Unternehmensporträt 20.01.2012, 12:01 Uhr

Hatlapa: Der maritime Maschinenbauer

Im maritimen Maschinenbau müssen sich auch Mittelständler international aufstellen. Was die Globalisierung im Arbeitsalltag bedeutet, zeigt das Beispiel des maritimen Maschinenbauers Hatlapa aus Uetersen bei Hamburg.

Schriftstücke oder E-Mails aus England haben Alexander Nürnberg manches Mal zur Verzweiflung gebracht. „Britischer Humor ist ja etwas Besonderes“, schmunzelt der Geschäftsführer der Maschinenfabrik Hatlapa aus Uetersen bei Hamburg. Im Gespräch ist amüsant Gemeintes noch am Tonfall zu erkennen, doch manches Schreiben aus dem Tochterunternehmen im englischen Poole löste bei den Norddeutschen Stirnrunzeln aus: „Obwohl kein einziges Wort böse gemeint war“, so der promovierte Ingenieur. Das Beispiel zeigt: Im globalisierten Kommunikationsprozess können auch Kleinigkeiten zu einer Herausforderung werden.

Wie viele andere Unternehmen aus der maritimen Branche musste sich Hatlapa frühzeitig auf die Internationalisierung einstellen. Das Familienunternehmen produziert Winden, Rudermaschinen und Kompressoren für alle Typen von Schiffen: „Wer im Geschäft bleiben will, muss den Märkten folgen“, sagt Nürnberg.

Das Familienunternehmen Hatlapa wurde 1919 in Uetersen gegründet

Als das Familienunternehmen 1919 in Uetersen gegründete wurde, lieferten die Norddeutschen Winden für die Werften in Hamburg und an der Elbe, später auch für die Großwerften in Kiel und an der Weser. „Als die Neubauaufträge von deutschen Reedern häufiger nach Asien vergeben wurden, mussten wir uns auch dorthin orientieren“, sagt Nürnberg. Heute erzielt Hatlapa mehr als 93 % seines Umsatzes im Ausland.

Bereits 1988 und damit vor vielen anderen deutschen Unternehmen war Hatlapa in China präsent, „in richtiger Partnerschaft mit einem chinesischen Betrieb“, betont Nürnberg. Das Werk in Uetersen lieferte die technischen Unterlagen und anspruchsvollen Teile die Chinesen übernahmen den Stahlbau, montierten die Winden und lieferten sie an die Werften, die damals begannen im westlichen Auftrag Schiffe zu bauen.

Diese Partnerschaft hat bis heute Bestand. Für den Vertrieb der weiteren Produktpalette und für den Service gründete Hatlapa in 2009 eine eigene Niederlassung in Schanghai. Während das Engagement in China aus einer Zufallsbegegnung eines Vertriebsmitarbeiters mit Chinesen auf einer Messe begann, ist das Tochterunternehmen in Korea Ergebnis einer Lizenzlieferung an einen großen Technikkonzern: „Wir hatten das Glück, dass unser Partner die Lizenz zurückgegeben und diesen Produktionszweig aufgegeben hat.“ Hatlapa kaufte kurzerhand die Abteilung aus dem Konzern.

Hatlapa hat mit unfreiwilligem Technologietransfer zu kämpfen

Lizenzverträge enden häufig mit dem Auslaufen der Vereinbarung in einem unfreiwilligen Technologietransfer: „Es ist kaum sinnvoll gerichtlich gegen den Know-how-Diebstahl vorzugehen“, warnt Nürnberg – Prozesse vor ausländischen Gerichten seien häufig langwierig, teuer und unkalkulierbar.

Vorausdenken und Vorbeugen ist Nürnberg ohnehin wichtiger als der Blick zurück. Äußerst ratsam sei es, sich im internationalen Geschäft umfassend und gut gegen Risiken abzusichern, die das heimische Mutterunternehmen treffen könnten. Beispiel USA: Verträge mit amerikanischen Partnern sollten niemals direkt von dem deutschen Mutterhaus, sondern von einem rechtlich davon unabhängigen Tochterunternehmen in den USA geschlossen werden: „Auch wenn Sie im Recht sind, stellen die in den Staaten üblichen Schadensersatzforderungen eine enorme Belastung dar, weil bis zum Urteil entsprechende Rückstellungen gebildet werden müssen.“

Wer als Unternehmen im Ausland Fuß fassen oder Partner finden will, braucht ohnehin ein gutes Maß an Fingerspitzengefühl. Hatlapa ist einer der führenden Hersteller für so genannte Ankerziehwinden – 500 t schwere Kolosse, die genügend Kraft für das Bewegen der Verankerungen von Bohrinseln entwickeln. Seit Jahren rüstet der Maschinenbauer damit Spezialschiffe aus, die auf Ölfeldern eingesetzt werden. Der Marktzugang ist in diesem Bereich nicht einfach, da nationale Anbieter in der Offshore-Industrie bevorzugt werden.

Auslandsinvestitionen von Hatlapa haben sich gelohnt: Umsatz von 40 Mio. DM auf heute 120 Mio. € gestiegen

Wenn dann im Ausland eine Produktionsstätte übernommen wird, ist Fingerspitzengefühl gegenüber der Belegschaft im Stammwerk erforderlich, denn Tochterunternehmen im Ausland werden häufig als Bedrohung des Arbeitsplatzes empfunden. „Letztlich muss das Engagement im Ausland eine gemeinsam getragene Entscheidung sein“, betont Nürnberg. Für Hatlapa zahlte sich dies aus: Der Umsatz stieg im Laufe der Jahre von 40 Mio. DM auf rund 120 Mio. € (gut 234 Mio. DM). Arbeitsplatzsorgen kennen die 400 Beschäftigten – darunter 40 Auszubildende – nicht.

Allerdings gibt es vor allem für die Beschäftigten in Vertrieb und Service Auswirkungen auf die Arbeitszeit. An allen Stellen mit Auslandskontakt ist der Tagesablauf so organisiert, dass es zeitlich möglichst große Überschneidungen mit den Partnern gibt. Wer mit Asien zu tun hat, fängt frühmorgens an, dann ist es in Korea nachmittags. Die Betreuer des amerikanischen Marktes beginnen mittags, dann kommen ihre US-Gesprächspartner gerade vom Frühstück.

Hatlapa richtet sich internationaler aus

Seit Beginn der 90er-Jahre erwartet Hatlapa von jedem Beschäftigten auch in der Produktion, dass er Englisch sprechen kann. „Das sollte bei einer internationalen Kundschaft eine Selbstverständlichkeit sein“, meint Nürnberg. Perfekt müssen die Kenntnisse nicht sein: „Zumeist ist es ja auch für den Gegenüber nicht die Muttersprache. Da nimmt dann jeder auf den anderen Rücksicht.“ Auch die Engländer haben das inzwischen verinnerlicht und wissen, dass britischer Humor manchmal etwas befremdlich wirken kann.

 

  • Wolfgang Heumer

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