Hannover Messe 24.04.2018, 09:23 Uhr

Endress+Hauser gewinnt den Hermes Award 2018

Pünktlich zur Hannover Messe wurde der begehrte Hermes Award verliehen, der alljährlich an besonders innovative Unternehmen geht. Der Gewinner 2018 hat ein intelligentes Thermometer entwickelt, das sich selbst kalibrieren kann. Die Erfindung hat das Potenzial, mit ihrer Technologie zum innovationstreibenden Faktor in der Industrie 4.0 zu werden.

Schmuckbild des Sensors

Dieses Thermometer bescherte Endress-Hauser den Oscar der Ingenieure.

Foto: Mark Reddy/Endress+Hauser

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, zwei Vertreter des Unternehmens Endress+Hauser und Juryvorsitzender Wolfgang Wahlster auf dem Podium

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Juryvorsitzender Wolfgang Wahlster (re.) vergeben den Hermes Award 2018 an Vertreter von Endress+Hauser.

Foto: Deutsche Messe AG

Henrik A. Schunk, geschäftsführender Gesellschafter der Schunk GmbH & Co. KG mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka auf dem Podium

2017 nahm Henrik A. Schunk, geschäftsführender Gesellschafter der Schunk GmbH & Co. KG, den Hermes Award von Bundesforschungsministerin Johanna Wanka entgegen.

Foto: Deutsche Messe AG

Die Hannover Messe ist weltweit bekannt, bringt diese schließlich jedes Jahr innovative Unternehmen und ihre Produkte hervor. Schon seit 15 Jahren wird im Rahmen dieser internationalen Industriemesse der Hermes Award verliehen, um eben solche Innovationen zu fördern und damit ihren Markteinstieg zu erleichtern.

GEWINNER: Smartes Thermometer mit ausgeklügeltem Sensor

Für 2018 steht der Gewinner des renommierten Preises fest. Die Endress+Hauser Messtechnik GmbH + Co. KG erhielt den Hermes Award für den iTHERM TrustSens TM371, ein hygienisches Kompaktthermometer mit einem selbstkalibrierenden Sensor. Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, hat den Preis persönlich überreicht.

Bisher wurde viel Aufwand betrieben, um Thermometer im Bereich der Prozesstemperatur-Messung zu kalibrieren. Ganze Anlagen mussten für den Ausbau und die anschließende Nachkalibrierung der Thermometer stillgelegt werden. Durch das neue Kompaktthermometer von Endress+Hauser sind solche Arbeitsschritte nicht mehr notwendig, denn die automatische Temperaturkalibrierung des Sensors erfolgt mithilfe eines intern integrierten Referenzsensors. Die automatisierte Kalibrierung ist auditsicher und somit ein echter Zugewinn für viele technische Anlagen – insbesondere in der Pharma- und Lebensmittelindustrie, wo schon leichte Temperaturabweichungen zu verheerenden Folgen führen können.

Die Innovationsstärke war am Ende auch das Kriterium für die diesjährige Jury: „Smarte Sensorik ist ein wichtiger Treiber der nächsten Stufe von Industrie 4.0. Gerade weil in einer Smart Factory die Dichte der Sensorik extrem ansteigt, wird die auditsichere Selbstkalibrierung der Sensoren ohne Anlagenstillstand zum wirtschaftlichen Erfolgsfaktor“, sagte Juryvorsitzender Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), am Sonntag.

Vier weitere Unternehmen und ihre Entwicklungen waren dieses Jahr ebenfalls nominiert für den Hermes Award.

Nominiert: Augmented Reality beim Schweißen

Interessant war auch das mobile Laserschweißsystem der Firma ALPHA LASER aus dem bayerischen Puchheim. Ein neuartiges mobiles Konzept für flexible Reparaturschweißarbeiten. Das Besondere an diesem Konzept: Die Visualisierung des Schweißprozesses funktioniert über eine 3D-Laserschutzbrille – also eine Art erweiterte Realität bzw. Augmented Reality (AR) im Bereich des Schweißens. Das Laserschweißgerät selbst wird wie eine Pistole gehalten und ist ergonomisch ausgearbeitet. Über die 3D-Laserschutzbrille werden die prozessrelevanten Daten sowie der vergrößerte Schweißbereich angezeigt. So kann der Schweißer noch genauer arbeiten und behält gleichzeitig die Umgebung im Blick.

Nominiert: Amerikanische Softwareplattform mit IoT-Technologie

Ebenfalls im Bereich von AR angesiedelt ist das Projekt Skylight Augmented Reality des US-amerikanischen Unternehmens Upskill. Die AR-Plattform Skylight wurde bereits auf den Markt gebracht, die neue Version soll jedoch deutliche Verbesserungen in Sachen Qualität, Sicherheit und Genauigkeit enthalten. Die Technologie wird beispielsweise in Smart Glasses, also intelligenten Brillen, eingesetzt und soll Industrie-Arbeiter bei verschiedenen Arbeitsschritten unterstützen. So können Fehler in der Produktion auf ein Minimum gesenkt und die Produktivität gesteigert werden. Manche Unternehmen berichten bereits von Produktivitätssteigerungen von bis zu 46 Prozent durch den Einsatz von Skylight AR.

Nominiert: Fahrzeug-Sicherheitssystem von TH Ingolstadt und Continental

Nominiert wurde auch das Sicherheitssystem SAFE, das am Forschungs- und Testzentrum CARISSMA von Wissenschaftlern der TH Ingolstadt sowie Mitarbeitern der Continental AG entwickelt wurde. Das System kann mithilfe von Kamera-, Radar- und Lidarsensoren die Schwere eines zu erwartenden Unfalls vorhersagen und löst entsprechende Schutzsysteme aus. Durch die prädiktive Sensorik-Technologie können autonome Fahrzeuge in Zukunft noch sicherer gebaut werden. Für den Bereich der fahrerlosen Mobilität ist die Entwicklung nicht nur eine Innovation, sondern auch eine Notwendigkeit.

Nominiert: Exoskelett für die Entlastung des Menschen

Auch die GBS German Bionic Systems GmbH aus Augsburg mit ihrem Produkt German Bionic CRAY X wurde für den begehrten Hermes Award nominiert. Bei der Erfindung handelt es sich um ein aktives Exoskelett, das den Menschen bei schweren körperlichen Tätigkeiten entlasten soll. Dabei werden die menschliche Intelligenz sowie eine intelligente Mechatronik kombiniert und somit die Bewegungen des Exoskelett-Trägers verstärkt bzw. unterstützt. Das System kann über eine Smartwatch gesteuert werden. Angestellte mit körperlichen Einschränkungen könnten dadurch weiterhin in der Produktion eingesetzt werden.

Hermes Award 2017 ging an Schunk

Datenbrillen, mobile Sitzgelegenheiten und sensitive Blechbiegemaschinen – schon vor der Eröffnung der Hannover Messe 2017 sorgten die Nominierten des Hermes Awards für Aufsehen. Doch schlussendlich brachte das Familienunternehmen Schunk den Preis nach Hause. Zuhause, das ist Lauffen am Neckar und gewonnen hat Schunk mit einem intelligenten Greifer, der die Mensch-Roboter-Kollaboration in der Werkshalle voranbringen soll. Und dorthin ging der Preis, weil „das prämierte Produkt die Mensch-Roboter-Kollaboration unterstützt und damit ein zentraler Baustein für die vernetzte Fabrik ist“, wie Jochen Köckler, Mitglied des Vorstands der Deutschen Messe AG, bei der Verleihung sagte.

Je mehr Roboter in Produktionshallen eingesetzt werden, desto größer wird nämlich der Ruf nach einer sicheren Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. „Durch die geringe Losgröße, hohe Teilevarianz und häufiges Umrüsten ergibt sich die Notwendigkeit, einen Teil der Systemintelligenz auch in die Endeffektoren zu verteilen“, unterstrich Wolfgang Wahlster, Vorsitzender der Jury des Hermes Awards und der Geschäftsführung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI). Das sei Schunk mit dem JL1 in exzellenter Weise gelungen.

Den Greifer, den das Familienunternehmen Schunk aus Baden-Württemberg auf der Hannover Messe präsentierte, zeichnet eine eigene sensorische Aura aus. Damit überwacht der Co-act Greifer JL1 seine Umgebung, verarbeitet die anfallenden Signale (etwa ein näherkommender menschlicher Arm) in Echtzeit und verhindert selbstständig Kollisionen an der Werkbank. Abgesehen von seiner Kommunikationsfähigkeit ist der Greifer mit Kraftmessbacken und taktilen Sensoren ausgestattet und erfasst die zu greifenden Teile zusätzlich mit zwei Kamerasystemen als dreidimensionale Objekte. Er soll damit mehr Flexibilität und Sicherheit etwa in den Montageprozess bringen. Das Produkt ist marktfähig.

Nominiert waren 2017 außerdem eine mobile Sitzgelegenheit in der Produktion, eine Maschinensteuerung mittels Datenbrille, eine materialschonende Kabelverlegung und eine gefühlvolle Blechbiegemaschine.

Der Co-act transportiert Legosteine

Je mehr Roboter in Produktionshallen eingesetzt werden, desto größer wird der Ruf nach einer sicheren Zusammenarbeit von Mensch und Maschine. Den Greifer, mit dem das Familienunternehmen Schunk den Sieg holte, zeichnet eine eigene sensorische Aura aus. Damit überwacht er seine Umgebung, verarbeitet die anfallenden Signale (etwa ein näherkommender menschlicher Arm) in Echtzeit und verhindert selbstständig Kollisionen an der Werkbank.

Foto: Schunk

Der Gewinner Co-act 11 erkennt, wenn sich ihm etwas nähert.

Foto: Sven Cichowicz/Schunk

Screen der Augumenta Software

Das finnische Unternehmen Augumenta hat sich auf tragbare Geräte für Industrie 4.0 spezialisiert und für den Hermes Award 2017 ein Smart Panel eingereicht, das ohne physisches Bedienfeld auskommt. Die Informationen werden ausschließlich autorisierten Nutzern eingeblendet, die spezielle Datenbrillen, sogenannte Smartglasses, tragen. So können dem Anwender 3D-Benutzeroberflächen und Steuerelemente, aber auch Datenfelder und Grafen auf einem virtuellen Bildschirm angezeigt werden.

Foto: Augumenta Ltd.

Zwei Männer an der Blechbiegemaschine

Blech ist nicht gleich Blech. Jedes Werkstück kann sich in seinen Materialeigenschaften von dem vorhergehenden unterscheiden und Blech-Biegeautomaten vor große Herausforderungen stellen. Das Linz Center of Mechatronics aus Österreich stellte auf der Hannover Messe 2017 einen Blech-Biegeautomaten des italienischen Herstellers Salvagnini vor, der verschiedene Charakteristiken erkennt und darauf reagiert. So soll Ausschuss vermieden und Losgröße 1 wettbewerbsfähig produziert werden.

Foto: Linz Center of Mechatronics GmbH

Kabelverlegung auf einem Feld

Die AGS-Verfahrenstechnik GmbH aus Stade hat eine Technik des Kabelverlegens zum Hermes Awards 2017 eingereicht, bei der das Kabel zugbelastungsfrei in ein Leerrohrsystem eingeführt wird. Der Clou: Das Kabel wird dazu in einem Transportrohr über Rollen in ein bewässertes Leerrohrsystem eingelassen und kann jederzeit gekühlt und ohne größere Baumaßnahmen ausgetauscht werden.

Foto: AGS Verfahrenstechnik GmbH

Schmuckbild des Hermes Awards

Da Produktionshallen mit Sitzgelegenheiten in der Regel eher mau bestückt sind, hat das Schweizer Unternehmen Noonee eine mobile Variante eines Stuhls entwickelt, den die Mitarbeiter stetig bei sich tragen können. Der Chairless Chair wird mit einem Eigengewicht von rund 4 kg am Körper befestigt und kann durch Knopfdruck eine Sitzposition einnehmen. Das Produkt wird individuell auf die Figur des Nutzers und seine gewünschte Sitzposition eingestellt und soll die Bewegungsabläufe des Mitarbeiters unterstützen.

Foto: Deutsche Messe AG

Hintergrund: Was ist eigentlich der Hermes Award?

Der Hermes Award ist ein Industriepreis. Er wird seit 2004 für technologische Innovationen und Produkte ausgelobt, die erstmals auf der Hannover Messe der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Schirmherrschaft liegt beim Bundesforschungsministerium und dem Land Niedersachsen. Der Hermes Award ist mit insgesamt 100.000 Euro dotiert und wird von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek übergeben.

Der Hermes Award wird gerne als „Oscar für Technologien und Innovationen in Industrieunternehmen“ bezeichnet, so etwa von Harting. Das Unternehmen erhielt den Hermes Award 2016 für dessen Mica, einen smarten Minicomputer, der z.B. in einem Konzeptfahrzeug die Antriebsdaten erfassen und die Emissionsdaten auf ihre Validität überprüfen konnte.

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