Engineering 21.06.2002, 18:20 Uhr

Mittelstand profitiert von Konstruktion in 3D

Lange Zeit machten gerade kleinere Firmen einen Bogen um 3D-CAD-Software. Dass die alten (Vor)Urteile zu den Akten gelegt werden können und erschwingliche 3D-Systeme den Weg zum Internet-Engineering ebnen, belegt die Konstrukteursmesse CAT Engineering 2002 vom 18. bis zum 21. Juni in Stuttgart.

Aussteller der heute zu Ende gehenden Fachmesse CAT kennen den Missstand: Erst 21 % aller deutschen CAD-Arbeitsplätze sind mit 3D-CAD-Software ausgestattet (VDI nachrichten, Ausgabe 23/02, Seite 12). „Dabei ist Konstruktion in 3D die beste Voraussetzung für Collaboration Engineering, die Produktentwicklung im Team per Internet“, so Niels Göttsch, vom Marketing bei EDS PLM Solutions in Langen. Etliche Unternehmen speziell aus dem Maschinen- und Anlagenbau seien eher konservativ eingestellt und arbeiteten weniger mit anderen Firmen zusammen, wie dies etwa bei den Automobilbauern und deren Zulieferern schon lange der Fall sei. Es hänge sehr viel davon ab, die Nutzenargumente von 3D-CAD besser an die Führungsebene in den Firmen zu vermitteln. „Die Systemhäuser müssen Entscheider mehr für dieses Thema sensibilisieren und die Querschnittsfunktion von 3D-CAD aufzeigen.“
Einen Weg aus der gegenwärtigen „3D-Abstinenz“ kennt auch Gerd Flassig, Geschäftsführer der Dortmunder ISD Software und Systeme GmbH: “ Anwender müssen frei entscheiden können, mit welcher Konstruktionsmethodik sie arbeiten.“ Von daher müssten die Systeme 2D/3D-Durchgängigkeit haben. Wichtig für den Dortmunder CAD-Experten: „Motivation und Akzeptanz entstehen dort, wo kein Zwang aufkommt.“
Entsprechend diesem Ansatz präsentierte ISD in Stuttgart ihre Branchenlösung „Hicad Next“. Das System, so seine Entwickler, stelle dem Anwender alle konstruktionsrelevanten Informationen transparent zur Verfügung. „Das Bedienkonzept ist durchgängig für alle Branchenmodule konzipiert und verringert so den Schulungsaufwand auch für selten genutzte Module“, erläutert Günther Flassig. Beliebig viele individuell gestaltete Ansichten könnten definiert werden und stünden auf Knopfdruck zur Verfügung. Dies gelte sowohl für 2D- als auch 3D-Bauteile. Und mit der Integration des PDM-Systems Helios seien alle Teilestammdateninformationen direkt abrufbar.
„Um 2000 herum waren viele Firmen damit beschäftigt, ihre Kommunikationslandschaft in Richtung Internet und Intranet zu optimieren“, liefert Gebietsverkaufsleiter Armin Haslinger von Cocreate in Sindelfingen einen weiteren Erklärungsansatz für den mangelnden 3D-Einsatz. Allerdings würde das Thema 3D-Umstellung jetzt verstärkt angegangen – vor allem mit Blick auf den Trend zur Collaboration, also dem Engineering per Internet.
Andreas Spieler, Produktmanager bei Solidworks in Unterhaching, kennt noch andere Gründe, die zu K.O.-Argumenten für 3D-Software speziell in mittelständischen Firmen wurden: „Vor einigen Jahren waren die Preise für kleinere Unternehmen nicht attraktiv. Auch die Hardware passte nicht ins Budget.“ Zudem habe die Komplexität viele Mittelständler abgeschreckt. „Sie befürchteten einen zu hohen Produktivitätsausfall beim Übergang vom bewährten, zwar nicht optimalen 2D-System, auf 3D-Technik.“
Heute sehe dies anders aus – vom Preis über die Funktionalität bis hin zum Interneteinsatz. Dafür stehe laut Solidworks auch die webbasierte Lösung „Teamworks“. Dabei handele es sich um eine hostgebundene Anwendung, über die Ingenieure jederzeit Zugang zu Konstruktionsdaten erhalten. Die Daten, die zentral auf einem Server gespeichert würden, müssten dabei nur einmal übertragen werden und stünden über den „Edrawing Viewer“ unmittelbar nach der Übertragung zur Verfügung. „Nach einer kurzen Benachrichtigung per E-Mail erhalten alle Mitglieder des jeweiligen Konstruktionsteams Zugang zu den jeweiligen Daten, wobei die Zugriffsrechte für jeden Anwender individuell definiert werden können“, erläutert Andreas Spieler. Neben dem Hinzufügen von Bemerkungen innerhalb des Modells sei auch das Erstellen von visuellen Schnitten möglich. Mit Hilfe des Tools „Threaded Discussions“ würden Änderungen sofort während des Konstruktionsprozesses dokumentiert. Und CAD-fremde Dateiformate, wie etwa Word, Powerpoint oder Excel könnten ebenfalls genutzt werden.
Premiere feierte auf dem Killesberg in dieser Woche die Autom@tion eine Ausstellung mit Kongress, die zusammen mit der CAT dem Trend zur durchgängigen Prozesskette Rechnung trägt. Dass Software und Automatisierungstechnik in der Praxis längst zusammengehören, weiß Thomas Bürger, Abteilungsleiter am Institut für Steuerungstechnik (ISW) der Universität Stuttgart: „Standardisierte Schnittstellen bieten im Bereich der ,Virtuellen Welt‘ die Möglichkeit zur Interaktion von Simulationskomponenten und realen Steuerungskomponenten unterschiedlicher Hersteller.“ Somit sei der Weg für eine durchgängige Simulation von Fertigungseinrichtungen geebnet, sofern eine ganzheitliche Modellierung von Maschine und Prozess erfolge.
Den Trend zu ganzheitlichen Lösungen bestätigt auch Manuel Siegmund-Schultze, Leiter der Kundenkommunikation bei Festo in Esslingen: „Monodisziplinäre Lösungsansätze wie Mechanik ohne Elektronik oder Sensorik ohne Informationsverarbeitung gehören der Vergangenheit an.“ Die Zukunft liege dagegen in integrierten Lösungen. Im Blickpunkt der Pneumatikspezialisten aus Esslingen stünden deshalb die Integration von Funktionen und der Abbau von externen Schnittstellen. Andere Aussteller der Automation sprechen dabei zunehmend von „Embedded Solutions“, also eingebetteten Lösungen. D. KIPPELS/CIU

 

Von D. Kippels/Martin Ciupek
Von D. Kippels/Martin Ciupek

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