Anlagenbau 08.04.2005, 18:38 Uhr

Kostenfalle in der Instandhaltung  

Einerseits wird die Produktion immer komplexer, andererseits steigen die Anforderungen hinsichtlich Auslastung und Zuverlässigkeit. Eine Studie, die auf der Hannover Messe, vorgestelltidentifiziert die Potenziale zustandsorientierter Instandhaltung. Einige Erkenntnisse haben die VDI nachrichten bereits vorab zusammengefasst.

Teils alarmierende Ergebnisse bringt die Studie „Intelligent Maintenance – Potenziale zustandsorientierter Instandhaltung“ zu Papier, die ifm electronics am 12. April auf der Hannover Messe im Convention Center präsentieren wird. Denn, obwohl die Komplexität und die Beanspruchung von Maschinen und Anlagen ständig zunimmt, werde laut Studie die klassische Instandhaltung diesen Veränderungen oft kaum gerecht. Insbesondere für Produktionsverbünde und Zulieferer sei eine vorausschauende Instandhaltungsstrategie wichtig, um Imageschäden oder gar Konzessionsstrafen zu vermeiden. Betriebswirtschaftler betrachten die Instandhaltung dagegen vor allem als Kostenfaktor. Welche Potenziale in dem Bereich stecken, weiß dagegen Romeo Odak, Leiter Betriebstechnik beim Lebensmittelhersteller Zentis in Aachen: “ Bei einer korrekt geführten Instandhaltungsorganisation können mit dem Einsatz von Condition-Monitoring-Strategien zwischen 25 % und 40 % der Instandhaltungskosten wegfallen.“

Im Auftrag des Automatisierungstechnik-Unternehmens ifm haben das Laboratorium für Werkzeugmaschinen und Betriebslehre (WZL) an der RWTH Aachen sowie das Aachener Fraunhofer Institut Produktionstechnologie (IPT), von Dezember 2004 bis März 2005 dazu 65 namhafte Unternehmen befragt. Die Produktionsunternehmen kamen vornehmlich aus Automobilindustrie, Maschinen- und Anlagenbau sowie der Lebensmittelindustrie und dürften dabei zumeist sehr professionell mit der Instandhaltung umgehen. Das Alter der Maschinen lag dabei im Schnitt bei 7,9 Jahren, mit einer durchschnittlichen Verfügbarkeit von 88 % sowie 93 % bei Engpassmaschinen, für die es keine Ausweichmöglichkeiten gibt.

Die Studie unterscheidet zwischen reaktiver, präventiver und zustandsorientierter Instandhaltung. Sie kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die meisten der befragten Unternehmen (83 %) präventive Wartung nutzen, um Ausfällen vorzubeugen. Jeweils 65 % der Befragten gaben an, reaktive bzw. zustandsorientierte Instandhaltungsstrategien einzusetzen.

Der zustandsorientierten Instandhaltung prognostizieren die Autoren der Studie dabei die größten Zukunftschancen. Denn: „Für alle Instandhaltungsaktivitäten muss der Aufwand dem Nutzen gegenübergestellt werden“, heißt es in der Studie. Obwohl dabei vielfach qualitative Faktoren ausschlaggebend seien, müsse die Gegenüberstellung möglichst quantitativ und mit Hilfe konkreter Zahlen erfolgen, um auch auf betriebswirtschaftlicher Ebene Akzeptanz zu finden. Dabei halten 60 % der befragten Unternehmen die „Vermeidung von Umsatzausfällen“ für den wichtigsten Vorteil zustandsorientierter Instandhaltung.

Die frühzeitige Diagnose von zu erwartenden Betriebsstörungen ist laut Studie ein weiterer entscheidender Faktor. Ein rechtzeitig erkannter Lagerschaden helfe z. B., Folgeschäden an Wellen, Getrieben oder anderen Anlagenteilen zu vermeiden. Damit ließen sich unnötige Folgekosten reduzieren und die Lebensdauer der Produktionsanlagen wesentlich erhöhen.

Der Erfolg der Instandhaltung hängt laut Studienautoren entscheidend von deren Integration in die Unternehmensprozesse ab. So sei die Instandhaltung vielfach mit anderen Unternehmensbereichen wie der Produktion, Konstruktion oder Materialwirtschaft verknüpft. Weitere zunehmende Verknüpfungen, auch zu externen Dienstleistern, erfordere dabei das Management für Schnittstellen und Partner sowie der entsprechenden Informationen.

Die Unterstützung durch das Management ist dabei allerdings häufig nicht ausreichend, so die Studie. „Die Instandhaltung kämpft immer noch um Anerkennung in den Unternehmen“, heißt es dort. Um dies zu ändern, fordern die Autoren der Studie ein „besseres Marketing der Instandhaltung.“ Zur Unterstützung und zur Identifikation quantitativer Faktoren seien dazu in Zukunft entsprechende Methoden und Werkzeuge zu entwickeln.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis: „Eine bilanzfähige Instandhaltung hilft dabei, den optimalen Kompromiss zu finden zwischen proaktiven Investitionen in die Instandhaltung und Aufwendungen für reaktive Instandsetzung.“ Ziel müsse es sein, „nicht nur einen niedrigen Anschaffungspreis als Entscheidungskriterium zu berücksichtigen, sondern vorwiegend niedrigere Lebenszykluskosten als Zielkriterium zu verwenden.“ In diesem Zusammenhang sei die Instandhaltung frühzeitig in der Betrachtung der Gesamtkosten zu beachten.

Auch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) können nach Einschätzung der Studienautoren von innovativen Strategien profitieren. „Das Maschinenalter in KMU liegt im Schnitt höher als 20 Jahre. Das macht die Bedeutung der Instandhaltung für solche Unternehmen klar“, heißt es. Doch wird auch festgestellt, dass moderne Strategien hierzu vor allem von größeren Unternehmen verfolgt werden.

Das Fazit der Untersuchung lautet : „Die Instandhaltung eines Unternehmens muss durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess weiterentwickelt werden.“ So seien beispielsweise Instandhaltungszyklen von Betriebsmitteln zu optimieren, indem Intervalle basierend auf aktuellen Erfahrungswerten und Lerneffekten angepasst werden. Zur Schadensverhütung könne dabei eine vollständige Dokumentation von Ausfällen sowie Erfahrungen aus Maschinenschäden beitragen.

Damit wird eines deutlich: Sowohl Anwender als auch Hersteller von technischen Produkten müssen ihre Strategien hinsichtlich der Werterhaltung hinterfragen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Dies dürfte vor allem in Bezug auf die Hightech-Schau in Hannover ein wichtiger Aspekt für die Auswahl neuer Produkte sein. Prof. Nicolaus Mexis vom Institut für Analytik und Schwachstellenforschung (IAS) in Mannheim fordert Unternehmer deshalb dazu auf: „Bauen Sie Wissen auf, keine Bürokratie. Sprengen Sie die Ketten einer unsinnigen Kostenbetrachtung, die nur Arbeit für das Controlling liefert. Lernen Sie aber auch, eine preisbewusste Instandhaltung durchzuführen.“ M. CIUPEK

 

Ein Beitrag von:

  • Martin Ciupek

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Maschinen- und Anlagenbau, Produktion, Automation, Antriebstechnik, Landtechnik

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