70 Prozent Wasser einsparen 17.02.2014, 11:13 Uhr

Neue Waschmaschine wäscht mit Nylon

Das britische Unternehmen Xeros hat einen neuen Weg gefunden, wie Waschmaschinen mit einem Minimum an Wasser Kleidung reinigen können: Es setzt Polymer-Perlen ein, mit denen sich die herkömmlich benötigte Wassermenge für die Säuberung einer Ladung Schmutzwäsche um 70 Prozent reduzieren lässt. Laut Xeros handelt es sich dabei um die erste echte Waschmaschinen-Neuerung seit 60 Jahren.

Waschmaschine für den Hausgebrauch.

Waschmaschine für den Hausgebrauch.

Foto: Xeros

Der Ansatz für die neuartige Waschmaschine kam aus einer völlig anderen Richtung. Forscher an der britischen Universität von Leeds arbeiteten anfangs an einer neuen Methode, wie sich Farbstoffe besser in Stofffasern halten können. Dabei stießen sie darauf, dass sich dieser Prozess auch umgekehrt nutzen lässt, nämlich für die Schmutzbeseitigung.

Denn Farbstoffmoleküle verhalten sich grundsätzlich nicht anders als Schmutz. Chemiker Stephen Burkinshaw entdeckte insbesondere bei dem Polymer Nylon, dass diese Kunstfaser bei einem gewissen Feuchtegrad die Eigenart hat, Schmutzteilchen nicht nur zu binden, sondern regelrecht in sich aufzusaugen.

Das ist auch der Grund, warum weiße Nylonhemden nach einer gewissen Zeit grau werden. Die hohe elektrische Polarität des Polymers führt dazu, dass es Schmutzpartikel wie ein Magnet anzieht.

Maschine wäscht mit zwei Trommeln

Im Gegensatz zu den gängigen Waschmaschinen arbeitet das  neuartige Gerät mit zwei konzentrisch angeordneten Trommeln. Die innere Trommel wird mit der schmutzigen Wäsche, relativ wenig Wasser, Waschmittel (einem speziellen Xeros-Waschmittel) und mehr als einer Million Polymer-Kugeln beladen.

Die Textilien werden nur angefeuchtet und nicht in ein Wasserbad eingetaucht. Nachdem das Wasser die Flecken in der Kleidung leicht aufgelöst hat wird der Schmutz von den Kugeln gebunden und in ihnen förmlich aufgenommen. Am Ende des Waschgangs werden die Perlen aus der Wäsche durch Löcher in der Trommel geschleudert.  Von dort werden sie wieder in eine Art Auffangpumpe zurückgeführt. Die Kügelchen werden wiederverwertet und halten mehrere hundert Waschgänge.

Energie- und Waschmittelverbrauch um die Hälfte reduziert

Haushaltswaschmaschinen verbrauchen rund 50 Liter Wasser pro Waschgang. Kombinierte Waschmaschinen und Trockner machen im Durchschnitt 13 Prozent des Energieverbrauchs von Haushalten aus. Xeros Waschmaschinen brauchen nicht nur 70 Prozent weniger Wasser und bis zu 50 Prozent weniger Energie, sondern auch rund 50 Prozent weniger Waschmittel. Die Geräte waschen bei deutlich geringeren Temperaturen.

Die kleinen Kügelchenersetzten großen MengenWasser und sind wiederverwertbar.

Die kleinen Kügelchenersetzten großen MengenWasser und sind wiederverwertbar.

Quelle: Xeros

Hinzu kommt, dass Wasser mehr als eine Art Schmiermittel dient. Da nur wenig Waschmittel gebraucht wird, muss die Wäsche auch deutlich weniger gespült werden. Aufgrund der chemischen Eigenschaften des Polymers, verhindert es auch das Verfärben von Kleidungsstücken. Das bedeutet, dass Bunt- und Weißwäsche zusammen gewaschen werden kann.

Xeros startet mit Maschinen für Privathaushalte in USA

Bislang hat das britische Unternehmen kommerzielle Versionen der Waschmaschinen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten an Reinigungen und Hotels verkauft. Inzwischen ist Xeros aber soweit,  um mit der vollen Produktion der Maschinen zu beginnen und will dafür frisches Kapital aufnehmen.

Den Start will man dabei in Amerika machen, wo die Waschmaschinen in den Privathaushalten größer sind. Für das Verfahren mit Polymer-Perlen müssen die Geräte eine größere Trommel und auch mehr Raum nach oben und unten haben, um die Kügelchen zirkulieren zu lassen. Xeros arbeitet allerdings bereits an der Entwicklung einer kleineren Maschine. Der Markt für kommerzielle Waschmaschinen wird auf 30 Milliarden Dollar bewertet und der Markt für private Maschinen auf 100 Milliarden Dollar. Die Technologie soll sich für diverse andere Anwendungen eignen, so unter anderem auch für das Waschen von Leder.  Xeros arbeitet diesbezüglich bereits mit der Universität Northampton zusammen.

 

Von Peter Odrich

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