Werkzeugmaschinen 13.10.2000, 17:26 Uhr

Maschinenbauland Italien zieht Hightech an

Mit fast 50 % Auslands-betei-ligung war die 22. italienische Werkzeugmaschinenmesse Bi-Mu gar nicht so italienisch. Das entspricht der Anziehungskraft des Landes, zweitwichtigstes Maschinenbauland Europas – nach Deutschland.

Selten fallen Messen noch besser aus als im Vorfeld angekündigt: Die 22. italienische Werkzeugmaschinenmesse Bi-Mu vom 3. bis 8. Oktober in Mailand verzeichnete 127 200 Besucher. Das ist ein Wachstum gegenüber 1998 von 3,6 %. Nahezu 12 000 Ausländer aus 89 Ländern hatten sich auf den Weg in die nordidtalienische Metropole gemacht. In der Gesamtzahl der Besucher sind auch 13 000 Jugendliche enthalten, die eingeladen waren, die Werkzeugmaschinenindustrie kennen zu lernen. Zur Metav in Düsseldorf organisiert die deutsche Branche ein ähnliches Annäherungsprogramm.
105 000 m2 Ausstellungsfläche, 30 km Ausstellungsfront, 4500 Maschinen im Gesamtwert von 500 Mio. DM, meldet der Veranstalter, der italienische Herstellerverband Ucimu – Sistemi per Produrre, vergleichbar mit dem deutschen VDW, Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken.
Die Bi-Mu bot aber nicht nur Werkzeugmaschinen und Werkzeuge, auch die Schweißtechnik war hier vertreten, und die Zulieferer segelten unter dem Zeichen Sfortec, so dass die hohe Besucherzahl nicht zu vergleichen ist mit der Metav in Düsseldorf, die kam nur auf 67 000 Besucher im Juni dieses Jahres. Und auch die Stuttgarter AMB erreichte diesen Wert. Von den Ausstellerzahlen her hat die Bi-Mu dieselbe Dimension wie die IMTS in Chicago.
„Der italienische Markt ist für uns sehr wichtig“, sagt Ingo Schnaitmann, Sprecher der Maschinenfabrik Trumpf, Ditzingen. Seit vielen Jahren ist Trumpf in Italien durch die 60 %-Tochter Trumpf-Homberger vertreten. 60 Mio. Euro wurden im Geschäftsjahr 1999/2000 umgesetzt. Das ist ein Sechstel des gesamten Europawertes. Ein neues Kundenzentrum bei Mailand soll die Aktivitäten von Trumpf weiter unterstützen.
Auch Siemens, Elektronikausrüster der Werkzeugmaschinenindustrie, konzentriert sich auf den italienischen Markt. Massimo Sabbioneda von der Siemens Spa, Mailand, berichtet von umgerechnet 1 Mrd. DM, die die 600 Mitarbeiter des Unternehmensbereichs Automation & Drives in Italien umsetzen. A&D hat in Italien 17 % Marktanteil. In Europa insgesamt kommt Siemens mit A&D auf 15 %. In Deutschland sind es 27 %. Die 8 % Weltmarktanteil stehen für 14,2 Mrd DM.
Bei den Werkzeugmaschinen, dem eigentlichen Thema der „22. Biennale di Machhine Utensili Robot Automazione“ hat sich Siemens ganz besonders gut positioniert: „Italien ist der zweitwichtigste Markt nach Deutschland – vor den USA“, erläutert Massimo Sabbioneda.
Unter den Hightech-Anbietern in Italien fehlt auch Autodesk nicht. 400 Spezialisten beackern den Markt, der sich auch auf Griechenland ersteckt. Speziell zur Bi-Mu wurde das Softwarepaket Autocad Mechanical 2000i eingeführt, darauf verweist Sandra Gnos von Autodesk in Assago.
Auch der britische Cad/Cam-Software-Multi Delcam profitiert vom italienischen Markt. 1968 als Spin-off der Universität von Cambridge gegründet, entwickelte sich das Unternehmen zum weltgrößten Softwarehersteller für den Formenbau. 18 Mio. Pfund soll der Umsatz im Jahr 2000 betragen und Delcam Italia soll mit seinem Wachstum auch dazu beitragen. 20 % sind für dieses Jahr eingeplant. Einer der Renner in Italien ist das Programm PS-Shoemaker zur Herstellung für Schuhformen. Weltweit beliefert Delcam Formenbauer, die nach dem Design, z. B. von Nike, Wolverine, Apego und Clarks arbeiten.
Italien, das ist fast schon ein klassisches Maschinenbauland, das gestandene wie Großbritannien und Frankreich hinter sich gelassen hat. Im Werkzeugmaschinen-Export rangiert Italien nach Japan und Deutschland an dritter Stelle in der Welt und streitet sich mit den USA um die dritte oder vierte Position bei der Produktion und im Verbrauch von werkzeugmaschinen.
Devisenumrechnungen und unterschiedliche Abgrenzungen von Maschinen in der Statistik machen diese Bewertung recht schwierig. Eins ist jedenfalls sicher, Maschinenbau ist mehr als „Mode“ in Italien, sondern das Land hat sich zu einem ernsthaften Wettbewerber auf dem Weltmarkt entwickelt.
Was Baden-Württemberg für Deutschland, das ist die Lombardei für Italien. Die Hälfte der gesamten Werkzeugmaschinenproduktion findet jeweils in diesen hoch entwickelten Regionen statt. Für dieses Jahr prognostiziert der Herstellerverband Ucimu eine Steigerung der Produktion von 6,9 % auf umgerechnet 8 Mrd. DM. Der Export soll um 3 % wachsen und dann 4 Mrd. DM erreichen. Aufgrund ihrer Größe haben es die italienischen Werkzeugmaschinenbauer recht schwierig auf dem Weltmarkt.
79 % der Unternehmen des Sektors erreichen einen Umsatz von weniger als 25 Mio. DM. 82 % beschäftigen weniger als 100 Personen. In Deutschland haben nur 43 % der Werkzeugmaschinenbauer weniger als 100 Mitarbeiter und ein Viertel aller Firmen beschäftigt 101 bis 250 Personen, 17 % gar 251 bis 500.
Diese Größenstruktur bestimmt auch das Produktionsspektrum der italienischen Hersteller. „Viele der Brot- und Buttermaschinen, die in Italien hergestellt werden, sind für deutsche Produzenten nicht mehr lohnenswert“, erläutert Gerhard Hein vom Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken die Situation zum stärksten europäischen Konkurrenten. In Deutschland habe man sich mehr auf Sondermaschinen mit hohem Komplexitätsgrad spezialisiert, „was höheren Engineering-Aufwand erfordert und umfangreiche Serviceleistungen“.
Das können sich die kleineren italienischen Maschinenbauer weniger leisten und liefern denn auch verstärkt in Länder, die solche Maschinen zu moderaten Preisen abnehmen.
Typische Situation in Italien: Die Firma ist fest in der Hand des Besitzers, der üblicherweise nicht mehr als 70 Personen beschäftigt. In Deutschland hat ein typisches Unternehmen 200 Mitarbeiter. Die italienischen Werkzeugmaschinenbauer bemühen sich daher, über Fusionen, Übernahmen und andere Aktivitäten neue Strukturen im Land zu schaffen.
Wie man sich ausweitet und technisch arrondiert, das können die Italiener vom deutschen GildmeisterKonzern lernen, der mit italienischen Töchtern fest im Markt steht. Italien ist für Gildemeister ein wichtiger Markt. An der Spitze stehen augenblicklich die USA, begünstigt auch durch den schwachen Euro. Dann folgen Deutschland, Italien, China und Japan. In Italien hat Gildemeister eine starke Stellung durch eigene Werke, z. B. in Bergamo, Tortona. Als Erbe von Deckel/Maho bestreitet Gildemeister 45 % des Umsatzes noch mit Bearbeitungszentren, jetzt wurden italienische Langdrehautomaten ins Programm aufgenommen.
1993 im tiefen Konjunkturtal der Branche schaffte Gildemeister gerade 130 Mio. Euro Umsatz, 1999 waren es 690 Mio. Euro und im März 2000 sollen es über 800 Mio. Euro werden. 20 neue Modelle werden dieses Jahr auf dem Markt eingeführt, wodurch jeweils zwischen 1 Mio. und 4 Mio. Dollar Aufwand je Maschine entstehen. Alle vier Jahre soll sich die Maschinengeneration erneuern, die kosten dann zwar 10 % mehr, bringen aber auch mehr Leistung.
„Wir sind auf dem Weg zu Europas größten Werkzeugmaschinenbauer“, sagt Rüdiger Kapitza. Mit dazu beitragen soll eine neue Maschinenart, die spätestens zur Emo nächstes Jahr in Hannover auf den Markt kommen soll. Für die Maschinen mit einem Laser als Bearbeitungswerkzeug gebe es schon 1000 Anfragen, berichtetet Kapitza auf der Messe in Mailand. Schon der Maho-Gründer Babel hatte sich gegen Ende seiner Karriere mit einer Lasercav-Maschine bemüht. Gildemeister arbeitet seit 1995 an einer Ausführung mit einem YAG-Laser. Damit geht das Unternehmen in einen neuen Markt, nämlich Kleinteile für Modeartikel, Medizintechnik, Telekommunikation und auch – Lego-Bausteine. Ohne Programmierung direkt von der 3D-CAD-Konstruktion arbeitet der Laser die Formen aus.
Eine solche moderne Maschine würde sich gut auf dem neuen Messegelände machen, das sich die Fiera Milano verpassen will. Bis zum 31. Dezember 2004 soll das nordwestlich zwischen Stadt und Flughafen Malpense gelegene „Polo Esterno“ mit 200 000 m2 Ausstellungsfläche fertig sein. 1 Mrd. DM Kosten sind jetzt schon sicher – ohne die U-Bahn, die Anschluss ans Mailänder Nachtleben bietet. S. KÄMPFER

Von S. Kämpfer

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