EMO 2011 30.09.2011, 12:06 Uhr

Metallbearbeiter: Bearbeitungszentren legen noch einen Zahn zu

Mit zahlreichen Innovationen präsentierte sich die Branche der Metallbearbeiter vorige Woche auf der Messe EMO in Hannover. Dort zeigte man sich auf neue Trends wie Elektromobilität und Leichtbau gut vorbereitet. Aktuell bescheren jedoch präzise Bearbeitungszentren für verbrauchsarme Verbrennungsmotoren den Herstellern die größten Verkaufserfolge.

Mit Erfolg haben sich die Grob-Werke, Mindelheim, in den vergangenen zwei Jahren auf die rasante technische Entwicklung in der Automobilindustrie ausgerichtet. Insbesondere der Trend zu verbrauchsoptimierten und emissionsarmen Verbrennungsmotoren sowie zu diversifizierten Antriebssystemen hat dabei die Maschinenentwicklung geprägt. Nach Angaben des Unternehmens hat es aktuell einen Auftragsbestand von etwa 1 Mrd. €, hieß es auf der EMO. Durch neue und erweiterte Produktionsanlagen werde dies abgearbeitet.

Grob stellt hydraulikfreie Werkzeugmaschinen in Fünfachstechnologie mit sechster Achse zur Werkstückspannung vor

Als technische Neuheit stellte Grob in Hannover hydraulikfreie Werkzeugmaschinen in Fünfachstechnologie mit sechster Achse zur Werkstückspannung vor. „Die Grob-Werke setzen bei der Werkzeugmaschinentechnologie auf Servotechnik“, machte dazu German Wankmiller, der Vorsitzende der Geschäftsführung, deutlich. Mit diesen Neuentwicklungen würden Ziele der Anwender hinsichtlich hoher Maschinendynamik, Energieeffizienz und Flexibilität erreicht. „Wir sind dabei eines der wenigen Unternehmen weltweit, das komplette Maschinentechnik, Automation und Prozesstechnik für Zerspanungs- als auch Montageanlagen aus einer Hand bietet“, erklärte Wankmiller.

Auch bei Heller, Nürtingen, profitiert man aktuell von Neuentwicklungen und hat mit einem Umsatz von 261 Mio. € zwischen Januar und Ende August 2011 seine Planzahlen deutlich übertroffen. Das Unternehmen liefert vor allem in die Automobilindustrie, den Maschinenbau und zunehmend in Luftfahrtindustrie sowie Werkzeug- und Formenbau. Erzielt wurden die Erfolge vor allem durch Neuentwicklungen in der Produktpalette beim Verzahnungsfräsen, der simultanen Fünfachsbearbeitung sowie der Titanbearbeitung.

Als neuen Ansatz für die Reduzierung der CO2-Emissonen in der Automobilindustrie verwies Heller in Hannover auf ein Beschichtungsverfahren für Zylinderbohrungen in Aluminiumkurbelgehäusen für Pkw-Motoren. Statt über Gewichtsreduzierung oder „Downsizing“ werden dabei zur Verbrauchoptimierung Reibungsverluste reduziert. Heller arbeite dazu eng mit Daimler zusammen, um eine prozesssichere Beschichtung mit dem thermischen Spritzverfahren „Nanoslide“ zu realisieren. Das Verfahren soll gemeinsam auf der Messe Materialica (vom 18. bis 20. Oktober in München) vorgestellt und von Heller weltweit angeboten werden.

Auch bei MAG-Gruppe ist deutlicher Trend zu hydraulikfreien Maschinen zu erkennen

Ein deutlicher Trend zu hydraulikfreien Maschinen war auch bei der MAG-Gruppe, Göppingen, zu erkennen. Durch den Wegfall der Hydraulik konzentriert sich die Antriebstechnik nun vor allem auf elektromechanische Aktuatoren. Das vereinfacht das System und erlaubt ein Arbeiten mit verbesserter Wirtschaftlichkeit, hieß es dazu auf der EMO. Das Konzept sei bereits auf die komplette Specht-Baureihe der Unternehmensgruppe übertragbar.

In Hannover zeigte MAG darüber hinaus das Bearbeitungszentrum Specht 500/600 L. Dieses erlaube Feinbohren und Honen von Zylinder- und Kurbelwellenbohrungen in einer Aufspannung. Durch diese Prozesskombination lassen sich die Fertigungsschritte noch besser aufeinander abstimmen, hob der Hersteller hervor. Durch die angepasste Vorbearbeitung ließen sich Hon-Operationen reduzieren. Zudem entfalle der „Fertigungsengpass Honmaschine“ durch die Integration des Prozesses auf dem Bearbeitungszentrum.

Neben Lösungen für die Automobilindustrie steigt MAG durch die Übernahme der französischen Forest-Liné verstärkt in den Bereich der Bearbeitung von Composites (faserverstärkte Kunststoffe) und Titan ein. Dazu sagte Markus Grob, Vorsitzender der Geschäftsführung: „Wir sehen in der Luftfahrt eine verstärkte Hinwendung zu Titan.“ Die Bearbeitung schwer zerspanbarer Werkstoffe stellt höhere Anforderungen an Maschine und Werkzeug. Dafür hat MAG in Hannover Lösungen zur kryogenen Bearbeitung vorgestellt. Dabei wird das Werkzeug gezielt an der Schneidkante mit kleinen Mengen flüssigen Stickstoffs gekühlt. Damit erhöhe sich die Lebensdauer des Werkzeugs bzw. die Zerspanproduktivität. Gleichzeitig sinke der Energie- und Kühlmittelverbrauch, teilte das Unternehmen mit.

Erfahrungen mit unterschiedlichen Werkstoffen, Werkzeugen und Schneidstoffen hat MAG dazu bereits gesammelt. Laut dem Zerspanungsspezialist konnte damit beispielsweise bei der Bearbeitung von Zylinderblöcken aus GJV (Gusseisen mit Vermiculargraphit) der Vorschub um 50 % erhöht und der Teileausstoß um 25 % gesteigert werden. Der Fertigungsbetrieb benötige dadurch nur noch vier statt sonst fünf Maschinen. Außerdem vereinfache sich das Spänerecycling.

Bearbeitung von Titanteilen: MAG steigert Vorschub um 30 %

Bei der Fünfachsbearbeitung von Titanteilen für die Luftfahrt hat sich der Vorschub laut MAG um 30 % steigern lassen. Auch dabei habe sich die Werkzeugstandzeit deutlich erhöht und das Spänerecycling vereinfacht. Bei faserverstärkten Werkstoffen werde durch das stark gekühlte Werkzeug zudem erreicht, dass die Temperaturen am Werkstück unkritisch bleiben.

Eine neue Serie an Multifunktionsmaschinen hat Mazak auf der EMO präsentiert. Die neue Integrex i-Serie basiert auf der Integrex IV, wurde allerdings umgestaltet und laut Hersteller mit zahlreichen unterschiedlichen Verbesserungen hinsichtlich Funktionalität, Leistung, Produktivität und Präzision ausgestattet. Weltweit hat Mazak nach eigenen Angaben bisher rund 10 000 Multifunktionsmaschinen der Integrex-Serie verkauft.

  • Martin Ciupek

    Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

MTU Maintenance Hannover GmbH-Firmenlogo
MTU Maintenance Hannover GmbH Triebwerksingenieur / Powerplant Engineer (m/w/d) Langenhagen
Thyssengas GmbH-Firmenlogo
Thyssengas GmbH Betriebsingenieur (m/w/d) als Teamleiter Gashochdruckleitungen Elsdorf bei Köln
MED-EL Medical Electronics-Firmenlogo
MED-EL Medical Electronics Systems Mechatronic Engineer (m/f) Innsbruck (Österreich)
RENK AG-Firmenlogo
RENK AG Applikationsingenieur Condition Monitoring (m/w/d) Augsburg
HME Brass Germany GmbH-Firmenlogo
HME Brass Germany GmbH Prozess- / Projektingenieur (m/w/d) Berlin
Caljan GmbH-Firmenlogo
Caljan GmbH Project Manager – Sondermaschinenbau (m/w/d) Steinhagen
Johannes KIEHL KG-Firmenlogo
Johannes KIEHL KG Produktmanager Dosier- und Applikationstechnik (m/w/d) Entwicklung der Systeme für Küchenhygiene, Textil- und Gebäudereinigung Odelzhausen (zwischen Augsburg und München)
TECCON Consulting&Engineering GmbH-Firmenlogo
TECCON Consulting&Engineering GmbH Verfahrens-/Prozesstechniker (m/w/d) – Süddeutschland Süddeutschland
Wilhelm STOLL Maschinenfabrik GmbH-Firmenlogo
Wilhelm STOLL Maschinenfabrik GmbH Embedded Software Engineer (m/w/d/x) Lengede
Indaver Deutschland GmbH-Firmenlogo
Indaver Deutschland GmbH Projektingenieur (m/w/d) Homeoffice, Kassel, Frankfurt, Biebesheim, Billigheim, Stuttgart

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Maschinenb…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.