Maschinenbau 08.09.2006, 19:23 Uhr

Ingenieurbüros halten Spezial-Know-how auf Abruf bereit  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 8. 9. 06, ciu – Flexibilität ist in Zeiten schwankender Marktnachfrage der größte Trumpf erfolgreicher Maschinenbauunternehmen. Spezialwissen für die Entwicklung neuer Produkte kommt in Baden-Württemberg oft auch von externen Ingenieurdienstleistern, die sich in unterschiedliche Aufgaben hineindenken können.

Fachkräfte werden immer wichter: 7000 Ingenieurstellen im deutschen Maschinenbau sind im Frühsommer dieses Jahres unbesetzt geblieben. 41 % der Hersteller übergaben deshalb Kundenaufträge an andere Unternehmen, 39 % beschäftigten Leiharbeitskräfte. Diese Zahlen veröffentlichte der Verband Deutscher Maschinen und Anlagenbauer (VDMA). Aber auch um flexibel zu bleiben, holen Unternehmen in der Maschinenbaubranche immer öfter Leihingenieure an Bord oder nutzen Ingenieurbüros, um mit ihrer Hilfe Belastungsspitzen abzufangen. Die Feuerwehrfunktion ist aber nicht die einzige Rolle, die externe Ingenieure im Maschinenbau spielen.

Für die Entwicklungsabteilung der MAG Powertrain zum Beispiel arbeiten im Schnitt fast kontinuierlich drei Ingenieurbüros unterschiedlicher Ausprägung. In dem im Januar 2006 neu gegründeten Unternehmen ist unter anderen auch die Traditionsfirma Cross Hüller aufgegangen. „Natürlich wäre es für mich am Einfachsten, wenn ich alles im Haus planen, konstruieren oder dokumentieren lassen könnte“, erklärt der Entwicklungsleiter Thomas Bayha bei MAG Powertrain in Eislingen. Doch der Arbeitsanfall an Auftragskonstruktionen und Neuentwicklungen beim Werkzeugspezialisten, der rund um Stuttgart an verschiedenen Standorten arbeitet, ist nicht so gleichmäßig, dass ein aufgestockter Ressourcen-Pool stetig ausgelastet werden könnte.

Aber auch wenn die Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros für Thomas Bayha zusätzliche Arbeit bedeutet – Aufgaben-Briefing, sichere Vertragsgestaltung, Konstruktionsabstimmungen – sind externe Ingenieure doch oft auch ein erfrischendes Element und die Träger neuer Ideen und Methoden.

Bayha: „Wir beschäftigen Ingenieurbüros, damit sie uns entlasten aber sicherlich profitieren wir auch das eine oder andere Mal von der Kreativität und dem speziellen Know-how, das erfahrene Ingenieure automatisch in die Zusammenarbeit mit einbringen.“

Darüber hinaus hat die enorme technologische Entwicklung im Maschinenbau zu einer Spezialisierung geführt, deren einzelne Fach-Zweige unmöglich alle im eigenen Haus vorgehalten werden können. So ist es beispielsweise MAG Powertrain mit Hilfe der Simulationstechnologie eines Gussspezialisten gelungen, ein sehr kompliziertes Schweißteil durch ein Gussteil zu ersetzen. „Ohne die Expertise des Partnerbüros wäre diese Innovation nicht möglich gewesen“, betont der Entwicklungsleiter Bayha.

Genau darin liegt für Achim Korherr, Leiter der Trossinger Zweigstelle des Ingenieurbüros Schuler Konstruktionen mit Sitz im oberschwäbischen Ravensburg, die besondere Stärke der Entwicklungsdienstleister für die Maschinen- und Werkzeugbauer. Das siebenköpfige Team hat sich auf die Konstruktion von Sondermaschinen spezialisiert und unterstützt seit langem Ex-Cell-O und Cross Hüller, heute MAG Powertrain.

„Auch wenn die Aufgabenstellungen oft stark vorgegeben sind und keinen großen Raum für freie Entwicklungen lassen, schöpft der Hersteller in der Detailausführung Vorteile aus unserem Erfahrungswissen“, ist Korherr überzeugt. Seine Begründung: „Als Dienstleister sind wir es gewohnt, immer über den Tellerrand zu blicken, die unterschiedlichsten Zuliefererangebote zu studieren und aktuellste technologische Entwicklungen im Auge zu behalten.“ Für Korherr sind die Kontakte und das Wissen darüber, welcher Zulieferer und welches Engineering-Büro über welche Fähigkeiten verfügt, ebenso wichtig wie die fachliche Kompetenz, die ein freies Ingenieurbüro besitzt.

Tatsächlich sind es nicht nur fachliche Anforderungen, die heute Ingenieurbüros zusätzlich erfüllen müssen. Thomas Bayha von MAG-Powertrain: „Die Aufgabenstellungen sind komplexer geworden und darüber hinaus erwarten wir, dass Ingenieurbüros auch technisch unsere Sprache sprechen.“

Die Digitalisierung der Industriewelt hat ein K.o.-Kriterium geschaffen, das früher keine Rolle für Ingenieurbüros spielte: Damit die Zusammenarbeit schneller und ohne IT-Medienbrüche funktioniert, müssen Ingenieurbüros heute auch mit den CAD-, PPS- oder PDM-Systeme arbeiten können, die der Auftraggeber installiert hat. Nur so lassen sich CAD-Daten und Stücklisten sofort weiterverarbeiten. Schuler Konstruktionen in Trossingen hält z. B. drei verschieden 3-D-CAD-Systeme vor. Im Gesamtunternehmen sind sogar sämtliche gängigen 2-D- und 3-D-Systeme im Einsatz. Ein Fakt, der heute die Wirkungsmöglichkeiten von Einzelkämpfern eindeutig einschränkt.

Auch für neue Themen sollten selbstständige Ingenieure immer ein offenes Ohr haben. So wie es Rüdiger Wittke hatte, als er nach dem Inkrafttreten der EG-Maschinenrichtlinie im Jahr 1995 merkte, dass viele Unternehmen bei der Umsetzung des CE-Konformitätsverfahrens Probleme hatten.

Als Steuerungstechniker hatte Wittke 1982 sein Ingenieurbüro in Stuttgart gegründet. Bald darauf übernahm er für die Robert Bosch GmbH bei Auftragsprojekten als Generalunternehmer die einzelnen Dienstleistungen etwa des Maschinenbauers, Softwareentwicklers oder Elektrotechnikers . Inzwischen steht das Ingenieurbüro Wittke, heutiger Sitz in Maulbronn im Enzkreis, mit 13 Mitarbeitern für alles, was mit den Themen „CE-Kennzeichnung und Arbeitsschutz“ zusammenhängt: Normenrecherche, Gefahrenanalyse, Gefährdungsbeurteilung, Technische Dokumentation, Übersetzung, Schulung etc. Auch MAG Powertrain steht auf der Auftraggeberliste der Maulbronner.

Aus den Erfahrungen der jahrelang parallel geführten Anlagenprojektierung zieht Wittke heute noch Nutzen. Der Ingenieur: „Der Trend, dass Auftraggeber sowohl Module wie auch Dienstleistungen aus einer Hand wünschen, hat sich fortgesetzt. Damit sind Kooperations- und Managementwissen zu einer wichtigen Größe innerhalb eines Ingenieurbüros geworden.“ So greift etwa auch der Engineering-Dienstleister Ferchau auf das spezielle Know how im Bereich „CE-Kennzeichnung und Arbeitsschutz“ des Ingenieurbüros Wittke zurück und bietet es seinen Kunden in seinen Leistungspaketen an.

Auch Hochschulen haben sich schon auf die Anforderungen eingerichtet. Am Institut für Produktentwicklung der Universität Karlsruhe (IPEK) z. B. findet einmal im Jahr das Projekt „Integrierte Produktentwicklung“ statt, an dem 25 Studierende kurz vor ihrem Abschluss teilnehmen. Dabei bekommen die Studierenden von einem Unternehmen einen realen Auftrag und entwickeln fünf Monate unter intensiver Betreuung des IPEK marktfähige Produktlösungen. Am Ende des Projektes steht die Präsentation vor der Entwicklungsleitung und dem Vorstand, der über die Weiterentwicklung der Projekte entscheidet.

In diesem Jahr wurde so ein „Trinkwasseraufbereitungssystem der Zukunft“ für die Freudenberg entwickelt. Das Produkt aus dem Vorjahr, ein Tragesystem für Hoch-Entaster, ist nun im Katalog von Stihl zu finden.

Die Flexibilität, kompetente Spezialisten und Ingenieurbüros bei Bedarf einzubinden, wird daher weiter zu den Erfolgsrezepten von Baden-Württemberg gehören. GABI VISINTIN/CIU

Von Gabi Visintin/Martin Ciupek
Von Gabi Visintin/Martin Ciupek

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