Industrie der Zukunft 03.05.2013, 09:45 Uhr

Maschinenbauer feilen an IT-Choreographie

CeBIT und Hannover Messe teilten in diesem Jahr eine Vision: Fertigung, IT und Telekommunikation tanzen eng umschlungen durch die Werkshallen. Die Rolle des Choreografen kommt dabei den Maschinenherstellern zu. Sie bringen die neuen Technologien in die Anlagen, aber die Fertigungsindustrie ziert sich noch.

<p>Maschinenhersteller bringen IT- und Funktechnologie in die Anlagen. Nicht alle Kunden sind begeistert.

Maschinenhersteller bringen IT- und Funktechnologie in die Anlagen. Nicht alle Kunden sind begeistert.

Foto: Schleicher Electronic, Berlin

Maschinenhersteller bringen IT- und Funktechnologie in die Anlagen. Nicht alle Kunden sind begeistert. Foto: Schleicher Electronic, Berlin

Nicht alle können lachen, als Bundeskanzlerin Angela Merkel im März scherzhaft anregt, die CeBIT mit der Hannover Messe zusammenzulegen. Zu viel Wahrheit steckt in ihrer Bemerkung, als dass sie sich einfach abtun ließe. Die Industrie der Zukunft: ein elegantes Ballett aus Fertigung, IT und Telekommunikation. Längst laufen die Vorbereitungen für die Traumhochzeit der Protagonisten beider Messen.

Ob nun das „Internet der Dinge“, „Machine-to-Machine-Kommunikation“ (M2M) oder „Industrie 4.0“: Die mächtigen Schlagworte bezeichnen im Kern einen unaufhaltsamen Trend. Informations- und Telekommunikationstechnologien beseelen zunehmend die Maschinen und Anlagen und hauchen ihnen Kommunikationsfähigkeit ein.

Bis aber Maschinen flächendeckend mit Gebäuden und anderen Maschinen sprechen, bleibt viel zu tun. „Maschinenhersteller ans Steuer“, fordert Bosch-Rexroth-Chef Karl Tragl. Die Einladung zur Hochzeit haben sie erhalten – und angenommen.

Hand in Hand: Maschinenhersteller und IT-Industrie

Maschinenhersteller forschen und entwickeln nun mit Partnern aus IT- und Telekommunikationsindustrie. Mit Partnern wie der Deutschen Telekom, der sich in der Fertigungsindustrie neue Geschäftsfelder auftun.

Sie bringt die Infrastruktur mit, um Remote-Geräte – etwa die einzelnen Windenergieanlagen in einem Windpark – mit einer Zentrale zu verbinden. Die hauseigene IT-Tochter T-Systems liefert Lösungen, um mit den anfallenden Datenmengen fertig zu werden.

Das Interesse der Maschinenbauer steigt, so sieht das Jürgen Hase, Leiter des M2M-Kompetenzzentrums der Deutschen Telekom. „Vor drei Jahren hätte ich noch von einem zarten Pflänzchen gesprochen, aber nun ist in der Fertigungsindustrie ein positiver Flächenbrand entstanden.“

Immer schnellere Vernetzung

Die gute alte mechanische Maschinenwelt – sie wird immer schneller vernetzt. „Die Kommunikation an und mit der Maschine wird zunehmen im Zuge von Industrie 4.0 werden immer mehr Partner an den Daten partizipieren“, sagt Thomas Riegler aus dem Fachverband Software im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).

Für die Hersteller von Maschinen und Anlagen ist das eine Chance, sich zu differenzieren und einen Technologievorsprung herauszuarbeiten. „Die Maschinenbauer können sich nicht und wollen sich auch nicht der IT- und Telekommunikationstechnologie verweigern“, betont Riegler.

Doch längst nicht alle Kunden sind begeistert: ein Dilemma für die Hersteller. Die Maschinenbetreiber bangen um die Sicherheit ihrer Daten. Laut Riegler leiden fast alle Maschinenbauer darunter, bei den Kunden erst Überzeugungsarbeit leisten zu müssen.

Die klassischerweise betroffenen Felder – wie Instandhaltung und Teleservice – sind nicht neu. Das Konzept: Maschinenhersteller kümmern sich über die gesamte Lebensdauer um ihre Maschinen und bieten Überwachung und Instandhaltung als Dienstleistung an. Niemand kennt eine Maschine besser als ihr Hersteller, so die Logik. 65 % der Maschinenbauer bieten laut Riegler Ferndiagnose und -wartung an.

Angst vor Spionage und Viren

Die Maschinenhersteller und Dienstleister müssen dazu die Maschinendaten aus dem Netzwerk des Kunden auf ihren Fernwartungs-PC übertragen – ein Unsicherheitsfaktor, der mit der fortschreitenden Vernetzung wächst. Schließlich beherbergt das Netzwerk sensible Daten. „Die Kunden befürchten, es könnten Produktionsdaten ausgelesen oder Viren von außen eingeschleust werden“, sagt Riegler vom VDMA.

Für viele Hersteller bedeute es bereits langwierige Diskussionen, auf die Maschinen und Anlagen zugreifen zu können. Mit der Vernetzung steigt der Diskussionsbedarf weiter.

Argumentationshilfen bieten IT-Sicherheitsspezialisten wie Genua. Für den Teleservice liefern die Kirchheimer einen kleinen Computer mit einer Firewall aus. „Wir befähigen die Hersteller, Remote-Support zu realisieren, und die Großkunden, viele verschiedene Dienstleister kontrolliert in ihr Netz zu lassen“, sagt Thomas Kuhn von Genua.

Zeichen stehen auf Kooperation

Ob ein Kunde den Maschinenhersteller in sein Netzwerk lässt, ist für Kuhn eine Vertrauensfrage. „Missbrauch geschieht zwar eher aus Versehen, der Kunde weiß aber nicht immer, auf welchem Sicherheitslevel der Fernwartungs-PC ist.“

Genua gibt den Maschinenbetreibern Mittel an die Hand, darüber zu wachen, wer wann worauf zugreift. Ein solches Zugriffsmanagement-System ermöglicht es, einen Dienstleister auf Knopfdruck des Netzwerkes zu verweisen.

Ein weiteres Konzept lässt dem Hersteller die Administratorrechte an der Maschine, garantiert aber, dass für den Kunden stets transparent und nachvollziehbar bleibt, welche Eingriffe erfolgen.

Bei allem Misstrauen stehen die Zeichen auf Kooperation. „Früher wollte jeder alles selber machen. Mein Gefühl ist, dass heute die Bereitschaft besteht, zu interagieren“, sagt Jürgen Hase von der Telekom. „Maschinenbauer, IT- und Telekommunikationsunternehmen sind gleichermaßen Innovatoren“, betont Riegler. Die Industrie beginnt zu erahnen, was in Zukunft möglich sein wird. Und schnürt die Tanzschuhe. 

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