Maschinenbau 05.02.2010, 19:44 Uhr

Produktionsexperten halten Augen für künftige Investitionen offen  

Vorsichtiger Optimismus auf der Basis niedriger Erwartungen kennzeichnet den Maschinenbau im Norden. Das hat die Hamburger Messe „Nortec“ vorige Woche gezeigt. Das Interesse an neuen Lösungen war zu erkennen. Nun hofft die Industrie auf eine steigende Investitionsbereitschaft. VDI nachrichten, Hamburg, 5. 2. 10, ciu

Den Norddeutschen komme dabei zugute, dass sie häufig für hoch spezialisierte und weniger von der Krise betroffene Branchen wie die Medizintechnik oder die Luftfahrtindustrie arbeiten, bestätigt der Geschäftsführer des VDMA-Nord, Dr. Jörg Mutschler.

Traditionell zeigte sich die Nortec eher als Kontaktbörse und weniger als eine Verkaufsveranstaltung. „Hier hat man Zeit, Kundenbeziehungen zu pflegen und auszubauen“, meinte Schäkel. Lars Reeder, Geschäftsführer der Hein & Oetting Feinwerktechnik GmbH, befand: „Auf dieser Messe hat man die Krise nicht gespürt. Vielleicht liegt das auch daran, dass hier die Fachleute hinkommen, die nach vorne gucken. Auf unserem Stand hatten wir eine schöne Mischung aus Stammkunden und interessanten neuen Kontakten.“

Auffallend ist in Hamburg die hohe Zahl an Praktikern und Anwendern unter den Besuchern. Sie gelten für viele Verkäufer als der eigentliche Motor von Investitionsentscheidungen, weil sie die praktischen Erfordernisse ihrer Unternehmen kennen. Friedhelm Steiger, Gebietsverkaufsleiter Index Traub, lobte neben der Kontaktpflege vor allem die Möglichkeit, seinen Kunden die neuesten Maschinen und technischen Entwicklungen vorführen zu können. „Auf der Nortec sind die Präsentationsmöglichkeiten weit besser als beim Kunden vor Ort“, erklärt er.

Peter Ritter, Geschäftsführer von DMG, Bielefeld, freute sich vor diesem Hintergrund über mehr als 5 % neuer Kontakte: „Das ist für uns sehr viel, denn eigentlich kennen wir unsere Kunden.“ Doch während Ritter einen Auftragseingang im Volumen von 5 Mio. € und damit auf dem Niveau von 2008 vermelden konnte, blieb es für viele andere Aussteller zunächst bei ersten Gesprächen: „Wenn man mit keinen oder geringen Erwartungen auf die Messe kommt, ist das schon sehr viel“, lautete vielfach das Urteil. Allerdings waren vereinzelt auch Stimmen zu hören, die von „katastrophal leeren Gängen“ sprachen.

Typische Details für die Lage des Maschinenbaus im Norden spiegeln sich auch in den Erfahrungen von Dirk Schade wider, der auf der Suche nach potenziellen Geschäftskontakten die „Nortec“ durchstreifte. Der 41-Jährige ist Junior-Chef von Schade-Maschinenbau in Wildeshausen bei Bremen und hat sich als Auftragsfertiger auf den Bau großer und schwerer Maschinenteile oder ganzer Anlagen spezialisiert. Wie viele andere Ausstellungsbesucher ließ sich Schade bei seinem Messebesuch nicht von einem gezielten Interesse leiten, sondern schaute sich nach dem um, „was wir vielleicht gebrauchen könnten – hier eine Anwendung, dort ein Werkzeug.“

In den Gesprächen an vielen Ständen spürte er zum einen eine Art Zweckoptimismus nach dem Motto: „Schlimmer kann es eigentlich nicht mehr werden.“ Zum anderen hat er auch im eigenen Unternehmen registriert, was insbesondere die kleineren unter den Nortec-Ausstellern von sich sagen: „Die Zahl der Anfragen nimmt wieder zu.“

Allerdings, so sagt Schade: „Zwischen den Anfragen und einem Auftrag vergeht sehr viel Zeit.“ Und noch immer sei das Verhältnis zwischen der Zahl der Angebote und derjenigen der Aufträge nicht besonders gut. Schade bestätigt zudem eine weitere Entwicklung, von der auch andere Unternehmer auf der Messe sprachen: „Immer häufiger fallen Investitionsentscheidungen sehr kurzfristig. Wenn es tatsächlich zu einem Auftrag kommt, bleibt häufig nur wenig Zeit für seine Umsetzung.“

Ähnliche Beobachtungen machte auch der Gründungsvater der Nortec, Maximilian Klumpp. Obwohl er inzwischen aus dem aktiven Unternehmeralltag ausgeschieden ist, hält er engen Kontakt zu seinen früheren Kollegen. Nach dem Rundgang mit dem Enkelsohn über die Messe kam er zu dem Schluss: „Wir haben wieder Chancen. Aber es muss an vielen Stellen noch etwas in Bewegung kommen.“ W. HEUMER

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