Rohre aus dem Ruhrgebiet 11.02.2014, 09:10 Uhr

Schwimmende Wasserleitung versorgt Nordzypern mit Wasser aus der Türkei

Über eine im Mittelmeer schwimmende Wasserleitung will die Türkei den Norden der Insel Zypern vom Festland aus mit Trinkwasser versorgen. Die Leitung ist rund 80 Kilometer lang und wird in 250 Metern Tiefe schweben. Die Rohre für diese ungewöhnliche Leitung liefert der Salzgitter-Konzern.

Prüfung von Stahlrohren bei der Salzgitter Mannesmann Forschung: Das Röhrenwerk in Mülheim an der Ruhr hat die Rohre geliefert, die ab dem Frühjahr Nordzypern mit Trinkwasser aus der Südtürkei versorgen. Die Leitung wird schwebend im Meer verlegt.

Prüfung von Stahlrohren bei der Salzgitter Mannesmann Forschung: Das Röhrenwerk in Mülheim an der Ruhr hat die Rohre geliefert, die ab dem Frühjahr Nordzypern mit Trinkwasser aus der Südtürkei versorgen. Die Leitung wird schwebend im Meer verlegt.

Foto: Salzgitter Mannesmann Forschung

Wasserleitungen vom Festland zu einer Insel im Meer gibt es in weiten Teilen der Welt. In der Regel liegen die Wasserrohre auf dem Meeresboden. Eine Leitung, die dagegen im Meer rund 250 Meter unter der Meeresoberfläche schwimmt, ist etwas Neues. Der deutsche Salzgitter-Konzern hat diese Leitung zwischen der südlichen Türkei und dem Norden der Insel Zypern gebaut. In wenigen Monaten soll die Leitung, die seit März 2012 in Bau ist, in Betrieb gehen.

80 Kilometer lange Wasserleitung schwebend im Mittelmeer

Die Trinkwasser-Pipeline verlässt die Türkei nahe der Stadt Anamur und landet auf Zypern unweit der Stadt Girne in der Nähe der Großstadt Nikosia. Versorgen soll sie nicht nur die Menschen in Nordzypern, sondern auch der Landwirtschaft genügend Wasser liefern. Jährlich sollen 75 Millionen Kubikmeter Frischwasser aus dem Alaköprü-Stausee in der türkischen Provinz Mersin über insgesamt 107 Kilometern den Geçitköy-Stausee in Nordzypern füllen. 38 Millionen Kubikmeter sind für die Trinkwasserversorgung eingeplant, 37 Millionen Kubikmeter für die Landwirtschaft.

Wegen der großen Wassertiefe des Meeres von bis zu 1400 Metern zwischen der Insel und dem Festland kam eine auf dem Meeresboden liegende Leitung nicht infrage.  Eine an der Meeresoberfläche schwimmende Leitung wäre ein Hindernis für die Schifffahrt und Fischerei gewesen und hätte durch interntionale Gewässer ohnehin nicht gebaut werden dürfen. Also fiel die Entscheidung zugunsten einer Leitung, die zwischen 250 und 300 Metern unterhalb der Wasseroberfläche „schwimmt“.

Leitung muss in der gewählten Wassertiefe fest stabilisiert werden

Dabei ist es unumgänglich, die Wasserleitung in der gewählten Wassertiefe zu stabilisieren, weil die Kunststoffrohre voller Trinkwasser leichter sind als das sie umgebende Salzwasser und daher starke Auftriebstendenzen aufweisen. Die Stabilisierung geschieht mittels Stahlseilen, die an den Rohrbögen und am Meeresgrund oder teilweise auch an Ankerbojen befestigt sind. Die Rohrbögen und ihre Anker weisen ein hohes Gewicht auf, das ein Aufsteigen der Leitung verhindert. Die Rohrbögen dienen als Anker- und Verbindungsstücke der Wasserleitung.

Ungewöhnliche Kombination von Rohren aus Stahl und aus Kunststoff

Ungewöhnlich an der türkisch-zypriotischen Wasserleitung ist auch die Kombination von Stahl und Kunststoff. Die stählernen Rohrbögen verbinden jeweils 500 Meter lange Kunststoffrohre, die aus Äthylen gefertigt worden sind. Die Stahlrohre haben einen Außendurchmesser von 60 Zoll oder immerhin rund 1,50 Metern.

Gefertigt sind diese Rohre von Salzgitter in deren Großrohrwerk in Mülheim an der Ruhr. Beteiligt an dem Vorhaben ist auch die Salzgitter Mannesmann Forschung, die für die Dehnungsmessungen und damit die zu erwartende Beanspruchung der Rohre bei laufendem Betrieb verantworlich ist. 

Die 130 stählernen Rohrelemente weisen eine Wandstärke von 20 Millimetern auf. Die einzelnen Stahlrohre werden in einem Salzgitter-Rohrbiegewerk induktiv gebogen und mit Ankerblechen und Flanschen versehen. Hauptauftragnehmer ist Salzgitter Mannesmann International.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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