachen Eigenmarketing deutlicher aktiv. Ingenieurgesellschaften wie IVM, Bertrand oder EDAG demonstrieren auf Autoshows, wie etwa der IAA oder dem Genfer Automobilsalon, ihre Kompetenz durch komplett entwickelte Prototypen eigener Fahrzeuge.
Außer IVM ist bislang jedoch keiner der Entwicklungsdienstleister auch unter die Fahrzeughersteller mit eigener Serie gegangen. Ursprünglich als Showcar für den Genfer Automobilsalon 1998 konzipiert und als Nachweis für das Entwicklungs-Know-how eines ganzen Fahrzeugs gedacht, avanciert der C12 von IVM nun als Sammlerstück in geringer Auflage. Eine Welt-Herstellernummer, die IVM als Autohersteller ausweist, erteilte das Kraftfahrtbundesamt gerade noch rechtzeitig vor dem Genfer Autosalon in diesem Frühjahr.
Der Trend, dass die großen Automobilhersteller auch komplette Varianten an externe Entwicklungsunternehmen vergeben, „ist deutlich spürbar“, bestätigt Jürgen Kamp, Assistent der Geschäftsleitung bei IVM Automotive in Bad Friedrichshall. Immer stärker fordern die Hersteller von ihren Entwicklungspartnern „Gesamtfahrzeugkompetenz“ ein. Der Grund: Wer bei einen Autohersteller im Geschäft bleiben will, muss zeigen, dass er auch ein komplettes Auto entwickeln und als Projekt managen kann. So soll Audi nur noch für fünf Engineering-Dienstleister Lieferanten-Nummern haben, heißt es in der Branche. Kleinere Unternehmen kommen da nicht mehr zum Zug.
Für IVM bedeutet der C12 einen sichtbaren Kompetenznachweis. „Erst dadurch kamen wir bei den Automobilbauern auch für komplette Fahrzeuge ins Gespräch“, bestätigt Kamp die Signalwirkung. Die Botschaft kam offenbar an. Denn IVM arbeitet mittlerweile an ersten Gesamtfahrzeugprojekten.
Dass solche Großprojekte gegen Festpreise abgerechnet werden, ist mittlerweile üblich. „Das zwingt, völlig anders zu wirtschaften als bisher“, erklärt Kamp den Druck zu effektiveren Entwicklungsprozessen.
Ein deutlicher Schritt vorwärts ist hierbei die Einführung von Produktdatenmanagement (PDM) und die Untersuchung der digitalen CAD-Modelle mit Hilfe des Digital Mock-up (DMU). Ein Thema von „strategischer Bedeutung“, sagt Kamp. Ohne sie wäre weder ein simultanes Engineering möglich, noch ließe sich die Konstruktionssicherheit erhöhen. So lassen sich bei DMU die Fahrzeuge aus Hunderten von einzelnen CAD-Modellen virtuell im Computer zusammenbauen und die Modelle und Geometrien auf gegenseitige Kollisionen und Stimmigkeit überprüfen. Für Kamp sind solche Softwarewerkzeuge wesentlich, „um die Qualität der Konstruktion zu erhöhen und das Fehlerrisiko zu minimieren.“ So wurde auch die Crash-Sicherheit laut Firmenangaben ausschließlich im Rechner ermittelt.
Bereits vor fünf Jahren bei IVM eingeführt, blieb Digital Mockup lange Zeit dennoch nur ein aufgesetztes Thema im Unternehmen. Der Grund: Dem Tool fehlte die nahtlose Einbindung in den Entwicklungsprozeß. Das änderte sich mit der Einführung von Produktdatenmanagement (PDM), das IVM nach zwei Pilotprojekten im vergangenen Jahr nun mit dem System Matrix-One installiert.
„Zusammen mit PDM gewinnt Digital Mockup erst richtig an Wirkung“, schwärmt Kamp. Der Grund liegt auf der Hand: Ein Konstrukteur mache keine DMU-Untersuchung, solange er nicht alle nötigen Bauteile und Daten von seinen Kollegen beisammen hat, erklärt Kamp die frühere Zurückhaltung. Erst PDM löst das Problem. Denn in einem zentralen Produktdatenmodell sind nun auch Teile oder Baugruppen abgelegt, an denen noch gearbeitet wird, doch ohne die ein Simultaneous Engineering nicht funktioniert. Erst die stringente Datenorganisation, wie sie PDM erfordert, gibt Digital Mockup den nötigen Produktivitätsschub. BERND ROSE
Funktionstest am Bildschirm: CAD-Bauteile und -Geometrien werden per Digital Mockup virtuell zusammengebaut und auf Stimmigkeit bzw. Kollisionsfreiheit überprüft.
Luxuriöser Kompetenz-Nachweis: Engineering Dienstleister haben „das Zeug“, einen Sportwagen der absoluten Oberklasse zu entwickeln und auch zu bauen, wie IVM Automomotive mit der Präsentation des C12 auf der Frankfurter IAA und dem Genfer Automobilsalon demonstrierte.

Ein Beitrag von:

  • Bernd Rose

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