Engineering 28.04.2000, 17:25 Uhr

Hat Ihr Produkt noch Zukunft ?

Es gibt eine erhebliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit und bedenkliche Wissenslücken bei kleinen und mittleren Unternehmen.

Bei der Auswertung der 263 Fragebögen zeigt sich vor allem eins: Während neun von zehn Unternehmen der Berücksichtigung ökologischer Kriterien eine hohe Bedeutung für die Zukunft der Produktentwicklung beimessen, hinkt die Praxis bei Materialauswahl, Entwicklungsverhalten und den angewandten Methoden erheblich hinter diesem Anspruch her. Außerdem zeigt sich ein bedenklicher Know-how-Abstand zwischen kleineren und großen Unternehmen.
Bei der Auswertung wurde für jede Frage eine Punkteskala angelegt und die einzelnen Fragenblöcke dann gewichtet, um statistische Unregelmäßigkeiten durch unterschiedliche Fragenzahlen in den einzelnen Blöcken auszugleichen.
Das Resultat ist signifikant: Große Unternehmen mit über 1000 Mitarbeitern haben im Mittel 60 % der Punktzahl, mittlere nur 47 % und kleine nur 45 % erreicht. Dabei sind die Unternehmensgrößen unter den Teilnehmern der Umfrage recht gleichmäßig verteilt: 27 % der teilnehmenden Unternehmen haben weniger als 100 Mitarbeiter, 34 % zwischen 100 und 999 und 26 % mehr als 1000. 13 % haben keine Angabe zur Unternehmensgröße gemacht.
Die Teilnehmerzahl ist eigentlich schon ein Ergebnis für sich: Wenn bei der Vielzahl der Leser der VDI nachrichten nur 263 Entwicklungsabteilungen deutscher Unternehmen antworten, dann ist zu befürchten, dass vielerorts die Wichtigkeit umweltgerechten Konstruierens noch nicht erkannt worden ist. Außerdem ist zu vermuten, dass die Ergebnisse jener Firmen, die nicht antworteten, im Schnitt schlechter waren als die der Teilnehmer.
Die Antworten zu den in den Produkten verwendeten Materialien und Strategien zur Materialauswahl zeigt, dass in zu vielen Unternehmen die Berücksichtigung ökologischer Kriterien noch keine kontinuierliche und systematische Aufgabe ist. Bei den 19 Fragen dieses Fragenkomplexes waren insgesamt 52 Punkte erreichbar. Im Durchschnitt wurden 45 % dieser Punktzahl erreicht, wobei große Unternehmen mit einem Schnitt von 51 % der Punktzahl bei den Methoden der Materialauswahl vor kleinen und mittleren Unternehmen bereits einen Know-how-Vorsprung belegen. Frappierend ist der Vorsprung der auf diesem Gebiet gut positionierten Unternehmen vor den Nachzüglern: 42 % der Unternehmen haben innerhalb der letzten ein oder zwei Jahre Untersuchungen zur Minimierung des Materialeinsatzes und der Materialvielfalt durchgeführt, 30 % hingegen noch nie und weitere 28 % zuletzt vor mehr als drei Jahren.
Das Problem liegt hier nicht nur in einzelnen Materialien, sondern auch in der Kombination von Stoffen. Schwer lösbare Verbindungen, unnötige Materialvielfalt und schadstoffhaltige Komponenten erschweren Rücknahme und Recycling von Produkten. Der Einsatz von Verbundstoffen und unlösbaren Materialverbindungen wird daher heute schon in vielen Unternehmen vermieden: Ein Drittel der Unternehmen hat weniger als 25 % irreversibel verbundene Materialien im Produkt fast jeder Fünfte verzichtet vollständig auf den Einsatz von entsprechenden Materialverbindungen, und nur 8 % der Unternehmen haben hierüber keine Kenntnis.
Aber der Wissensunterschied in Bezug auf schadstoffhaltige Bauteile und Komponenten stimmt bedenklich: Immerhin 7 % der Teilnehmer wissen nicht, ob sich in ihrem Produkt schadstoffhaltige Bauteile befinden. 55 % der Teilnehmer sind sich nicht einmal sicher, ob bei den im Produktionsprozess eingesetzten bzw. den im Produkt verbauten Schadstoffen überhaupt alle geltenden Verwendungsverbote berücksichtigt werden. Hier ist ebenfalls der Nachteil kleiner Unternehmen erheblich: Der Anteil der „Unwissenden“ ist bei den kleinen Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern drei Mal größer als bei den großen Unternehmen.
45 % der Unternehmen, die im Produkt oder im Herstellungsprozess organische Lösemittel einsetzen – das sind immerhin ein Drittel der Teilnehmer -, haben vor mehr als fünf Jahren oder noch nie eine systematische Untersuchung auf deren Vermeidung vorgenommen. Wenn man berücksichtigt, dass die Umsetzung der europäischen Lösemittelrichtlinie in deutsches Recht, die vielen Branchen produktspezifische Emissionsgrenzwerte vorgibt, in den kommenden zwölf Monaten ansteht, dann stimmt das bedenklich.
Einiges war erfreulich: 208 der 263 teilnehmenden Unternehmen kennen die Lebensdauer ihres Produktes und deren Vergleich zum Wettbewerb, 76 % setzen nach Möglichkeit lösbare Materialverbindungen ein, und 45 % der Teilnehmer haben schadstoffhaltige Bauteile so eingebaut, dass sie leicht erkennbar und zerstörungsfrei ausbaubar sind.
Schwieriger wird es aber bei messbaren Größen: Nur 44 % haben eine Abfallbilanz für den Produktionsprozess – obwohl diese bei nahezu allen größeren Unternehmen aufgrund der Sonderabfallmenge eine gesetzliche Vorschrift ist – und nur 34 % der Teilnehmer arbeiten an der kontinuierlichen Reduktion der Abfallmenge pro Produkteinheit im Herstellungsprozess. Ein Viertel der Teilnehmer hat die Anforderungen der Kunden bezüglich Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit der gelieferten Produkte noch nie ermittelt, weitere 12 % und sogar 25 % der kleinen Unternehmen halten dies sogar für unsinnig.
21 % der Teilnehmer, für deren Produkt nach eigener Einschätzung umweltgerechtes Konstruieren sinnvoll wäre, haben noch nie darüber nachgedacht, durch Verbesserung der Lebensdauer, Reparaturfreundlichkeit und Kundendienst zu einer anderen Geschäftsaufteilung mit Erhöhung des Dienstleistungsanteils zu kommen, eine noch größere Anzahl erwägt dies nicht einmal. Auch einige Hersteller von Maschinen und Motoren sahen in erhöhter Reparaturfreundlichkeit und Kundendienst keine Chance für die eigene Geschäftsentwicklung.
Besonders großer Nachholbedarf besteht in den Strategien für die „Nachgebrauchsphase“ der Produkte. Von den Unternehmen, deren Produkte nicht verbraucht werden und zumindest zu Teilen als Abfall anfallen, haben drei Viertel kein umfängliches und davon sogar mehr als die Hälfte überhaupt kein Konzept zu Produktrücknahme und -redistribution sowie Demontage.
Das Wissen über die Tools, die den Ingenieuren in den Entwicklungsabteilungen zur ökologischen Produktentwicklung zur Verfügung stehen, ist unterschiedlich gut. Immerhin kennen über drei Viertel aller Unternehmen mehr als drei verschiedene Instrumente wie Ökobilanzen, Ökoeffizienzanalysen und Aktionspläne zur Erlangung eines Umweltzeichens. Auffällig dabei ist, dass nur in zwei von drei Betrieben, die solche Instrumente kennen, diese auch angewendet werden. Vielen ist die Anwendung zu aufwendig, was der Forderung nach einfachen, entwicklungsbegleitenden Instrumenten Nachdruck verleiht. Insgesamt jedoch gibt es ein erhebliches Verbesserungspotential in diesem Bereich: Über alle Teilnehmer gemittelt wurden im Durchschnitt nur 39 % der Punkte erreicht. Kleine Unternehmen erreichten nur 32 % der Punkte, was für eine vergleichsweise schlechte Kenntnis der anwendbaren Instrumente spricht. Auffällig ist, dass die mächtigsten Instrumente in diesem Bereich aus Expertensicht zu selten angewendet werden: Nur 13 % der Teilnehmer wenden Ökobilanzen an, bei nur 30 % wird der Umweltbeauftragte in den Entwicklungsprozess regelmäßig eingebunden, was ein einfaches Mittel mit gutem Kosten/Nutzenverhältnis ist.
Nach Branchen verteilt haben die Elektro- und Elektronikindustrie und die Fahrzeugbauindustrie die Nase vorn: Die Teilnehmer dieser Branchen erreichten jeweils 56 % der möglichen Punkte. Unter den „Top 10“ der Teilnehmer finden sich dann auch je vier der beiden Branchen. RALF UTERMÖHLEN
Dr. Ralph Utermöhlen ist Geschäftsführer der an der Umfrage beteiligten Umweltberatungsgesellschaft Agimus in Braunschweig.
Alle Teilnehmer aus dem produzierenden und verarbeitenden Gewerbe erhalten in den nächsten Tagen eine individuelle Auswertung per Post, die Langform der Ergebnisse ist per Internet unter www.agimus.de zu bestellen – für alle Teilnehmer kostenlos, für Nichtteilnehmer zum Preis von 50 DM.
Umweltberater Ralf Utermöhlen: „Es herrscht großer Nachholbedarf beim Mittelstand.“
Sorgte vor Jahren für Furore: der erste FCKW- und FCK-freie Kühlschrank des sächsischen Unternehmens Foron. Die Foron-Entwickler bewiesen den Großen in der Branche, dass im ganz normalen Haushaltskühlschrank viel Potential steckt, um Schadstoffe zu vermeiden und Energie zu sparen.
Die Umfrage brachte wesentliche Defizite zutage: Viele Unternehmen haben kein ausreichendes Konzept zu Produktrücknahme sowie Demontage, nur wenige nutzen Instrumente zur ökologischen Bewertung der Produkte, jeder dritte Teilnehmer gab an, die Umwelteinwirkungen der Produkte nicht zu kennen.
Wie „grün“ denken Deutschlands Entwickler? Das Echo auf die Umfrage war aus Elektrotechnik, Fahrzeug- und Maschine

Von Ralf Utermöhlen
Von Ralf Utermöhlen

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