Hannover Messe 2015 13.04.2015, 12:13 Uhr

Merkel fordert mehr Tempo bei Digitalisierung

Deutschland und die EU müssen bei der Digitalisierung einen Zahn zulegen. Das forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung der 68. Hannover Messe, der weltgrößten Industrieschau. Zugleich sprach sie sich für intensivere Handelsbeziehungen zu Indien aus. 

Industrie 4.0, die intelligente digitale Vernetzung der Produktionsanlagen, ist ein riesiges Thema auf der Hannover Messe 2015. 

Industrie 4.0, die intelligente digitale Vernetzung der Produktionsanlagen, ist ein riesiges Thema auf der Hannover Messe 2015. 

Foto: Ole Spata/dpa

„Wir müssen in Europa einfach einen Zahn zulegen, genauso wie wir auch in Deutschland einen Zahn zulegen müssen“, mahnte Angela Merkel bei ihrer Eröffnungsrede der Hannover Messe am Sonntagabend. „Wir müssen uns jeden Tag ändern“, forderte die Bundeskanzlerin in Hinblick auf Industrie 4.0 – das diesjährige Megathema der weltgrößten Industriemesse, bei dem sich Produkte und Dienstleistungen um die intelligente digitale Vernetzung der Produktionsanlagen drehen. Dazu gehöre der Ausbau einer leistungsfähigen digitalen Infrastruktur, ebenso eine Allianz aus Verbänden, Wirtschaft und Forschung.

Die Herausforderungen seien groß, sagte auch Reinhold Festge, Präsident des Verbands der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA): „Besonders beim Thema Bildung, bei den erforderlichen Investitionen in die Infrastruktur und bei der Datensicherheit sehen wir die Politik gefordert.“ Er ist sich aber sicher: „Deutschland geht auf Kurs 4.0, um auch morgen führende Industrienation zu sein.“ 

BDI-Präsident Grillo fordert gemeinsame Sprache für Digitalwelt

Zwar habe Deutschland das Digitalisierungsrennen noch keinesfalls verloren, erklärte Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Doch jetzt sei Zeit zu handeln. Unternehmen sollten kooperieren, die Politik einen einheitlichen rechtlichen Rahmen schaffen. „Uns fehlt eine gemeinsame sichere Sprache für die neue digitale Welt“, kritisierte Grillo in seiner Rede und nannte als Beispiel Datenschutzfragen und Netzneutralität.

Ein Mann schüttelt auf der Hannover Messe am Stand des Greifsystem-Herstellers Schunk eine künstliche Hand. 

Ein Mann schüttelt auf der Hannover Messe am Stand des Greifsystem-Herstellers Schunk eine künstliche Hand. 

Foto: Ole Spata/dpa

Europa und Deutschland könnten durch Kleinstaaterei ins Hintertreffen geraten, so Grillo. „Es macht keinen Sinn, ein Geschäftsmodell 28 verschiedenen Verhältnissen anzupassen“. Positiv hob er die USA hervor, wo ein Unternehmer mit einem internetbasierten Konzept mit einem Mausklick 315 Millionen Konsumenten erreichen könne.

Merkel will intensivere Beziehungen mit Indien

Merkel sprach sich zudem für intensivere Beziehungen mit Indien aus, dem diesjährigen Partnerland der Hannover Messe: „Der Handel zwischen Deutschland und Indien kann noch verbessert werden, obwohl Deutschland schon der größte Handelspartner Indiens ist.“

„Wir müssen uns jeden Tag ändern“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer Eröffnungsrede. Sie fordert mehr Tempo bei der Digitalisierung.

„Wir müssen uns jeden Tag ändern“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel während ihrer Eröffnungsrede. Sie fordert mehr Tempo bei der Digitalisierung.

Foto: dpa

Deutschland habe mehr gemacht als jedes andere westliche Land, um Indiens Welt der Wirtschaft zu erschließen, sagte Indiens Premierminister Narendra Modi in seiner Rede. Er bot der deutschen Industrie eine Partnerschaft beim Aufbau eines neues Indien an und versprach die Schaffung eines investorenfreundlichen Umfelds. „Indien steht bereit, um die ganze Welt mit offenen Armen zu empfangen“.

PR-Kampagne „Make in India“ soll Investoren locken

Um Investoren zu locken, hat sich Indien die PR-Kampagne „Make in India“ einfallen lassen, die zurzeit in vielen deutschen Städten zu sehen ist. „Wir finden, dass die deutschen Investitionen mit 3,5 Prozent aller ausländischen Investitionen bei uns zu gering sind“, sagt Amitabh Kant, Staatssekretär im Innenministerium und Kopf der Kampagne, in einem Bericht der Tagesschau.

Indiens Premierminister Narendra Modi spricht am 12. April 2015 bei der Eröffnung der Hannover Messe.

Indiens Premierminister Narendra Modi spricht am 12. April 2015 bei der Eröffnung der Hannover Messe.

Foto: Ole Spata/dpa

Dabei sei Indien eine einzige Wachstumsphase. „Und wenn deutsche Firmen wachsen wollen, müssen sie sich außerhalb Europas umschauen. Die Zukunft Deutschlands liegt nicht in Europa, sondern in Indien.“ Bis 2019 wolle man die Zahl der deutschen Firmen im Land verfünffachen. „Und wir wollen die Investitionen aus Deutschland von 7,5 Milliarden Dollar pro Jahr auf 50 Milliarden erhöhen.“

Derzeit sind in Indien rund 1800 deutsche Unternehmen aktiv, darunter der Technikkonzern Bosch mit 28.000 Mitarbeitern. Bei vielen gilt das Land bislang allerdings als kompliziert. Zu viel Bürokratie, zu viel Korruption und ein unsicheres Stromnetz. 

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