Die Vision 2010 lautet 06.12.2002, 18:22 Uhr

Team-Engineering hält den Schiffbau über Wasser

Reduzierung der Kosten im deutschen Schiffbau um 30 %. Dazu sollen ganzheitliche CAx- und Produktdatenmanagement-Systeme (PDM) beitragen, denn CAD, CAM und CAE in den Werften sind aus historischen Insellösungen gewachsen. Zuverlässige Datenintegration und -verwaltung wirkt gegen die Preisvorteile asiatischer Werften und Zulieferer.

Jeder Werftpraktiker weiß davon ein trauriges Shanty zu singen: Kostenintensive Reibungsverluste bestimmen nur allzu oft den Weg vom Angebot bis zur Ablieferung des Schiffsneubaus. Das liegt an der mangelnden Kommunikation – von der Planungsphase über die Detailkonstruktion bis zur Arbeitsvorbereitung. Hier spielen unterschiedliche Softwaresysteme eine schwerwiegende Rolle, die aufgrund nicht vorhandener oder ungeeigneter Schnittstellen Sprachverwirrung erzeugen.
Wenn in der Planungsphase heute noch Daten manuell zur Weiterverarbeitung in andere Softwaresysteme übertragen werden müssen, wird die Forderung nach geeigneten Schnittstellen allein aus Gründen der Kostenreduzierung plausibel. „Die IT-Unterstützung für den Schiffsbau ist noch immer von Insellösungen geprägt und lässt neutrale, also systemunabhängige Datenmodelle vermissen“, beklagt denn auch Claus-Peter Davenport, Sprecher des Germanischen Lloyd in Hamburg.
Dabei wurde der Handlungsbedarf schon früh erkannt: Im Rahmen des vom BMBF getragenen Forschungsprojektes „Informationstechnik im Schiffsbau (Itis)“ hatte die deutsche Schiffbauindustrie – bestehend aus 21 Projektpartnern – das Entwickeln schlüssiger Informationstechnologien schon in den 90er-Jahren ins Visier genommen. Ziel war es unter anderem, auf Basis des internationalen Standards ISO 10303 Step (Standard for Exchange of Product Data) eine einheitliche Schnittstelle für den Austausch produktbeschreibender Daten einzuführen.
Mittlerweile hat sich Step-Iso 10303 als neutrales, standardisiertes Austauschprotokoll zwischen IT-Systemen heute sowohl im Schiffbau als auch in der Luftfahrt etabliert. Die Universität Rostock ist federführend mit dem Projekt „ShinCoS“ an einer Vereinheitlichung des Datenaustausches zwischen verschiedenen Softwaresystemen beteiligt. Auch das ShinCos-Projekt wird vom BMBF im Rahmen der Initiative „Vision 2010 – Reduktion der Kosten im deutschen Schiffbau um 30 %“ gefördert.
Doch solche staatliche Förderung kann nicht allein helfen: Auch die Software-Branche hat das Potenzial für ganzheitliche IT-Lösungen im Schiffsbau erkannt und investiert kräftig im Kampf um zukünftige Marktanteile. IBM (Catia) oder Tribon Solutions (Tribon M2) versuchen, Marktführer in der globalen Schiffbauindustrie zu werden.
Der Branchenriese IBM geht das Thema strategisch an. Ein „Europäisches Schiffbau-Kompetenz-Zentrum“ wurde in Hamburg eröffnet. Das von IBM Deutschland und Dassault Systèmes in Hamburg gegründete Büro befasst sich unter dem Banner Product Lifecycle Management (PLM) mit der Integration von kompatiblen CAD-, CAM-, CAE-Softwaremodulen für den Schiffsbau. Hinzu kommt Produktdatenmanagement-Software (PDM). „Das Europäische Schiffbau-Kompetenz-Zentrum-„, so Klaus Schäfer, IBM-Direktor PLM Solutions Global Sales, „ist eine Kommunikationsplattform, über die wir die gesamte Schiffbaubranche im Bereich digitale Entwicklungsarbeit optimal unterstützen und beraten wollen“.
Wichtiger Kooperationspartner ist die Meyer-Werft in Papenburg, die mittlerweile eine hohen Integrationsgrad in Sachen IT erreicht hat. Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW) wiederum hat die gesamte Entwicklung, Konstruktion und Produktdatenhaltung auf digitale, integrierte Prozesse umgestellt. „Die Umstellung wird dazu beitragen, unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit auszubauen“, erklärt Hans-Joachim Schmidt, Vorstandsmitglied bei HDW.
Auch das schwedische Softwarehaus Tribon-Solutions aus Malmö, entstanden bereits 1960 aus einer Abteilung der schwedischen Kockums Shipyards, mischt in diesem IT-Sektor mit. Auf den Kockums Shiphyards beschäftigte man sich seit 1960, wie auf vielen anderen Werften, mit Rationalierungsmöglichkeiten, um Produktionsprozesse zu vereinfachen und Kosten zu senken.
Das werftinterne System „Steerbear“ der Kockums Computer Systems (KCS) entwickelte sich über vier Jahrzehnte bis heute zum integrierten Tribon M2-System mit 3-D-CAD und PDM- Plattformen. Der künftige Weg in Richtung Erfolg ist für Claus-Peter Davenport auch durch eine psychologische „Konstante“ vorgezeichnet: „CAx im Schiffbau braucht das Team-Engagement aller Beteiligten.“
So ist es eben geworden: Die Kunst ein Schiff zu bauen, definiert sich nicht mehr einzig aus der Ingenieurleistung der Konstrukteure und den handwerklichen Fähigkeiten von Maschinen- und Schiffbau einer Werft und deren Zulieferer. C. SCHMIDT/CIU/KÄM

  • Bernd C. Schmidt

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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