Engineering 09.07.1999, 17:22 Uhr

Ohne Ampelstopp zum Mars und zurück

Was die Menschen im nächsten Jahrtausend bewegen wird, wie ihre Fahrzeuge konstruiert sein werden, präsentierten die sechs Gewinner des BMW Scientific Awards in München.

Der Konferenzsaal der Münchner Denkfabrik FIZ, dem Forschungs- und Ingenieurzentrum von BMW, präsentierte sich wie stets sachlich nüchtern. Doch für sechs Preisträger und die geladenen Gäste war der 29. Juni ein erinnerungswertes Ereignis: Verleihung des BMW Scientific Award “99. Um das Gesamtpreisgeld in Höhe von – umgerechnet – 140 000 DM bewarben sich Koryphäen aus aller Welt.
Diplom- und Doktorarbeiten von rund 130 Teilnehmern mußte die Jury sichten, bis sie drei Diplom- und drei Doktorarbeiten zum Thema „Innovationen für eine mobile Zukunft“ prämieren konnten. Sie gewähren einen vielversprechenden Ausblick darauf, was die Menschen im kommenden Jahrtausend bewegen wird.
An der Spitze der Arbeiten lag schließlich eine mit einem ziemlich langen Titel für einen ziemlich wichtigen Schritt in der Entwicklung extrem emissionsarmer Motoren: „Entwicklung und Anwendung eines laserinduzierten Fluoreszenzverfahrens zur quantitativen Bestimmung momentaner Stickoxidverteilungen in Verbrennungsmotoren“.
Mit diesem Laser-Verfahren lassen sich Konzentrationen der umweltbelastenden Stickoxide in Ottomotoren störungsfrei und unbeeinträchtigt messen. Das ermöglicht grundlegende Versuche an Ottomotoren, deren Ergebnisse direkt in der Motorenentwicklung umgesetzt werden können. Christof Schulz von der Universität Heidelberg erhielt dafür den 1. Preis in der Gruppe Dissertationen.
Den 2. Preis Dissertationen nahm Khurram K. Afridi vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) für „eine Methodik für den Entwurf und die Bewertung von fortschrittlichen Automobil-Bordnetzen“ mit in die USA. Diese Methode ist jetzt als Software unter dem Namen Maestro käuflich zu erwerben.
Das Programm Maestro kann die Entwicklungszeit für das Design eines elektronischen Systems von Monaten auf Stunden reduzieren und Kosten, Gewicht, Effektivität und Zuverlässigkeit von Konzepten optimieren. Faszinierend: Ursprünglich reichte dem jungen MIT-Studenten ein Windows-3.11-PC, um die Architektur und das Zusammenspiel elektronischer Komponenten eines Fahrzeuges simulieren und optimieren zu können.
Der 3. Preis Dissertationen ging an Bernhard Friedrich von der TU München für „ein verkehrsadaptives Verfahren zur Steuerung von Lichtsignalanlagen“. Ergebnis ist hier die Software Balance, die Friedrich mittlerweile als geschäftsführender Partner der Firma TransVer vermarktet.
Wer sich demnächst mal wieder über lange Wartezeiten an einer Verkehrsampel ärgert, empfehle seinem Stadtrat, sich diese Software anzusehen. Gegenüber herkömmlichen Verfahren verkürzt sie die Ampel-Wartezeiten des motorisierten Individualverkehrs um bis zu 15 %. Ab Sommer 1999 wird „Balance“ im neuen Stadtteil München-Riem etwa 25 Knotenpunkte ansteuern.
Auch bei den Diplomarbeiten wurde der 1. Preis für ein wortwörtlich heißes Thema in der Motorenentwicklung vergeben: „Untersuchungen zu thermomechanischen Eigenschaften von Precursorkeramik“.
Preisträger Benon Z. Janos von der RWTH Aachen bewies in seiner Arbeit, daß die – nach ihrem Herstellungsprozeß benannte – Precursorkeramik auch bei Temperaturen von über 1500 °C im Motorenbau einsetzbar ist. Beispiele für ihre kommerzielle Nutzung sind damit Turbolader-Rotoren, Dieselrußfilter oder auch vollkeramische Ein- und Auslaßventile. Die bessere Verbrennung und Abgasreinigung wird die Mitmenschen freuen.
Den 2. Preis Diplomarbeiten brachte die Arbeit „Fehlererkennung und Fehlerkorrektur zur Zylindergleichstellung eines Common-Rail-Dieselmotors“ ein.
Ein Schwachpunkt von Common-Rail-Dieselmotoren liegt in der ungleichmäßigen Einspritzung des Kraftstoffes in die einzelnen Zylinder durch Verschmutzung der mikrofeinen Düsenöffnungen. Die Folge sind erhöhtes Motorengeräusch und höhere Schadstoffemissionen. Harald Straky von der TU Karlsruhe hat ein Verfahren entwickelt, das über die vorhandenen Drehzahlwerte Fehler erkennt sowie eine adaptive Korrektur des Einspritzvorgangs und damit die gewünschte Zylindergleichstellung ermöglicht.
Visionär die Idee vom Gewinner des 3. Preises Diplomarbeiten. Die Vision einer bemannten Reise zum Mars gehört zu den größten technologischen Herausforderungen unserer Zeit.
Roger Förstner von der Universität Stuttgart hat eine regenerative Brennstoffzelle entwickelt, durch deren Einsatz aus der stark kohlendioxidhaltigen Marsatmosphäre Sauerstoff gewonnen und als Energie gespeichert werden kann. Diese Rückfahrkarte vom Mars brachte ihm die Auszeichnung ein. Im Jahr 2001 wird ein Prototyp dieser Brennstoffzelle auf einer unbemannten Raumsonde zum Mars fliegen.
Es wird kein BMW sein, der auf den Mars fliegt. Aber es wird ein BMW sein, der als erster eine Brennstoffzelle an Bord hat. Mit souveränem Weitblick bilanzierte BMW-Vorstandsmitglied Carl-Peter Forster denn auch vor dem kleinen Kreis: „Die Beschäftigung mit der Bedeutung von Innovationen ist für Unternehmen, aber auch jedes einzelne Entwicklungsteam die Basis für den Erfolg.“
Der BMW Scientific Award wird seit 1991 alle zwei Jahre an Hochschulabsolventen für herausragende Abschlußarbeiten rund um das Thema „Mobilität“ verliehen. Zur Jury gehören Experten aus Wissenschaft und Industrie. Dieses Jahr gehörten ihr an:

– Prof. Dr. Franz Pischinger, RWTH Aachen, Ehrenvorsitzender der Jury, – Curt Edfjäll, Leiter Controlling des Europäischen Patentamtes, – Detlef Frank, Leiter Wissenschaft und Forschung der BMW AG, – George Görtemöller, Managing Director des Netherlands Institute of Marketing, – Prof. Dr. Daniel T. Jones, Cardiff Business School der University of Wales, einer der Vordenker des Lean Managements, – Prof. Dr. Walter Keßler, Altpräsident der Fachhochschule München, – Prof. Dr. Henri Ménudier, Professor für deutsche Geschichte und Gesellschaft an der Pariser Sorbonne, – Prof. Dr. Schmitz-Justen, Leiter Sparte Werkzeug- und Anlagenbau der BMW AG, – Rudolf Schulze, Chefredakteur der VDI nachrichten, – Stefan Shillington, Chief Engineer Advanced Power Train Technology der Rover Group.

PETER WEIDENHAMMER
Das Bild fürs Fotoalbum: Die Gewinner des BMW Scientific Award mit Vorstand Carl-Peter Forster und Jury-Vorsitzendem Franz Pischinger.
Die Diplom-Ingenieure Harald Straky, Roger Förstner, Benon Z. Janos, BMW-Vorstand Carl-Peter Forster, Prof. Franz Pischinger, daneben die Doktoren Khurram K. Afridi, Christof Schulz und Berhard Friedrich.

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