Maschinenbau 23.01.2009, 19:39 Uhr

Industriesparte von Schaeffler bleibt solide  

Mit der Continental-Übernahme hat die Schaeffler-Gruppe, Schweinfurt, für Aufsehen in der Automobilbranche gesorgt. Als feste Stütze in Krisenzeiten könnte sich aber Industriesparte erweisen, wie das Interview mit Robert Schullan, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung des Unternehmensbereichs zeigt. VDI nachrichten, Schweinfurt, 23. 1. 09, ciu

Schullan: Für unsere Sparte war 2008 ein gutes Jahr. Wir hatten ein ganz stabiles 1. Halbjahr, mit hohen Zuwachsraten. Im 2. Halbjahr gab es Einbrüche in einzelnen Abnehmerbranchen wie dem Werkzeugmaschinenbau. Textilmaschinen und Druckmaschinen waren schon etwas früher stark rückläufig. Erneuerbare Energien und Bahntechnik sind dagegen Wachstumsfelder. Insgesamt gehen wir für 2008 von einem zweistelligen Umsatzwachstum aus.

International sehen wir auch noch Wachstumsmärkte, in Regionen die wir in den vergangenen Jahren für uns erschlossen haben und von denen wir heute profitieren.

Wie schnell schlagen Absatzrückgänge bei den Maschinenherstellern auf Ihr Geschäft durch?

Erfahrungsgemäß gibt es hier Verzögerungen, bis wir das in unseren Auftragseingängen spüren. In Teilbereichen haben sie uns bereits erreicht.

Wie machen sich dabei auch die Probleme in der Automobilindustrie in den Zahlen der Industriesparte bemerkbar?

Wir sehen eine Verknüpfung über viele Bereiche wie die Automatisierungstechnik, die Fördertechnik und auch die Werkzeugmaschinen. Darüber hinaus gibt es weitere Einflüsse zum Beispiel durch eine verringerte Logistik, was sich etwa in einer geringen Nachfrage nach Gabelstaplern und Lkw zeigt.

Erneuerbare Energien sowie Rohstoffgewinnung und -verarbeitung entwickeln sich laut VDMA derzeit sehr gut. Gehören Sie zu den Profiteuren?

Ja! Wir haben uns seit einigen Jahren – soweit das möglich war – auf die neuen Geschäftsfelder eingerichtet. Zu unseren Hauptabnehmern gehören da inzwischen die Wind- und Wasserkraft, wo wir sowohl Getriebe- als auch Turbinenhersteller beliefern. Dafür können wir ein komplettes Portfolio anbieten, das von Produkten bis hin zum Condition Monitoring – also der Zustandsüberwachung – und der Wartungsunterstützung reicht. Ich zähle aber auch die Landtechnik hinzu, wo u. a. Biokraftstoffe für eine gute Nachfrage sorgen, aber auch die Solartechnik, wo wir Lösungen für die Fertigung liefern, z. B. Lineartechnik.

Wie arbeiten Sie mit innovativen Anwendern Ihrer Produkte zusammen?

Wir machen sehr viel im Bereich Entwicklung und sehen das als Wettbewerbsvorteil. Das beginnt schon bei unserer Vertriebsmannschaft, die fast ausschließlich aus Ingenieuren besteht. Da nehmen wir Kundenanforderungen vor Ort auf und bieten direkt Lösungen. Das geht weiter in den internen Bereichen Anwendungstechnik, Versuch und Entwicklung. Dazu verfügen wir über modernste Berechnungs- und Simulationsmethoden, sowohl für die Mechanik als auch die Elektrik und Steuerung. Mit all dem unterstützen wir unsere Kunden bei Neuentwicklungen und übernehmen auch Entwicklungsleistungen.

Konjunkturschwächen sind immer auch eine Gelegenheit Unternehmen straffer zu organisieren, Produktgruppen zu überdenken und neue Lösungen zu entwickeln. Wie sehen Ihre Planungen in dieser Hinsicht aus?

Wir betrachten die Krise in dieser Hinsicht als Chance. Gerade jetzt arbeiten wir noch enger mit unseren Kunden zusammen. Dabei geht es um Produktivitätssteigerungen, aber auch um das Thema Energieeffizienz. Grundsätzlich orientieren wir unsere Arbeit am Nutzen für unsere Kunden.

Ist in Ihrem Unternehmensbereich mit Entlassungen zu rechnen?

Es gilt für uns, ebenso wie für andere Wirtschaftsbereiche, betriebswirtschaftliche Grundsätze zu beachten. Aber soweit es möglich ist, werden wir Mitarbeiter aus Bereichen, die vom Absatzrückgang betroffen sind, in weiterhin wachstumsstarken Bereichen einsetzen.

In der Automatisierungstechnik geht der Trend dahin, mechanische Lösungen durch geregelte und synchronisierte Antriebe zu ersetzen. Als Wälzlagerhersteller dürfte Sie das nicht gerade freuen?

Wir sehen das positiv. Zum einen sehen wir künftig noch neue Einsatzbereiche für Wälzlager und auch der Anspruch an die Lagerstelle steigt, was uns entgegenkommt. Hier seien nur die Aspekte Energieeffizienz und Leistungsdichte von Lagerungen zu nennen, in denen wir führend sind. Auf der anderen Seite haben wir auf den Mechatroniktrend bereits reagiert, indem wir über unsere Tochtergesellschaft IDAM in Thüringen Direktantriebe im Portfolio haben, inklusive der Messtechnik und gewissem Steuerungs-Know-how. Wir erwarten auch, dass sich dieser Bereich künftig noch stärker entwickeln wird. Den Systemgedanken sehen wir als Megatrend. Darauf richten wir uns ein.

Verschiebt sich damit auch die Kompetenz im Produktionsbereich?

Richtig! Wir sprechen nicht nur von Entwicklungs-Know-how. Es geht um das Prozessmanagement und Prozess-Know-how insgesamt. Da können wir Erfahrungen aus unserer Automobilsparte nutzen, die da schon weiter ist.

Sehen sie auch bei der reinen Mechanik noch Verbesserungspotenziale?

Wir sind überzeugt, dass das trotz der über 125-jährigen Geschichte des Kugellagers nie aufhören wird. In dem wir gezielt auf Anwendungen eingehen, gibt es kontinuierlich Verbesserungen. Das muss nicht immer die Steigerung von Leistungsdaten sein. Es kann auch eine gezielte Anpassung an die Erfordernisse sein. So muss das Lager einer Bohrmaschine für den Heimwerkerbereich nicht unbedingt auf 1000 Betriebsstunden ausgelegt sein, wie bei anderen Geräten. Außerdem lässt sich auf individuelle Anforderungen durch Entwicklungen in der Werkstofftechnik inklusive entsprechender Wärmebehandlung sowie der Beschichtungstechnik noch gezielter eingehen. Das reicht bei uns bis in den Bereich der Grundlagenforschung.

Plagiate waren in den vergangenen Jahren ein ernsthaftes Thema für Ihre Branche. Haben Aktionen wie öffentliche Plagiatvernichtung schon Erfolge gezeigt?

Hinsichtlich der Sensibilisierung der Anwender hat sich das sicher gelohnt. Schließlich können minderwertige Lager beim Bruch zu schwerwiegenden Folgen bis hin zum Personenschaden führen. Allerdings sehen wir weltweit immer noch keinen Rückgang bei den Aktivitäten der Fälscher. Daher verstärken wir unseren Einsatz und verfolgen jeden Fall bis zur gerichtlichen Klärung.

Statt einer Prognose für 2009: Was wünschen Sie sich für 2009?

Ich wünsche mir eine schnelle Überwindung der weltweiten Krise. Das hängt vor allem mit der Stabilisierung des Finanzsektors zusammen, wo noch Hausaufgaben zu machen sind. Da wir in der Branche ohnehin bereits in einer konjunkturellen Abwärtsbewegung waren, würde die Verschlechterung bei der Finanzierung die Situation noch zusätzlich belasten. Die Stabilisierung des Finanzmarktes ist daher sehr wichtig. M. CIUPEK

Von M. Ciupek
Von M. Ciupek

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