Hannover Messe 2016 06.04.2016, 10:14 Uhr

Jetzt reden auch schon Transportrollen miteinander

Saarbrücker Ingenieure tüfteln an flexibleren Fördersystemen. Sie wollen Tausende Transportrollen miteinander kommunizieren lassen, die so auf Unvorhergesehenes reagieren können. Das Geheimnis steckt in den Motoren im Innern der kleinen Räder. 

Förderband: In der Fabrik der Zukunft sollen Fördersysteme deutlich flexibler sein. Saarbrücker Forscher arbeiten an einem Netzwerk, in dem Tausende Transportrollen miteinander kommunizieren und auf Pannen umgehend reagieren können. 

Förderband: In der Fabrik der Zukunft sollen Fördersysteme deutlich flexibler sein. Saarbrücker Forscher arbeiten an einem Netzwerk, in dem Tausende Transportrollen miteinander kommunizieren und auf Pannen umgehend reagieren können. 

Foto: Jens Wolf/dpa

Nicht nur für große Logistikzentren sind sie unverzichtbar, auch kleine und mittelständische Unternehmen benötigen sie oftmals: Fördersysteme, die die unterschiedlichsten Dinge von A nach B transportieren. Doch bereits kleine Fehler können in diesem Netzwerk relativ große Folgen haben. Eine einzige kaputte Rolle führt beispielsweise mitunter dazu, dass ein Paket erst gar nicht losgeschickt wird oder ein Koffer im falschen Flugzeug landet.

Mitdenkende Fördersysteme

Ganz im Zeichen der Industrie 4.0  wollen Saarbrücker Ingenieure der Universität des Saarlandes Fördersysteme flexibler machen und sogar mitdenken lassen. „Wir setzen an der einzelnen Transportrolle an“, verrät Professor Matthias Nienhaus von der Saar-Universität. Und bereits die einzelne Rolle hat es in sich.

Zusammen mit Partnern der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes hat das Team jedes Förderrädchen mit eigenem Motor und intelligenter Ansteuerung ausgestattet. So könnten die Rollen künftig im laufenden Betrieb unterschiedliche Daten sammeln und diese mit anderen Rollen austauschen. Noch wird die Entwicklung ausgiebig getestet und modifiziert. 

Mithilfe von Magnetfelddaten Verschleiß vorbeugen

Um den möglichen Verschleiß einer einzelnen Rolle schon frühzeitig zu erkennen und damit einen drohenden Ausfall zu verhindern, greifen die Forscher an bestimmten Punkten im Motor gezielt Messdaten ab – darunter auch solche, die verraten, wie die Stärke des magnetischen Feldes verteilt ist.

Antriebstechniker Matthias Nienhaus von der Saar-Uni macht mit Kooperationspartnern die Motoren im Inneren von Transportrollen zum Sensor, um Förderstraßen mit Transportrollen neue Fähigkeiten zu geben.

Antriebstechniker Matthias Nienhaus von der Saar-Uni macht mit Kooperationspartnern die Motoren im Inneren von Transportrollen zum Sensor, um Förderstraßen mit Transportrollen neue Fähigkeiten zu geben.

Foto: Oliver Dietze/Universität des Saarlandes

Dreht sich eine Rolle nicht mehr richtig, so „verrät“ dies der Motor sofort über sein verändertes magnetisches Verhalten. „Schon kleine Veränderungen lassen sich aus den Messdaten herauslesen“, sagt der Antriebstechniker Nienhaus. Welcher Motorzustand mit welchen Messwerten zusammenhängt, analysieren die Forscher in Berechnungen und Versuchsreihen und speichern die Ergebnisse sozusagen im Gehirn des Systems – einem Microcontroller, in dem die Daten verarbeitet werden.

Tausende Räder sollen miteinander kommunizieren

Dadurch, dass jede Rolle über ein Netzbetriebssystem verfügt, ergibt sich ein Netzwerk, das in der Praxis schnell aus mehreren tausend Rädern bestehen kann, die alle miteinander kommunizieren. Somit werden die Folgen selbst unvorhergesehener Vorfälle und Ereignisse kleiner als sonst, da das System flexibel auf sie reagieren kann.

Generell könnten Transportstraßen so gänzlich neue Fähigkeiten erlangen, erklärt Nienhaus. „Über Daten zum Drehmoment können etwa Rückschlüsse gezogen werden, wie schwer die beförderte Kiste ist und dass noch eine Packung reinpasst.“ Aktuell stehen die Forscher vor der Herausforderung, das Transportsystem so weiterzuentwickeln, dass es frei auf dem Boden beweglich ist. 

Vom 25. bis 29. April zeigen die Forscher ihre Entwicklung auf der Hannover Messe (Halle 2, Stand B 46). 

Von Jan-Martin Altgeld Tags:

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