Produktion 18.01.2013, 12:09 Uhr

Präzisionswerkzeug-Hersteller wollen auch 2013 gut abschneiden

Neue Rekordzahlen werden zwar nicht erwartet. Dafür aber rechnen die deutschen Präzisionswerkzeugbauer mit einem stabilen Absatz bei der weltweiten Kundschaft. Zudem eröffnet die Bearbeitung von Faserverbundwerkstoffen neue Marktchancen, wie vergangenen Dienstag in Frankfurt am Main zu hören war.

„Nach dem Rekordjahr 2012 erwarten wir für die kommenden elf Monate eine stabile Geschäftslage“, sagte Lothar Horn, Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) und Chef der Hartmetall-Werkzeugfabrik Paul Horn in Tübingen am 15. Januar auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt. Er fügte hinzu: „Große Ausschläge nach oben oder unten zeichnen sich bislang nicht ab.“

Gestiegene Automobilproduktion beschert Werkzeugherstellern einen Umsatzrekrod

Im Jahr 2012 konnten die deutschen Werkzeughersteller laut VDMA mit 8,8 Mrd. € wieder einen Umsatzrekord aufstellen und verzeichnen ein Plus von 6 % gegenüber 2011. Die Schlüsselbranche profitierte dabei im vergangenen Jahr insbesondere von der weltweit gestiegenen Automobilproduktion, die 2012 um 7 % zulegen konnte, und von der positiven Entwicklung im Maschinenbau, der seinen Umsatz um rund 4 % steigerte. Mit einem Plus von 24 % stiegen die direkten Exporte in die USA vergangenes Jahr auf 444 Mio. €. Damit überholten die USA den Spitzenreiter China und nahm den angestammten Platz als größtes Kundenland wieder ein, so die Branchenexperten in Frankfurt.

„Sogar der Export in die EU-27-Staaten stieg trotz Eurokrise um sagenhafte 17 % gegenüber 2011. Hauptgrund dafür dürften große Automobilprojekte gewesen sein“, freute sich Horn in Frankfurt. Für 2013 zeichne sich damit eine ruhige Konjunkturlage ab. Auf der einen Seite sei in wichtigen Kundenbranchen nur ein geringes Produktionswachstum zu erwarten. Auf der anderen Seite gebe es aber weiter Modernisierungs- und Verlagerungsprojekte.

Unsicherheit verbreiten für ihn allerdings Rahmenbedingungen, die sich dem Einfluss von Unternehmen und Verbänden entziehen: „Da ist beispielsweise die europäische Schuldenkrise und die wirtschaftlichen Auswirkungen auf europäische Kundenländer und Kundenbranchen wie die Automobilindustrie. Es geht aber auch um die Währungsschwankungen des Euro.“

Und mittlerweile sind laut VDMA Faserverbundwerkstoffe in der Luftfahrt und im Automobilbau in der Großserie angekommen, wie in Frankfurt zu hören war: „Optimistischen Schätzungen zufolge steigt die Nachfrage nach hochfesten und extrem leichten Teilen derzeit jährlich um 17 %. Damit ist auch die Zerspanung von Composites weiterhin ein heißes Thema, das die Entwicklungsabteilungen der deutschen Werkzeughersteller auf Trab hält“, prognostizierte Branchenexperte Horn.

Mit Sicherheit münde der Hype um diese Materialverbünde früher oder später in eine evolutionäre Entwicklung. Und nicht alles technologisch Mögliche werde auch in die Serie überführt: „Dazu sind die Fortschritte bei der Materialentwicklung in konkurrierenden Bereichen, beispielsweise bei hochfesten Stahlwerkstoffen und anderen Metallen zu groß. Und auch hier ergeben sich große Herausforderungen bei der Bearbeitung.“ Doch die Fortschritte bei der Zerspanung von Faserverbundwerkstoffen seien nach wie vor gewaltig: „Innerhalb eines Jahres konnte der Vorschub bei gleicher oder besserer Bearbeitungsqualität um rund 20 % gesteigert werden. Und das Ende der Fahnenstange ist damit noch lange nicht erreicht.“

Ein optimaler Prozess ist nur durch das Zusammenwirken von Präzisionswerkzeug und Werkzeugmaschine möglich

Der Beitrag der Präzisionswerkzeuge zur Produktion in der Fabrik der Zukunft kann auch für Dieter Kress, Geschäftsführender Gesellschafter von Mapal in Aalen, nicht hoch genug eingeschätzt werden. Dies gilt für ihn aus einer einfachen Analogie heraus: „Die Werkzeuge verhalten sich zur Werkzeugmaschine wie die Finger der Hand zum Arm“, betonte er gegenüber den VDI nachrichten. Es sei also nur durch das optimale Zusammenwirken von Präzisionswerkzeug und Werkzeugmaschine möglich, einen optimalen Prozess zu schaffen. Blicke man einige Jahre zurück, so sehe man, dass beide – Werkzeug und Werkzeugmaschine – in ihrer Entwicklung einander bedingen. Die unflexible und wenig wirtschaftliche Fertigung mit starren Sondermaschinen, bei der sehr viel Kühlmittel – bevorzugt Öl – im Einsatz war, sei von einer flexiblen und hochleistungsfähigen Produktion auf der Basis weitgehend standardisierter Bearbeitungszentren und der zugehörigen, effizienten Sonderwerkzeuge abgelöst worden.

Denn schon die Auswahl des passenden Bearbeitungswerkzeugs ist von enormer Bedeutung für die weitere Optimierung des Zerspanprozesses. Zu diesem Ergebnis kommt eine Gemeinschaftsstudie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie (IPT) in Aachen und des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen. Doch hier gibt es Nachholbedarf: „Die Mehrheit der befragten Unternehmen gab an, hier eher unsystematisch vorzugehen. Die Auswahl erfolgt wenig methodisch, vorhandenes Fachwissen der Mitarbeiter wird nicht immer ausgeschöpft oder dokumentiert. Dies kann die Prozessauslegung verzögern und zu hohen Kosten führen,“ warnt Marc Busch vom Fraunhofer IPT, der die Studie betreute und koordinierte: „Großen Bedarf sehen rund 80 % der Befragten deshalb für standardisierte Verfahren in der Prozess- und Werkzeugauslegung sowie Informationen über optimierte Werkzeuggeometrien und Beschichtungen.“

Zudem definieren fast alle befragten Unternehmen das Entwickeln neuer Kühlmittelstrategien als eine ihrer wichtigsten Aufgaben, um Zerspanprozesse zu verbessern. Werkzeugexperte Busch: „Erst wenn Kühlmittelstrategien wie die Minimalmengenschmierung, Hochdruck- und Kryogenkühlung perfekt auf die eingesetzten Zerspanwerkzeuge abgestimmt sind, können diese ihre volle Wirkung entfalten und Prozesse noch leistungsfähiger machen.“ Gehe es darüber hinaus um Systeme zur Prozessüberwachung beim Zerspanen, ständen Robustheit, Bedienerfreundlichkeit und Flexibilität ganz oben auf der Anforderungsliste für effektive Zerspanung.

Von Dietmar Kippels

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