Rheinmetall-Tochter involviert 05.08.2015, 10:11 Uhr

Kanada kauft israelisches Raketenabwehrsystem Iron Dome

Die kanadische Regierung hat Ende Juli bekannt gegeben, dass sie zum Schutz ihres Militärs ein Raketensystem anschafft, wie es Israel in Gestalt des Iron Dome besitzt und benutzt. Das mobile System Iron Dome ist in Israel mit finanzieller wie technischer Hilfe aus den Vereinigten Staaten entwickelt worden. Kanada will diese Waffen im Bestellvolumen von rund 170 Millionen € vor Ort produzieren lassen und zwar von Rheinmetall Canada, einer Tochter des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns.

Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome im Mai 2013 nach einem Einsatz in Haifa. 

Das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome im Mai 2013 nach einem Einsatz in Haifa. 

Foto: Jim Hollander/dpa

Kanadische Truppen sind ständig an den verschiedensten Krisen-Schauplätzen in der Welt im Einsatz – beispielsweise in Afghanistan. Nicht zuletzt aus innenpolitischen Gründen ist die kanadische Regierung daran interessiert, die Sicherheit ihrer Soldaten in Übersee so gut wie irgend möglich zu sichern.

Daher genießen Waffensysteme, die wesentlich zum Schutz der Soldaten beitragen – und nicht etwa zur Vergrößerung von deren Feuerstärke – hohe Priorität auf der Beschaffungsliste des Verteidigungsministeriums.

USA haben dreistufiges System mitentwickelt

Das mobile Iron Dome-Raketenabwehrsystem wurde in Israel unter Federführung von Israel Aerospace Industries (IAI) und mit amerikanischen Entwicklungskosten-Zuschüssen von rund 385 Millionen € sowie mit technischer Hilfe von Raytheon aus den Vereinigten Staaten entwickelt.

Der Beschuss durch Raketen, Artilleriegeschosse aber auch durch Mörsergranaten wird bis auf eine Entfernung von gut 70 km umgehend registriert und in der Schussbahn durch Radar verfolgt. Dabei kann eine einzelne Iron Dome-Abwehrbatterie gleichzeitig zahlreiche gegnerische Geschosse im Anflug aufspüren und in ihrer Bahn verfolgen.

Die Software des Systems registriert den voraussichtlichen Einschlagsort jedes einzelnen gegnerischen Projektils. Das ist insofern wichtig, als die hohen Kosten jeder Abwehraktion letztlich auch vom Militär zu rechtfertigen sind.

Raketenabwehrsystem Iron Dome: Seit 2011 wurden diese Waffen in Israel mehr als tausendmal benutzt – bei einer Erfolgsquote von 87 %.

Raketenabwehrsystem Iron Dome: Seit 2011 wurden diese Waffen in Israel mehr als tausendmal benutzt – bei einer Erfolgsquote von 87 %.

Quelle: Shaul Golan/Rafael Advanced Defense System

Wird die gegnerische Rakete mit einiger Sicherheit in einem unbebauten Feld einschlagen, so wird der Flug zwar mit dem Radar weiterverfolgt – aber ansonsten geschieht nichts. Ist damit zu rechnen, dass der Einschlag zu Verlusten an Menschenleben und relativ hohem Sachschaden führt, wird die Gegenreaktion von der Software automatisiert geplant. Das Programm startet die Abwehrrakete, die auf das gegnerische Geschoss zufliegt, um es zu zerstören.

Iron Dome: Hohe Erfolgsquote, aber teuer  

Die Vorgabe beim Entwicklungsauftrag war eine Erfolgsquote in der Größenordnung von 85 %. Tatsächlich in Israel erreicht wurde ein Abfang-Erfolg von 87 %. Insgesamt wurden seit 2011 bisher mehr als tausendmal Iron Dome-Abwehrraketen eingesetzt.

Das Problem sind allerdings die hohen Kosten. Jede Abfang-Rakete des israelischen Herstellers Rafael kostet etwa 85 000 €.

Kanada an politisch verträglicher Beschaffung interessiert

Viele Länder schrecken vor der Beschaffung israelischer Waffen aus außenpolitischen Rücksichten zurück. Das gilt auch für Kanada. Vor diesem Hintergrund ist für die kanadische Beschaffung von zehn Abwehr-Batterien eine politisch interessante Lösung gefunden worden: Produziert werden diese Waffen im Bestellvolumen von rund 170 Millionen € in Kanada selbst und zwar von Rheinmetall Canada, einer Tochter des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns. Rheinmetall arbeitet dabei aber eng zusammen mit einer kanadischen Tochtergesellschaft des israelischen Unternehmens Elta Systems Ltd. aus Ashdod. Bei Elta handelt es sich um ein Spezialunternehmen für elektronische Abwehrwaffen.

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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