Maschinenbau 15.01.2010, 19:44 Uhr

Studienanfänger beweisen ihr Können  

Wer glaubt, dass sich die Konstruktionsentwürfe von Studienanfängern auf vage Skizzen beschränken, der irrt. Im Gegenteil: An der TU Darmstadt beweisen die Erstsemester alljährlich, dass sie sehr wohl schon Maschinen bauen können. Und zwar mit Erfolg. Zwei Wochen haben sie Zeit, ein komplettes Projekt zu bearbeiten. Auch andere Unis entdecken nun das Studieneinstiegsmodell für sich. Denn in Darmstadt sinken die Abbrecherquoten stetig. VDI nachrichten, Düsseldorf, 15. 1. 10, jul

Studienanfänger haben es nicht leicht. Gerade zu Beginn des ersten Semesters werden sie überrollt von Regeln, Verordnungen und Studienplänen, die das Studentenleben einläuten. Auch die Erstsemester des Studiengangs „Maschinenbau – Mechanical Process Engineering“ an der Technischen Universität (TU) Darmstadt werden davon nicht verschont. Von ihnen wird jedoch noch einiges mehr erwartet, denn nur knapp sechs Wochen nach Studienbeginn startet für sie das zweiwöchige Projektseminar „Einführung in den Maschinenbau“, kurz emb. Dazu ruht sogar der komplette Semesterbetrieb im Fachbereich Maschinenbau. Denn die helfenden Hände aller Professoren und ihrer Mitarbeiter sind gefragt. Und nicht nur diese: Auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Studierende aus den Bereichen Psychologie, Pädagogik und Sozialwissenschaften unterstützen die Projektwoche. Denn die angehenden Maschinenbauer sollen neben fachlichem Know-how auch Sozialkompetenz erlernen.

Dabei ist das Programm mit einem Stundenplan von morgens 8 Uhr bis mindestens 17 Uhr straff, denn schließlich geht es darum, ein komplettes Lösungskonzept zu erarbeiten und am Ende einem Expertengremium vorzustellen. Die Aufgaben reichen von der Konstruktion einer Meerwasserentsalzungsanlage über den Bau einer Windkraftanlage bis hin zum Bau einer Kaffeemaschine als Baukastensystem für Gastronomiebetriebe. „Die Projekte berühren meist ein soziales, ökologisches oder technisches Problem. Dabei ist es unser Ziel, den Studienanfängern die gesellschaftliche Relevanz des Maschinenbauingenieurs zu vermitteln“, erklärt Manfred Hampe. Der Professor für Thermische Verfahrenstechnik war einer der Initiatoren, der das Projektseminar im Jahr 1998 ins Leben rief. „Dennoch war ich mir damals nicht sicher, dass das Projektseminar wirklich zum Erfolg führt“, räumt Hampe ein. Schließlich sollten junge Menschen, die gerade mal die ersten Vorlesungen in Technischer Mechanik belegt haben, Maschinen konstruieren. Wie sollte das gehen? Doch die Studienanfänger überzeugten Hampe – und zwar durch ihren Erfolg. Bis heute hat sich daran nichts geändert.

Was sich jedoch geändert hat, ist, dass das Projektseminar seit zwei Jahren – mit der Umstellung des Studienganges auf Bachelor-Master – für jeden Erstsemester-Studenten Pflicht ist. Und das hat seinen guten Grund, denn die TU konnte zwar seit der Einführung der Projektwoche die Studienabbrecherquote deutlich senken. Noch bessere Ergebnisse erzielt die Hochschule jedoch, seitdem die Projektwoche für jeden Studienanfänger obligatorisch ist: „Die Quote derer, die bis zum vierten Semester durchhalten, ist von 78 % auf 94 % gestiegen“, erklärt Eberhard Abele. Der Professor für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen betreut das Projekt seit vielen Jahren.

Bisher sind die Darmstädter bundesweit die einzigen, die mit einer solchen Projektwoche ins Maschinenbau-Studium starten. Das könnte sich jedoch bald ändern, denn Vertreter der einen oder anderen deutschen Hochschule schielen bereits nach Darmstadt. Ihr Problem: Sie haben im Fachbereich Maschinenbau noch immer mit Abbrecherquoten von rund 50 % zu kämpfen. So sendete kürzlich die Fachhochschule Aachen eine Professorin aus, um das Projektseminar unter die Lupe zu nehmen.

Während die anderen Hochschulen noch prüfen, ob ein solches Projekt für sie überhaupt machbar ist – immerhin bindet es erhebliche Kapazitäten und verschlingt mal eben die Summe für den Kauf eines Porsches – blickt das Team rund um Professor Hampe bereits auf elf erfolgreiche Jahre zurück. Die Frage nach dem Erfolgsrezept wird deswegen auch prompt beantwortet: „Wir versuchen, die Aufgabe so real wie möglich zu gestalten, indem wir, wie ein Kunde eines Entwicklungs- und Konstruktionsdienstleisters, höchste Ansprüche an das zu entwickelnde Produkt stellen, ohne dabei den Lösungsraum zu beschränken. Dadurch geben wir den Teilnehmerinnen und Teilnehmern direkt zu Beginn ihres Studiums einen Einblick in die anspruchsvolle Arbeitswelt eines Ingenieurs im Spannungsfeld zwischen Zeit, Kosten, Qualität und gutem Benehmen. Für einige Studenten wird das zur wesentlichen Motivation, um die schwierigen ersten Semester zu überstehen“, weiß Mario Dewald. Der Doktorand betreut die Einführungsveranstaltung seit mehreren Jahren.

Und noch etwas: „Mit der Projektwoche verhindern wir, dass sich Studierende erst nach zwei und mehr Semestern darüber klar werden, dass sie etwas studieren, das ihnen gar nicht liegt.“

So brüteten auch im Dezember letzten Jahres wieder über 450 Erstsemester über einer Konstruktionsaufgabe. Nicht alle elfköpfigen Teams konnten am Ende mit einer Top-Präsentation brillieren, aber alle haben den ersten Schritt zum Maschinenbauingenieur mit Bravour gemeistert: „Unter realen Bedingungen ein solches Projekt im Team zu stemmen, hat mich total motiviert und auch ein bisschen stolz gemacht. Wir kamen uns vor wie kleine Ingenieure“, meint der Student Marcel Kroneisz.

Das bringt Dewald zum Schmunzeln. Denn genau das hört er am liebsten von seinen Schützlingen. Und eine dicke Portion Motivation werden die 451 Erstsemester für die anstehenden Abschlussprüfungen des Wintersemesters zweifelsohne brauchen. Dewald: „Der Lernstoff ist trocken, aber auch hier hilft das Projektseminar. Denn als Einzelkämpfer muss sich keiner mehr beweisen. Durch Teamarbeit kann man auch beim Lernen viel gewinnen.“ jul

Von Julia Schlingmann
Von Julia Schlingmann

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