Engineering 30.10.2009, 19:43 Uhr

Innovative Unternehmen denken in Prozessen  

Es tut sich was im Umgang mit dem Produkt-Lebenszyklus-Management, kurz PLM. Das belegen aktuelle Studien. In der Automobilbranche ist die Umsetzung bereits besonders weit. Beim Thema Softwareintegration gibt es allerdings noch Diskussionsbedarf. VDI nachrichten, Düsseldorf, 30. 10. 09, ciu

„Wir erkennen gegenüber unserer letzten Untersuchung im Jahr 2004 eine Veränderung der Sichtweisen im Umgang mit dem Thema PLM“, stellte Prof. Michael Abramovici bei der Präsentation der Studie „Benefits of PLM 2009“ kürzlich in Düsseldorf fest. Sein Team vom Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik (ITM) an der Ruhr-Universität Bochum hatte dazu zusammen mit IBM Global Business Services 60 Experten aus 25 weltweit agierenden Unternehmen in der Automobilindustrie befragt.

Abramovici verdeutlichte: „In der Automobilindustrie wird PLM nun weitgehend als ganzheitlicher Managementansatz betrachtet, der Strategien, Prozesse, Methoden und IT-Lösungen umfasst.“ Weniger als in der Vergangenheit werde inzwischen der Fokus auf das Engineering gelegt. So betrachteten nur noch zwei der Befragten PLM als Integrationsplattform für Engineering-IT-Systeme wie CAD oder Produktdaten-Management (PDM). Die Studie verdeutlicht auch, dass ein Zusammenhang zwischen der Nutzung von PLM und der Innovationsfähigkeit der Unternehmen besteht. So machten 53 % der führenden PLM-Anwender ihren Umsatz mit Produkten, die jünger als drei Jahre sind. Bei den Nachzüglern lag der Anteil an Neuprodukten dagegen lediglich bei 28 %.

Nachdem die Datenintegration von mechanischen CAD-Lösungen und ERP-Systemen weitgehend gelöst sei, arbeiteten die Anwender laut der Studie nun zunehmend an der Integration von Lösungen zur Elektrotechnikplanung (E-CAD) und Softwareentwicklung. Der Nutzen der Datenintegration ist für die befragten Firmen dabei bereits jetzt belegbar. Die Unternehmen erreichten eine durchschnittliche Verkürzung der Entwicklungszeit von 17 % sowie eine Reduzierung der Anzahl der Änderungen im Entwicklungsprozess um 11 %.

Die Studie erfasste aber auch Effekte, die auf Veränderungen der gesamtwirtschaftlichen Situation zurückzuführen sind. „Im Rahmen der Studie haben wir festgestellt, dass bedingt durch die Wirtschaftskrise etwa 88 % der befragten Unternehmen die PLM-Investitionen kurzfristig gestreckt oder gestoppt haben“, schilderte ITM-Leiter Abramovici. Dennoch planten alle befragten Unternehmen bis 2012 umfassende Organisationsvorhaben im PLM-Umfeld, da weiterer Handlungsbedarf bestehe.

Verschoben haben sich allerdings die wesentlichen Herausforderungen für die Automobilindustrie. Während 2004 noch Kostenreduzierung, Globalisierung und Erschließung neuer Märkte sowie die Prozess- und IT-Harmonisierung das Handeln prägten, sei nun die Bewältigung der Absatzkrise das Hauptziel der Branche. Ebenso gelte es nun verstärkt die Position im globalen Wettbewerb zu stärken und den technologischen Wandel zu beherrschen. Letzteres bezieht sich beispielsweise auf die Nutzung umweltfreundlicher Technologien sowie den Einsatz neuer Werkstoffe.

Abramovici: „Mit unserer Studie können wir die Einflüsse des PLM-Reifegrades auf messbare Erfolgsfaktoren eines Unternehmens transparent aufzeigen.“ Es liege nun an den Unternehmen, die Ergebnisse für ihre individuellen Bedürfnisse richtig zu interpretieren und die Weichen für eine zukunftsträchtige PLM-Strategie zu stellen – „gerade jetzt in der Krise“.

Außerhalb der Automobilindustrie sind inzwischen auch Veränderungen im PLM-Umfeld zu erkennen. So stellte eine im August vom Sendler/Circle-IT-Forum, München, bei einer Erhebung unter Anbietern von Engineering-Software fest, dass der Umstieg von 2-D- auf 3-D-CAD sowie die generelle IT-Harmonisierung an Bedeutung verloren haben, während die Nutzung von Internetgruppen hier noch keine große Bedeutung erreichen konnte. Dagegen gewönnen Bereiche außerhalb der mechanischen Konstruktion zunehmend an Bedeutung. Das gilt nach der Untersuchung für CAD-Systeme zur Elektrotechnik- und Elektronikentwicklung ebenso wie für Lösungen zum Prozess- und Projektmanagement sowie zur technischen Dokumentation. Das lasse laut Sendler/Circle darauf schließen, dass die verteilte Produktentwicklung zunehmen wird.

Gleichzeitig belegt die Erhebung unter den Lösungsanbietern, dass sich die Anwendungsfelder im Produkt-Lebenszyklus-Management in der Prozesskette, ausgehend von der Produktentwicklung, sowohl nach vorne als auch nach hinten ausweiten. Am besten seien dabei Potenziale von PLM zu nutzen, wenn auch Daten von der Ideenfindung und der Nutzungsphase bei der Entwicklung neuer Produkte zu Verfügung stünden.

Daher gilt es für Lösungsanbieter nun, die Weichen zu stellen. Dabei gibt es durchaus auch kritische Aspekte zum Integrationsbestreben der Branche. In der aktuellen Ausgabe des Magazins Economic Engineering sprach z. B. Karl Heinz Zachries, Geschäftsführer von Contact Software, Bremen, durchaus selbstkritisch über „Fehleinschätzungen der PDM- und PLM-Anbieter“ hinsichtlich der Kundenwünsche und Marktanforderungen. Laut Zachries präge immer noch ein in der Zeit von 2-D-CAD entstandenes Leitbild die Entwicklung nahezu aller PDM-Systeme, was sich auch beim PLM-Thema niederschlage. Dabei sei die Komplexität heutiger Produkte in 3-D-Modellen deutlich höher.

Zachries erklärte: „Eine stärkere Integration bedeutet auch, dass immer mehr Sachverhalte voneinander abhängig werden.“ Die systemimmanenten Abhängigkeiten nehme der Anwender als Komplexität und wenig intuitive Bedienbarkeit des Softwaresystems war. Damit behindere die Direktintegration über die komplette Prozesskette die Arbeitsteilung und führe dazu, dass Anwender private Datenbestände aufbauten.

Laut Contact-Geschäftsführer gelte es daher, Abschied von der Vorstellung zu nehmen, dass alle produktbeschreibenden Dateninformationen zu jedem Zeitpunkt in einem zentralen Datentopf liegen und alle Anwender Veränderungen stets als Datenbanktransaktionen durchführen. Zudem sollten sich die Systemarchitekturen viel stärker an der machbaren Arbeitsteilung orientieren.

Zachries plädierte gegenüber dem Engineering-Magazin zudem dafür, dass Mitarbeitern unabhängig von der zentralen Datenbank persönliche Arbeitsbereiche zur Verfügung stehen. Durch eine neue Softwarelösung, dem Workspace Manager, will sein Unternehmen dabei künftig dafür sorgen, dass dennoch relevante Daten im Arbeitskontext zwischen der PDM-Datenbank und dem privaten Arbeitsraum auf einfache Weise synchronisiert werden können. Damit entstehe ein praktikabler Mittelweg zur Komplettintegration. M. CIUPEK

Von M. Ciupek
Von M. Ciupek

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