Olympia in Sotschi 11.02.2014, 12:55 Uhr

Sotschi-Seilbahn von Doppelmayr kann im Notfall Autos transportieren

Der österreichische Seilbahnspezialist Doppelmayr hat für die Olympischen Spiele in Sotschi eine Anlage gebaut, die sogar Mannschaftswagen transportieren kann. Das ist wichtig, wenn die Zufahrtsstraße wegen Lawinengefahr gesperrt werden muss. Russland konnte somit den Bau einer Alternativroute für rund eine Milliarde Euro vermeiden.

Doppelmayr hat die olympischen Skigebiete in Rosa Khutor durch eine Dreiseilbahn erschlossen, die so stabil ist, dass sie in Notfällen sogar Autos transportieren kann. Dadurch wurde eine weitere Straßenerschließung des Gebietes vermieden, die rund eine Milliarde Euro gekostet hätte.

Doppelmayr hat die olympischen Skigebiete in Rosa Khutor durch eine Dreiseilbahn erschlossen, die so stabil ist, dass sie in Notfällen sogar Autos transportieren kann. Dadurch wurde eine weitere Straßenerschließung des Gebietes vermieden, die rund eine Milliarde Euro gekostet hätte.

Foto: Doppelmayr

Rund um die Olympischen Spiele in Sotschi ist massenhaft Rekordtechnik im Einsatz, die der Fernsehzuschauer nie zu Gesicht bekommt. Dazu zählt auch die schnellste und längste Dreiseilbahn der Welt, die 3S Psekhako des österreichischen Herstellers Doppelymayr. Sie ist 5,4 Kilometer lang und bringt Biathleten und Langläufer derzeit mit einer Geschwindigkeit von 8,5 Metern pro Sekunde zu ihren Wettkampfstätten ins Skigebiet Laura. Mit dem Aufbau waren 40 Monteure und Techniker die vergangenen Monate beschäftigt. 3S Psekhako war aber nicht ihr einziges Projekt.

Seilbahn dient im Notfall als Transportweg für Mannschaftswagen

Die Mitarbeiter von Doppelmayr haben auch eine Dreiseilbahn im Skigebiet Rosa Khutor gebaut, die weitere Rekorde knackt. Mit einer Stundenkapazität von 4500 Personen pro Richtung ist sie nicht nur die leistungsstärkste Seilbahn der Welt. Sie ist zudem so konzipiert, dass sie an den Seilen sogar Autos transportieren kann.

Das hat folgenden Grund: Das Olympische Komitee verlangt von Russland, dass Mannschaftswagen die Wettkampfstätten auf mindestens zwei Transportwegen erreichen können müssen. Zum Skigebiet Rosa Khutor führte allerdings nur eine einzelne Straße, die bei Lawinengefahr gesperrt werden muss.

„Wir haben es daher bei unserer Dreiseilbahn möglich gemacht, die Kabinen durch Transportplattformen für Autos zu ersetzen. Das hat Russland den Bau einer zusätzlichen Straße im Wert von rund einer Milliarde Euro erspart“, erklärt Ekkehard Assmann, Marketingleiter bei Doppelmayr, im Gespräch mit ingenieur.de. „Im Notfall lässt sich das System innerhalb einer Stunde auf den Autotransport umstellen.“ Einziger Wermutstropfen: Fahrer dürfen nicht im Auto sitzenbleiben.

Die Bahn ist insgesamt 3100 m lang und überwindet in rund 10 Minuten Fahrzeit rund 700 Höhenmeter. Für den Personentransport stehen 53 Kabinen, für den Autotransport 25 Spezialfahrzeuge zur Verfügung.

Doppelmayr-Mitarbeiter auf einem Stützpfeiler der Dreiseilbahn in Rosa Khutor. Die Anlage kann im Notfall sogar Autos und Mannschaftswagen in die Skigebiete transportieren. Dazu werden die Gondeln innerhalb einer Stunde abgekoppelt und durch Transportplattformen ersetzt.

Doppelmayr-Mitarbeiter auf einem Stützpfeiler der Dreiseilbahn in Rosa Khutor. Die Anlage kann im Notfall sogar Autos und Mannschaftswagen in die Skigebiete transportieren. Dazu werden die Gondeln innerhalb einer Stunde abgekoppelt und durch Transportplattformen ersetzt.

Foto: Doppelmayr

Neue Seilbahntechnik vereint Umlauf- und Pendelsystem

Dass die Dreiseilbahn in Rosa Khutor sogar Autos transportieren kann, wird durch eine neue Technik ermöglicht. Dazu muss man wissen, dass man bei Seilbahnen generell zwischen Umlaufsystemen und Pendelsystemen unterscheidet. Bei Umlaufsystemen fahren Gondeln an einem einzelnen Seil im Kreis, bei Pendelsystemen werden sie auf einer Seite von einem Zugseil über zwei Tragseile hin- und hergezogen.

Doppelmayr hat nun die Vorteile beider Systeme miteinander verknüpft und eine Umlaufbahn gebaut, die trotzdem mit drei Seilen arbeitet. „Das System erlangt dadurch nicht nur eine höhere Windstabilität. Wir erreichen auch eine viel größere Spannfeldlänge, das ist der Abstand zwischen den einzelnen Stützen“, sagt Assmann. „Das wäre mit einem einzelnen Seil unmöglich zu realisieren gewesen.“ Und nur deswegen kann die Anlage im Notfall selbst tonnenschwere Pkw transportieren.

Sotschi sorgt bei Doppelmayr für Rekordumsätze

Bei Doppelmayr sorgen die Olympischen Spiele in Sotschi für einen Umsatzsprung. Insgesamt hat das Unternehmen 35 Bahnen für die Olympischen Spiele gebaut und so den Umsatz im Geschäftsjahr 2012/2013 um 27 Prozent auf 795 Millionen Euro gesteigert. Das Betriebsergebnis stieg dabei von 69,3 auf 90,5 Millionen Euro.

Die Seilbahn Rosa Khutor vor dem Freestyle-Gelände der Olympischen Spiele in Sotschi: Doppelmayr hat 35 Bahnen für Olympia geliefert. Die Steuerungstechnik lieferte Pilz aus Deutschland.

Die Seilbahn Rosa Khutor vor dem Freestyle-Gelände der Olympischen Spiele in Sotschi: Doppelmayr hat 35 Bahnen für Olympia geliefert. Die Steuerungstechnik lieferte Pilz aus Deutschland.

Foto: Pilz

Und auch im laufenden Geschäftsjahr sowie den Jahren darauf werde Russland „Teil unseres Umsatzes sein“, sagt Finanzvorstand Hanno Ulmer in einem Bericht des österreichischen Wirtschaftsblatts. Schließlich würden einige Projekte in Sotschi erst noch abgerechnet. Zusammengerechnet liegt das Volumen der Sotschi-Aufträge „zwischen 200 und 300 Millionen Euro.“

Aber nicht nur der österreichische Weltmarktführer im Markt für Seilbahnen profitiert von Sotschi. Bei der Steuerungstechnik der Seilbahnanlagen arbeitet Doppelmayr mit dem deutschen Unternehmen Pilz aus Ostfildern zusammen. Alle 35 Bahnen in den um Krasnaja Poljana liegenden Skigebieten Rosa Khutor, Alpika Service und Laura wurden von Doppelmayr mit deutscher Steuerungstechnik ausgerüstet. 

Von Patrick Schroeder

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