Engineering 13.04.2007, 19:27 Uhr

Ingenieurdienstleister schwimmen auf einer Auftragswelle  

VDI nachrichten, München, 13. 4. 07, kip – Immer häufiger sucht die Industrie zeitlich begrenzte Unterstützung ihrer eigenen Personalkapazitäten durch externe Ingenieurgesellschaften. Das erhöht die Flexibilität. Engineering-Dienstleister profitieren von diesem Trend und warten in Hannover auf interessierte Fachbesucher.

Michael Witte ist zufrieden: Ein Umsatzplus im zweistelligen Bereich im vergangenen Jahr ist ein respektabler Schritt vorwärts. Doch es hätte mehr sein können. „Wir finden auf dem Arbeitsmarkt nicht genügend Ingenieure, die unseren Anforderungen genügen. Das begrenzt unser Wachstum“, räumte der Vorstand vom Münchner Ingenieurdienstleister Euro Engineering AG ein. Immerhin 250 neue Ingenieurarbeitsplätze schufen die Münchner im vergangenen Jahr. Doppelt so viele hätten es aber durchaus sein können. „Arbeit haben wir genug für Ingenieure, wenn wir sie nur fänden.“

Ähnlich das Bild auch bei Brunel in Bremen, oder der Gummersbacher Ferchau Engineering, nach eigenen Angaben Marktführer in Deutschland für Ingenieurdienstleistungen auf Basis von Personalverleih: 320 Neueinstellungen allein bei den Ingenieuren im vergangenen Jahr.

Das Geschäft mit der Ingenieurdienstleistung in Deutschland boomt. Und das bereits seit Jahren, Tendenz steigend. Starke Nachfrage registriert Witte vornehmlich aus der Automotive-Industrie, aber auch dem Maschinen- und Anlagenbau: „Die sehr gute Auftragslage der deutschen Unternehmen im Maschinenbau spüren wir auch als Engineering-Dienstleister“. Immerhin gelten die deutschen Industrieunternehmen „als die Maschinenbauer Europas“. Wegen der aufgeschobenen Nachfrage aus dem Inland und dem europäischen Markt sieht Witte hier auch weiterhin gute Wachstumsimpulse für sein Unternehmen.

Was die drei Ingenieurdienstleister so anhaltend erfolgreich macht, ist ein verändertes Nachfrageverhalten der Industrie. Die greift wegen der zunehmenden Marktschwankungen verstärkt auf externe Engineering-Ressourcen und -Services zurück. Der Vorteil: Die Industrieunternehmen können auf schwankende Auftragslagen flexibler reagieren, ohne Ingenieure als neue Mitarbeiter einstellen zu müssen. Vor allem mittelständische Unternehmen halten sich so den Rücken frei. Meist sind es Zulieferer aus der Automotivindustrie, die diese Chancen nutzen.

Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse IWK in München und lange Jahre in der strategischen Konzernplanung sowie Chefvolkswirt bei bei BMW, sieht die Ursachen auch in dem anhaltende Trend der Automobilhersteller, wachsende Auftragsvolumen an ihre Zulieferer zu vergeben, die dafür auch die notwendigen Produktentwicklungen erbringen. Das führt zwangsläufig zu einer steigenden Nachfrage nach Ingenieurdienstleistungen auf Seiten der Zulieferer, während die Automobilbauer selber immer weniger Großprojekte oder die Entwicklung ganzer Fahrzeugderivate nach außen vergeben.

Full-Service-Anbieter unter den Engineering-Unternehmen mit Gesamtfahrzeugkompetenz und globaler Präsenz wie beispielsweise Edag in Fulda oder Karmann in Osnabrück traf diese Umschichtung in den vergangenen Jahren hart. Die schmerzhafte Folge: Überkapazitäten und Personalabbau. Die teuren Kostenstrukturen erwiesen sich bei den zumeist kleineren Projekten der Zulieferer als nicht mehr wettbewerbsfähig. Edag zog vor kurzem die Konsequenzen aus dieser Marktentwicklung und stieg mit der neu gegründeten ED Work GmbH selber ins Geschäft für Personaldienstleistung ein. Das erklärte Ziel: Vermittlung und Überlassung von Ingenieuren und Fachpersonal auf Zeit für die produzierende Industrie.

Der immense Ertragsdruck in der Branche „hat das Nachfrageverhalten völlig verändert“, erklärte Becker. War früher eine mittlere Kombination aus den bestimmenden Faktoren Kosten und Technologie gefragt, sind es heute die Extreme. „Für die Industrie ist entweder das Kostenargument entscheidend oder bei hoch komplexen Entwicklungsleistungen die Beherrschung von Technologie“, so Becker. Entwicklungsdienstleister müssen sich daher auf einen der beiden Faktoren spezialisieren. Da wundert es nicht, dass Dienstleister wie etwa Euro Engineering mit ihren kostengünstigeren Geschäftsmodellen boomen. BERNHARD ROSE

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