Maschinenbau 24.11.2000, 17:27 Uhr

Maschinenbauer suchen „best practice“ für“s E-Business

„Die Zukunft beginnt gestern!“, so sieht es der Branchenverband VDMA. Den Maschinen- und Anlagenbauern soll die strate-gische Herausforderung E-Busi-ness schnellstens nahe gebracht werden. Ein Informationsportal war die Unternehmer-tagung am 13./14. November in Frankfurt.

Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des VDMA, ermuntert die Maschinen- und Anlagenbauer zu Transparenz und Kooperation. „Das sind Vorwärtsstrategien“, sagte er am Montag voriger Woche auf der Unternehmertagung 2000 seines Verbandes in Frankfurt/Main. Im Internet-Zeitalter sei die Dezentralisierung in den Unternehmen bei gleichzeitiger Vernetzung der verselbstständigten Einheiten ein absolutes Muss, weil nur das die zum Überleben notwendige Flexibilität gewährleiste. Angesichts der geplanten Änderung des Betriebsverfassungsgesetzes sieht Wansleben diese Maßnahmen zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit jedoch in Gefahr: „Noch wissen wir gar nicht, ob wir das alles hier in Deutschland umsetzen werden können.“
Auch Hans-Heinrich Henning vom Wuppertaler Maschinenbauer Gebr. Becker, Vorsitzender des VDMA-Ausschusses Betriebswirtschaft und Unternehmensführung, mahnte: „Unsere Prozesse sind zeitkritisch und müssen beschleunigt werden.“ Die neuen, im Zeichen des E-Business ungewohnt schnellen Formen der internationalen Zusammenarbeit erfordern nach seiner Überzeugung andere, einfachere, schlankere Strukturen und Prozesse.
Um schneller auf dem Markt zu sein, sind neue Wege im Innovationsmanagement zu beschreiten. Dietmar Harhoff von der Universität München ist überzeugt: „Synchrone Kommunikationsformen über neue Medien wie Internet und Video-Konferenz sind hilfreich in den kreativen, innovativen Phasen.“ Erfahrungsaustausch mit Schlüsselkunden, die bereits selbst nach neuen technischen Lösungen suchen, sei wichtig, weil von diesen „Lead Usern“ – so Technologieforscher Harhoff – wertvolle Impulse für die Produkt-Entwicklung ausgehen.
Um die Profite im Engineering zu optimieren, bedarf das mit Hilfe der neuen Kommunikationsmedien viel wirkungsvoller gesammelte Wissen einer professionellen Verarbeitung, wie Ralf Hasler von der Unternehmensberatung Roland Berger & Partner erfahren hat. Aufgrund einer Untersuchung von Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus weiß er: „Der ergebniswirksame Effekt von Wissensmanagement liegt bei 1,5 bis 6 % des Umsatzes.“ Damit dieser Nutzen erzielt wird, sind die branchentypischen maßgeschneiderten Einzel-Erfahrungen so zu skalieren, dass sie – informationstechnologisch aufbereitet – auch auf andere Projekte übertragen werden können.
Rolf Horchler von der Siempelkamp Guss- und Anlagentechnik Holding in Krefeld zieht daraus die Konsequenz für neue Chancen auf globalisierten Märkten: „Der Erfolg im E-Business entscheidet sich daran, wie gut die internen Strukturen und Prozesse beherrscht werden.“ Erst auf dieser Basis lasse sich ein überzeugendes Engagement im Internet mit seinen weltweiten Möglichkeiten realisieren.
Wie unumgänglich es allerdings für die deutsche Wirtschaft und insbesondere für den deutschen Maschinenbau ist, sich im Web dem internationalen Wettbewerb zu stellen, unterstrich eindringlich Erwin Staudt, der Deutschland-Chef des Computerherstellers IBM: „Gerade die Produkte der Maschinenbauer haben vor zwanzig Jahren noch ganz anders ausgesehen – das war 100 % Mechanik. Heute sind 30 bis 40 % Mechanik drin, der Rest ist Software und Elektronik.“ Das sei genau der Stoff, aus dem die Zukunft gestrickt sein werde, und auf diese Entwicklungslinien müsse man sich einstellen.
Wie ein über 100 Jahre altes Traditionsunternehmen die Umstellung gemeistert hat und positive Erfahrungen mit Marketing und Vertrieb von Investitionsgütern im Internet macht, berichtete Harald J. Joos, Geschäftsführungsvorsitzender der Schindler Deutschland Holding auf der Tagung in Frankfurt: Das Unternehmen, das Aufzüge und Fahrtreppen produziert und wartet, klärt zunächst mit seinen Kunden, welche Leistungen sie sich vom Umgang mit den elektronischen Medien versprechen. So entstand zum Beispiel das Produkt „Spezifikation“. Die Kunden könnten mit dem und über das Internet eine Aufzug-Spezifikation für ein zu planendes Gebäude festlegen, erläutert Joos. Auf dieser Basis werden zahlreiche Aufträge erteilt und dann bis hin zur Lieferplanung via Internet abgestimmt.
Chancen, aber auch Risiken stecken in den Online-Geschäften. Rudolf Simon von M+W Zander Facility Engineering, Stuttgart sieht die Risiken der Net Economy vor allem in der Konzeptionslosigkeit: „Wo keine Ziele sind, sind natürlich auch keine Strategien. Ein ganzes Viertel der Maschinen- und Anlagenbauer hat bis jetzt überhaupt erst Strategien für das Thema E-Commerce entwickelt.“ Chancen sieht Simon intern in der Digitalisierung der Prozesse, und nach außen zu den Lieferanten und Kunden hin durch Kostenvorteile, Beschleunigung der Zeitabläufe und stärkere Kundenbindung.“ U. W. SCHAMARI/Käm
„Unternehmertagung 2000, Strategische Herausforderung e-business“ vom 13./14. November in Frankfurt. 250 Blätter DIN A4 im Ordner. Maschinenbau-Institut: Frau Bertermann, Tel: (O69) 6603-1334, Fax (069) 6603-1333. 235 DM VDMA-Mitglieder 90 DM. „Anwenderforum E-Business“. Kick-off-Veranstaltung am 18. Dezember im VDMA-Haus, Frankfurt/Main. Tel (069) 6603-1273.

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