Branchenübersicht 10.04.2009, 19:40 Uhr

Quo vadis, Maschinenbau? Chancen in der Krise  

Der Auftragseingang im Maschinen- und Anlagenbau ist um die Hälfte eingebrochen. Doch es gibt innerhalb der Branche Industrien, die wachsen. Andere brechen völlig ein. Weil der Trend zur höheren Qualifikation ungebrochen ist, dürften Ingenieure relativ ungeschoren durch die Krise kommen. Unternehmen, die an ihren Entwicklungsprojekten festhalten, stellen sogar neue ein. VDI nachrichten, Ellwangen, 9. 4. 09, cha

Seit Jahren geht der Bierkonsum der Deutschen zurück, und zwar um rund ein Drittel seit 1980 auf zuletzt knapp 110 l pro Person im Jahr. Deshalb fand in den vergangenen Jahren eine große Fusionswelle statt, die den schwierigen Markt bereinigen sollte. Auf dem Weg der Besserung erwischte die Brauereien dann die Krise und mit ihr die Hersteller von Brauereianlagen. Im Brauereigeschäft hat die GEA Group deshalb Kurzarbeit eingeführt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bochum entwickelt und baut unter anderem Spezialmaschinen für die Nahrungsmittelindustrie, Energiewirtschaft, Chemie, Pharma sowie den Schiffsbau.

Bei GEA geht es immer um den Wärme- und Stoffaustausch. Das ist die Grundtechnologie, die für die verschiedenen Industrien angewandt wird. Sei es, dass Wasser von Öl oder Milch von Enzymen getrennt oder dass Lebensmittel und Getränke gekühlt werden: Oft sind die Verfahren mit geringen Modifikationen auf andere Industrie übertragbar. Zum Glück für die gut 1000 Ingenieure. „Bei uns sind 70 % der Produkte jünger als drei Jahre. Wir leben von den Innovationen“, sagte Jürg Oleas, Vorsitzender der GEA Group. Deshalb will das Unternehmen möglichst alle Ingenieure behalten. Reimar Gutte ist einer von ihnen (siehe Porträt auf S. 14).

Der Maschinen- und Anlagenbau ist gemessen an den rund 6000 Unternehmen und 935 000 Beschäftigten die größte Branche Deutschlands und mit gut 150 000 Arbeitsplätzen für Ingenieure bedeutendster Arbeitgeber für Ingenieure.

Die Branche ist stark mittelständisch geprägt. Fast 90 % der Unternehmen beschäftigen weniger als 250 und nur 2 % mehr als 1000 Mitarbeiter. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen haben sogar weniger als 100 Beschäftigte.

Oft sind die Geschäftsführer in solchen Betrieben vom Fach, sprich ausgebildete Ingenieure, die sich mit ihrem Produkt bestens auskennen. Seit Jahren ist die Branche Exportweltmeister. Rund zwei Drittel des Maschinen- und Anlagenbauumsatzes wird im Ausland generiert.

Fast die Hälfte der im Maschinen- und Anlagenbau beschäftigten Ingenieure arbeitet in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Konstruktion, ein Fünftel im Vertrieb und jeder zehnte in der Produktion. Jeder zweite hat Maschinenbau studiert, dann folgen Elektrotechnik (19 %) und Wirtschaftsingenieurwesen (8 %) vor der Verfahrenstechnik (7 %).

Junge Ingenieure steigen nach ihrem Studium mit durchschnittlich rund 40 000 € in der Branche ein. Damit liegt die Branche bei den Einstiegsgehältern auf dem vierten Platz hinter der Chemie- und Pharmaindustrie (42 400 €), der Energieversorgung (42 300 €) und dem Fahrzeugbau (41 900 €). Diese Angaben beruhen auf den Daten von rund 2400 Berufseinsteigern, die Mitte 2008 am Gehaltstest von Ingenieurkarriere.de teilnahmen. Innerhalb der einzelnen Bereiche des Maschinen- und Anlagenbaus dürften die Einkommen allerdings anhand ihrer wirtschaftlichen Situation variieren.

„Den Bereichen Druck- und Textilmaschinen geht es schon seit Längerem nicht gut“, weiß Susanne Krebs. Entsprechend sei der Rückgang an Fachingenieuren, von denen es ohnehin nicht viele gebe. Krebs ist zuständig für den Arbeitsmarkt im Referat Volkswirtschaft beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) in Frankfurt am Main. Nach ihren Angaben ist jeder in der Branche von der Krise betroffen. „Man kann aber sagen: Mit steigender Qualifikation sinkt die Gefahr vor Entlassungen.“

Die besteht derzeit zweifellos. Denn der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau lag im Februar 2009 um etwa die Hälfte unter dem Ergebnis des Vorjahres. Für das Gesamtjahr rechnet der VDMA mit einem Produktionsrückgang, der zwischen 10 % und 20 % liegen soll.

Dennoch: Die Chancen, dass auch Ingenieure von der Hochschule oder die, die wechseln wollen, einen Job finden, sind nicht ganz hoffnungslos. Zum einen besteht immer Ersatzbedarf, andererseits gibt es in der Branche Zweige, die zwar auch unter dem Einbruch leiden, aber im Vergleich zu anderen vergleichsweise gut dastehen. „Das sind Unternehmen aus den Bereichen alternative Energien, der Umwelt- und Verfahrenstechnik“, zählt Krebs auf. Nach einer Befragung des Ifo-Instituts im Februar 2009 plant nur 1 % aller Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, seinen Mitarbeiterbestand in diesem Jahr aufzustocken, die Mehrzahl stagniert, andere bauen ab.

Der Motorsägenhersteller Stihl in Waiblingen beispielsweise gehört zu den wenigen Unternehmen, die derzeit Ingenieure suchen. „Fast 20 neue Ingenieurstellen haben wir in diesem Jahr schon besetzt, mindestens zehn weitere werden bis zum Jahresende hinzukommen“, prognostiziert Personalleiter Markus Dörle.

Gesucht würden vor allem Maschinenbauer und alle Stellen seien auf der Homepage ausgeschrieben. „Wir sind ein innovatives und unabhängiges Familienunternehmen, mit mittel- und langfristig angelegten Entwicklungsprojekten. Dadurch entsteht der Kapazitätsbedarf“, begründet Dörle.

In der Entwicklung bei Stihl arbeiten rund 400 Beschäftigte, die meisten davon sind Ingenieure. Seit Jahren steigt bei Stihl die Ingenieurquote, während die gewerblichen Mitarbeiter weniger werden. PETER ILG

Von Peter Ilg
Von Peter Ilg

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